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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-03-15 · 6 (15.3.1937) · p. Seite 127

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (15.3.1937)
Date
1937-03-15
Page
Seite 127 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 127 ALICE LESSER Total-Ausvcrkauf HUTMODEN Residenzstraße 23/1 Tel. 29547 Einzelne Stümpen und wegen Geschäftsaufgabe stotte> aIIes hervorragende vom 15.— 3 1. März 1 937 Qualität von O riginal modelte in Filz und Stroh 2.-bis 25.-RIA. Winterhilfe an Gedanken und Gefühlen in mir geweckt hat. Ein häßlicher Februar hatten den Winter, den grimmigsten Feind 'der Armen und Notleidenden, noch einmal in die Lage versetzt, sich in seiner ganzem Niedertracht1 zu zeigen. Ein eisiger Schneesturm 'peitschte mir ins Gesicht. Sonst konnte selten etwas mir 'die graue Alltagssorge aus diem Hirn vertreiben, mir, der ich nun schon jahrelang erwerbslos bin. Sonst begleiten mich überallhin und immer die quälenden Gedanken. Heute aber, an diesem entsetzlichen Februaraibend, war ich in Feierstunde. loh gimg zur Synagoge. In meinem anständigen Gewand hätte kein Mensch in mir den Arbeitslosen erkannt oder vermutet. Der Stempel der Not war ausgelöscht. Dicht gefüllt war 'das schöne jüdische Gotteshaus. Eine erwartungsvolle Menge harrte 'des 'hohen Genusses. Ich unter ihnen allen ein Gleichberechtigter. Nicht der leiseste Unterschied. Meine Nachbarin zur Linken nicht' mehr als ich, ich nicht weniger als mein Nachbar zur Rechten, der sicherlich ein geachteter Geshäftsherr war. Allen konnte ich mich gleich fühlen. Und 'dann —das Konzert. Dieses Brausen und Dröhnen, dieses Jubeln und Jauchzen, dieses Klängen und Singen der Kunst der großen Meister der Tonikunst. Verscheucht waren alle drückenden und lastenden Sorgen des Tages. Iah war nicht 'mehr der aus dem Arbeitsleben Ausgestoßene. Hier war ich Mensch — hier dürft dchs sein! Bis tief in die Nacht saßen wir zusammen, meine Frau und ich. Auch ihr teilte ich meine unvergeßlichen Eindrücke mit. Das, lieber Leser, freundliche Leserin, ist unsere jüdische Winterhilfe. Ein großes schönes Glück für uns, die Armen. Nur für uns? Nein! Auch 'für Dich, der Du diese Zeilen1, liest und opfertätig an diesem wunderbaren Werke mitschaffst. Habe ich also recht 'gehabt mit dem Punkt? Tatsache ist sie geworden: „Hilfe". Oder macht doch noch der Eine oder Andere schnell sein Ausrufezeichen dahinter? Wir<aber, idde die zur Tatsache 'gewordene „Hilfe" am eigenen Leibe, ün der eigenen Seele erleben dürfen, können nur eines saigen: Daink, herzlichen Dank! Doch noch ein kurzes Wort zum Schluß: Wenn nun noch die jüdischen Firmennnhaiber auch an die stellungslosen älteren Kaufleute denken, dann ist die jüdische Winterhilfe zur wunderbaren Lebenshilfe geworden. Einer für Viele. Was sollen die jüdischen Schulentlassenen tun? Der Schulentlassunigstermin des 1. April 1937 stellt die jüdischen Eltern und dlie jüdischen Schulentlassenen vor neue, bisher nicht gekannte Probleme. Bisher standen ihnen die jüdischen Einrichtungen für die Berufsberatunigs- und Lehrstellenvermittlung zur Verfügung. Diese Stellen haben ihre Tätigkeit einstellen müssen. Für. die Planung der jüdischen Berufsausbildung ergibt sich immer deutlicher die Aufgabe, die Jugend im Zeitraum ihres 14. und 18. Lebensjahres auswaniderungsreif zu machen. Man weiß, daß diese Jugend keine Möglichkeit haben wird, sich auch nur während dieser Zeit in irgendeiner Weise beruflich in Deutschland einzuordnen. Es steht somit dem Wunsch, aus finanziellen Gründen die Ausbildung möglichst abzukürzen, die Notwendigkeit gegenüber, den Zeitraum dieser vier Lebensjahre sinnvoll auszufüllen. Es besteht der tragische Widerspruch, daß die jüdische Gemeinschaft in Deutschland, je mehr sich ihr Lebensbaum verengert, desto mehr Aufwendungen machen muß, um ihre Jugend zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr zu versorgen. Will man vermeiden, daß sich zwischen dem Ende der Berufsausbildung und dem frühestmöglichen Zeitpunkt der Auswanderung ein Zwischenraum einschiebt, in dem ein Teil von dem wieder verloren geht, was durch die Berufsausbildung geschaffen wunde, so darf diese Ausbildung zumindest vor Vollendung des 15. Lebensjahres nicht beginnen. Hiervon wird lediglich dann eine Ausnahme gemacht, wenn es gelingt, den Jugendlichen in eine normale Lehrstelle zu bringen, die ihn dann in drei- oder vierjähriger Lehrzeit auswanderunigsreif macht. Aus diesen Notwendigkeiten heraus entstand die Aufgabe, das Jahr nach der Schulentlassung auszugestalten. Hierfür kam das 9. Schuljahr in Betracht und der Gedanke einer Vor- oder Grundlehre, die eine Hilfe bei der Berufsentscheidung der Schulentlassenen darstellen und den Berufsanwärter mit den Erfordernissen der verschiedensten Berufe bekannt machen, bzw. in denen in Holz- und Metallbearbeitung sowie Gartenbau Unterricht erteilt wird. Die Vorlehren sind gewöhnlich nur auf ein halbes Jahr eingerichtet. Weiter ist ein Ausbau der Lehrwerfestätten erfolgt und sind neue landwirtschaftliche und gärtnerische Kollektiv-Ausbilidungsstätten geschaffen worden. Es bestehen gegenwärtig 30 Kollektiv-Ausbildungsstätten für Landwirtschaft und Gärtnerei, 8 Hachschara-Zemtren und 23 Lehrwerkstätten, Lehrgänge und Kurse für die Ausbildung in handwerklichen Berufene Weiter sind 28 Kurse für die Ausbildung in der Hauswirtschaft, in der Säuglingspflege und -für Schneiderinnen und Kindergärtnerininen vorhanden. Neben den Kollektiv-Ausbildungsstätten behalten die Einzelr ausbildungsstellen ihre volle Bedeutung. Der vom Zentralausschuß schon im Jahre 1934 verkündete Grundsatz, daß bei der durchschnittlichen Eignung der Juden für den kaufmännischen Beruf künftig nur der überidurohschnitlich Geeignete diesen Beruf ergreifen sollte, hat an Richtigkeit nichts verloren. Bei der Ausbildung im kaufmännischen Beruf ist die Erlernung fremder Sprachen unerläßlich. Weiterhin wird mami davon ausgehen können, daß die Lehrstellen in den Handwerksbetrieben mit jüdischen Inhabern künftig im wesentlichen von den öffentlichen Arbeitsämtern mit Juden besetzt werden, soweit nicht eine unmittelbare Besetzung im Frage kommt. Bei der Ausbildung von Mädchen wird immer mehr empfohlen, an die Schulentlassung ein hauswirtschaftliches Jahr anzuschließen. Für die wedblichen Handwerke kommen in erster Linie die handwerklichen Einzelstellen in Frage, die durch geplante iKollektiv-Ausbildungsstätten, insbesondere im der Schneiderei, ergänzt werden sollen. (Nach Informationen der Reichsvertretung Abt. Berufsausbildung und'Berufsumschdehtung.) Aufbaumöbel, Ein- und Zweibett- CoilChGS sowie komplette Zimmer-Einrichtungen MÖBEL-BALLIN Theatinerstraße 7, Eingang MaffeistraBe Billige Preise bei gediegener Qualität

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