Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 6 (15.3.1937)
- Date
- 1937-03-15
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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128 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Levinger Zigarren Haben ihre Stammkunden! S.LEVINGER, Bayerstr.21 im Hotel Rheinischer Hol Gegr. 1886 Fernsprecher 54897 Handwerkliche Berufsausbildung und Lehrsfellen Von der Schule am Mittelmeer (Dr. Hans Weil) Reoco>, Riviera Ligaire (Italien), geht uns folgende Mitteilung zu: Es ist uns gelungen, durch Vereinbarung mit den hiesigen Behörden und Handwerkern unserer seit drei Jahren bestehenden Schule am Mittelmeer eine Abteilung für handwerkliche Berufsausbildung für Schüler im Alter von 15—19 Jahren anzugliedern. Die ausgezeichnetem Handwerksmeister dieses Landes sind bereit, unsere Schüler, die gleichzeitig bei uns eine Sprachausbildung und eine Art Fortbildungsschule erhalten, in ihre Werkstatt aufzunehmen. Diese Lehrlingsschüler unterstehen der Aufsicht eines bewährten deutschen Fachmannes, der in ständiger Fühlung mit iden Handwerksmeistern die Ausbildung überwacht. Diese Arbeit wird geleistet vom Herrn Dr. W e i s - haupt, der in eigener Lehrzeit, in Organisationsarbeit und Aufsichtstätigkeit an den Kölner Werkschulen und der Gewerbeförderungsanstalt für die Rheinprovinz sich die besten Voraussetzungen geschaffen hat. Die Eigenart des italienischen Handwerks, das noch zu einem großen Teil auf wirklicher Handarbeit beruht, bietet umfassende Ausbildungsmöglichikeiten an Holz, Stein, Metall, Textil, Farben, Lebensbedarf. Es besteht die Möglichkeit zu formender und montierender Arbeit in den Hauhanidiwerk- und Metallgebieten, eingeschlossen Elektro- und Autoimechanik, zur Herstellung und Verarbeitung in den Bekleädungs- und Nahroiinigsmittelgewerben. Dazu kommt noch in unserem eigenen Hause unsere bereits seit einiger Zeit eingerichtete Spezialausbildung für Leicaphotographie und deren Anwendungsgebiete. Für junge Auswanderer bietet die Lage Reccos die günstigste Voraussetzung, sich für die verschiedensten Länder und Kontinente klimatisch umzugewöhnen. Unseren Schülern, die heute in allen Teilen der Welt ihre Wege begonnen haben, hat die Übergangszeit in Recco sehr genützt. Aus Brasilien, Chile, Montevideo, New-York, Südafrika, Palästina berichten sie von dem, was sie tun, und bestätigen in ihren Berichten den Wert unserer Bemühungen. Beim Abschluß der Lehrlingszeit erhalten die Schüler ein bestätigtes Zeugnis der Handwerksmeister über erfolgte praktische Ausbildung und von uns ein Schulzeugnis über d'ie Ergebnisse ihrer Arbeiten in der. Fortbildungsschule und beim Sprachstudium. Die Verbinidung von Handwerksausbildung und allgemein bildendem, allgemein vorbereitendem Unterricht, auch in kaufmännischen Fächerai, die über den Rahmen der Fortbildungsschule hinausgehen, verkürzt die Zeit der Vorbereitung. Die Schule am Mittelmeer steht in ständiger Korrespondenz mit ihren Freunden und ehemaligen Schülern in allen Ländern und hat dadurch einen Überblick über die Berufsaussichten in aller Welt. Daher ist sie auoh befähigt, durch vorsichtige und auf Kenntnis gestützte Berufsberatung Lehrlingen und Eltern zu dienen. Die Preise sind mäßig. Die Devisen für die Schüler der Schule am Mittelmeer sind bisher auf Grund der Aufnahmeenklärung immer bewilligt worden. Anschrift: Schule am Mittelmeer (Dr. Hans Weil) Recco, Riviera Ligure (Italien). SCHREIBWÄREN FÜLLHALTER SPIELKARTEN in großer Auswahl MAIERSCHE PAPIERHANDLUNG Rudolf Stern Karlstr. 8, Ecke Barerstr. Tel. 57624 Aus der Gemeinde München Lehrhaus-Vortrag in der Kultusgemeinde Am Montag, den 22. März, abends 8.30 Uhr, wird Herr Dr. Werner Cahnmann einen Vortrag „Ost und West in der Geschichte der Juden im mitteleuropäischen Raum" halten. Der Vortrag verspricht wichtige und neue Ausblicke auf die Besonderheit der Juden in Deutschland, und im ganzen Umkreis Mitteleuropas, vor allem auf die hier kaum noch beobachtete Reichhaltigkeit der Gliederung der Juden in Zeit und Raum. Landschaft und Sitte haben ihre Wirkung getan, westliche und östliche Einflüsse haben zusammengewirkt, um das zu formen, was wir heute sindv. Raschi beispielsweise aus französischer, Buber aus galizischer Herkunft sind die Repräsentanten der Wandlung, die in Jahrhunderten die Judenheit.in Deutschland durchgemacht. Der Vortrag wird Anfänge und Verlauf dieses Geschichtsweges — wieder an einem Wendepunkt unserer Geschichte — behandeln. Der Zutritt ist für Mitglieder der Gemeinde frei. VfpK Zionistische Ortsgruppe ^»ch^A MÜn(hen S*losser*tr.2/l Tel. 53 052 Purimfeier der ZOG. Im Restaurant Schwarz versammelten sich viele Mitglieder und Gäste der Ortsgruppe zu einem Purim-Abend, bei dem eine Reihe von gelungenen Darbietungen die entsprechende fröhliche Stimmung schufen. Musikalische Vorträge von Herrn Bettsack und Wolfgang Granat, Accordeon-Soli der begabten Ruth Weinschel, Vorträge von Dr. Ferdinand Kahn und A. Shainerman sind zu erwähnen, vor allem aber auch eine außerordentlich witzige Purim-Zeitung von Dr. Leopold Künstler, die verschiedene Erscheinungen des jüdischen Lebens in satirischer Form behandelte. Vortrag Dr. Hans Friedenthal (Berlin) am 20. März Die im Januar bereits angekündigte Kundgebung mit Dr. Hans Friedenthal, die verschoben werden mußte, findet nun am Samstag, den 20. März 1937, in der Turnhalle des Jtus statt. Dieser Vortrag wird sich mit den brennenden Fragen der jüdischen Gegenwart beschäftigen und sicher allgemein stärkstes Interesse finden. Der Redner, Mitglied der Leitung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, ist einer der hervorragendsten und sachverständigsten Darsteller dieses Gebietes. Näheres ist der Anzeige in dieser Nummer zu entnehmen. Aus der Arbeit der Wizo Die Münchner Ortsgruppe der Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina (Wizo) hat es sich zur Aufgabe gemacht, in weiteren Kreisen der jüdischen Frauen Aufklärung über die Beziehung der jüdischen Frau zu Palästina und die Möglichkeiten! ihrer Mitarbeit am Palästina-Aufbau zu schaffen. In der Reihe solcher Abende gab Frl. Fanny Li eber einen Überblick über die Institutionen der Wizo und der anderen jüdischen Frauen-Organisationen in Palästina (Landwirtschaftliche Ausbildungsiarmen', Haushaltungsscfoulen usw.) und vermittelte damit einen Ausschnitt aus den wichtigen Leistungen dieser Organiationen für den Palästina-Aufbau. In einem Werbaabend, der in der Gemeinde eine größere Anzahl von Frauen versammelte, sprach auf Einladung der Wizo Adolf Pollak (Jerusalem), einer der engsten Mitarbeiter Theodor Herzls, über „Die jüdische Frau und Erez Israel". Er ging aus von der Bedeutung der Landwirtschaft als dem lebensnotwendigen Unterbau des gesamten Palästinawerkes und schilderte die unentbehrliche Rolle der jüdischen Frau bei dieser Aufgabe. Dann legte er dar, was die jüdische Frau als einzelne und in der Gemeinschaft in allen Zweigen des palästinensischen Lebens geleistet hat und zu leisten berufen ist. Er schloß mit einem Appell, an dieser Arbeit, die Sache jeder jüdischen Frau ist, schon hier in einem bescheidenen Maße teilzunehmen.