Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 6 (15.3.1937)
- Date
- 1937-03-15
- Page
- Seite 126 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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126 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Alle Artikel des täglichen Bedarf s gut und billig m XSl>J Utflfalder QmhJfy fllündjen. irnftcrentat weitem. Wir 'Wollen weder Beherrscher, noch Beherrschte sein. Unser Anspruch ist heute weit stärker als vor 20 Jahren' zur Zeit der Balifourdeklaration. War müssen immer wieder auf drei Punkte deuten: Unser von Juden und Nichtjuden nie vergessenes historisches Anrecht auf das Land, unsere großen kolonisatorischen Erfolge 'bei der Erschließung des Landes und zuletzt unsere überall ins Unermeßliche gesteigerte Notfage. Der Kampl um diese unveräußerlichen Lebensrechte des jüdischen Volkes bedarf höchster politischer Aktivität im Streit um die Entscheidung der KgL Kommission. Einen tiefen Eindruck hinterließ bei allen Teilnehmern die Gefallenen-Gedeniklfeier ata 21. Februar in der Synagoge, vor allem die Ansprache von Herrn Rabbiner Dr. Baerwald. Er weckte die Erinnerung an die lange Kette der Helden des Sterbens und des Duldens, die von Josua über die Makkabäer und die Dulder des Mittelalters bis in unsere Zeit reicht. Herr Kommerzienrat Paul Josephsthal sprach tiefempfundene Worte der Erinnerung an die Heimgegangenen und an den Glauben, der sie beseelte. Im ganzen Reich verliefen dieses Jahr die Gedenkfeiern für die 1(2 000 im Weltkrieg gefallenen jüdischen Frontsoldaten im deutschen Heer würdig und waren von den Gedanken am die Vergangenheit begleitet. In Berlin wies der Gedenkgottesdienst in der Neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße einen Massenbesuch auif. Die Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten marschierten nach Ortsgruppen in Zügen geordnet geschlossen in die Synagoge, während 'die Emporen von Betern, unter ihnen vielen Krdegermüttern, Kriegswitwen und Kriegswaisen, dicht gefällt waren. Schwerkriegsbeschädigte, vielfach an Krücken, nahmen' die ersten Sitzreihen ein. Rabbiner van der Zyl ermahnte die: Überlebenden, sich in dieser Stunde des Gedenkens nicht durch Resignation klein zu zeigen, sondern eine Haltung zu bewahren, die der 12 000 würdig ist welche ans dem Geist der Treue und der Liebe draußen ihr Leben (hingegeben haben. Man solle ihr Opf er nicht dadurch verkleinern, daß man frage: sind sie umsonst gefallen? Unsere Aufgabe sei es, in dem durch unsere Religion gebotenen Geist der Liebe zu verharren, auch wenn diese nicht erwidert wird. Aus deutschen Juden, sagte Rabbiner van der Zyl, sind wir Juden in Deutschland geworden. Nun holen wir unsere; Torem die FRÜHJAHRS-NEUHEITEN Mäntel — Kleider — Blusen in großer Auswahl Fachgeschäft für Damenmoden LEO OPPEN H EI M ER Dachauer Straße 9 (neben Cafe Rheinland) für Deutschland gefallen sind, heim in unsere eigene Gemeinschaft. Wer unter uns sich sachlich und gründlich über einzelne, viel erörterte Lehren des Talmud und Schulchan-Aruch, vor allem über das Wesen und die Herkunft dieser nachbiblischen Hauptwerke des Judentums unterrichten lassen wollte, hatte dazu Gelegenheit durch den Lehrhaus-Vortrag von Herrn Rabbiner Dr. Max Esohelbachier-Düsseldorf sowie auch durch die vorangegangenen überaus anregenden und inhaltsreichen, pädagogisch glänzend geführten Jugendkurse. Das Rechtssystem des Talmud, Zeit, Ort und Menschen, für die er geschrieben wurde, die totale Lebensordnung, die er regeln will, vor allem aber die Methode, in der dies geschieht, kamen in den Eschelbacher'schen Vorträgen so zur Sprache, daß auch der Laie einen guten Begriff bekam, worum es sich hier handelt. Rabbiner Dr. Eschelbacher hielt sich von irgend einer Art der Apologetik fern. Er behandelte vor allem die Lehre des Judentums über das Verhältnis des Menschen zum Juden an Hand der Texte und erklärte systematisch eine Reihe angefochtener Stellen aus Talmud1 und Schulchan-aruch exegetisch, rechtlich und historisch. Der Vortrag bewies, daß wer guten Willens ist, »an diesen nicht leichten Stoff heranzugehen, Wege des ersten Verständnisses für diese den Meisten heute verschütteten Grundbuches finden 'kann und daß ein methodisch einwandfreier Zugang auch zu diesen Texten möglich ist. F. Hilf e. Dank für das jüdische Winterhilfswerk in München. Keine Angst, lieber Leser, freundliche Leserin! Kein Hilferuf ist es, der mit diesen Zeilen in Dein Haus gellen soll. Kein „S.O.S." soll Deine beschauliche Ruhe stören. Sonst hätte ich ja auch nach dem Wort „Hilfe" das Ausrufezeichen nicht vergessen. Der Punkt nach diesem Wort sagt viel. — Alles. Eine Tatsache von außergewöhnlicher Bedeutung, daß der Schreiber dieser Zeilen, der bestimmt glaubt, im Namen Vieler zu reden, die.auf ihn einströmenden Empfindunigen kaum meistern, geschweige denn in die richtigen Worte kleiden kann. Ich will von etwas erzählen, das erhebt. loh will von etwas Schönem sprechen. Ich bin wahrlich Zeit meines Lebens ein Feind aller Superlative gewesen. Aber bei dem, wovon ich sprechen will, fällt es einem schwer, den Superlativ zu meiden. Das, was mir und vielen meiner Leidensgenossen widerfahren ist, ist wirklich schön, wunderbar schön. Die jüdische Winterhilfe. Was sie leistet, ist in den jüdischen Zeitungen zu lesen. Noch nicht aber, was die fühlen, denen (die Winterhilfe zugute kommt. Das möchte ich versuchen. Durch Kohlen ward mein enges, aber eisiges Dachstübchen zum warmen Heim. Die Wärme aber drängt die Verzweiflung auf ein ganz winziges Ecköhen zusammen. Die Wärme des Körpers teilt sich auch der Seele und dem Geiste mit. Mit dieser Wärme zog aber auch ein Sonnenstrahl des beglückenden Gefühls in die Seele, daß man nicht verlassen ist. Die reichlichen Spenden an Lebensmitteln scheuchten den Hunger, den Wegbereiter der Verzweiflung. Bekleidung aller Art und von wirklicher Qualität versetzten uns in die Lage, draußen auf der Straße „bekowet" und anständig einlherzugehen. Man war und ist kein Schnorrer. Man ist ein Notleidender, der wohl seine Not im Herzen trägt, seinen Kummer in der Seele verschließt, der aber stolz sein kann, jener Gemeinschaft anzugehören, deren Glieder in dem von der Not Heimgesuchten nicht einen Bettler, einen Almosenempfangenden sehen, sondern nur den Bruder. Es ist ja auch kein Almosen, das durch die Winterhilfe zugeteilt wird, es ist Hilfe, im echt jüdischen Sinne: Zedoko.. Das tut wohl, das umgibt die Spende mit Schönheit. Das zwingt zur Dankbarkeit, die der Organisation gilt, aber auch allen denen, die der Verwaltung der jüdischen Winterhilfe durch ihre Opfertat die Mittel gegeben haben. Schön aber ist auch,. daß für die Not des Geistes und der Seele hilfreich gesorgt wird. Ein kleiner Abschnitt aus meinen Tagen von heute gibt wohl am besten das wieder, was die.