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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-03-15 · 6 (15.3.1937) · p. Seite 124

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (15.3.1937)
Date
1937-03-15
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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i24 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 6 Photo Abraham Aus einer deutschen Haggadah-Handschrift des Spätmittelalters (Ägypter auf der Verfolgung hinter den ausziehenden Hebräern) chowoth hat sie ihr Hebräisch gelernt. Und in der Tat zeigt sich im klaren Fluß ihrer Verse eine glückliche Vereinigung des Ältesten und Neuesten. — Entscheidendfür ihr Leben ist die. Berührung mit dem Boden Palästinas — nicht nur (mit seinen Mauern -und Gräbern, sondern mit der Natur des freien Landes, wo Rachel als Schülerin der Hannah Maisel in der Landwirtschaftsschule für Frauen in Nahalal und in Deganiah pflügte und säte — arbeitete und mit den Freunden feierte. Rachel ist die Dichterin der Cbafluzoth; ihre Lieder werden dort in Kinereth, wo sie lebtev und allzu früh gestorben ist, von den Jungen und den Alten in rasch gefundeuier Melodie gesungen. Es war ein glücklicher Gedanke von Ruth Ollendorff; eine Auswahl aus Rachels Liedern in Deutsch und Hebräisch herauszugeben (Hechaluz-Verlag 1936). Gerade weil diese Übersetzungen sehr anspruchslos und treu sind, werden sie vielleicht die schöne Aulgabe erfüllen, die der Übersetzerin, wie sie in ihrem Geleitwort bekennt, vorschwebte: Brücken zu werden zwischen den Eltern, die bleiben und den Jungen, die ins Land ziehen und diese Lieder in ihrer ursprünglichen Gestalt beim Neschef und beim Tiiul singen werden. Ein wenig älter als Rachel ist die Dichterin und Schriftstellerin, die unter dem Namen EIi s che wa ihre hebräischen Gedichte und Erzählungen schrieb. Dieser Frau war ein Schicksal bestimmt, das in früheren Zeit wohl selbst schon den Stoff MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII Stadtfiliale Hochbrückenstr. 14, Ecke Herrnstr. einer Dichtung hätte bilden können. Elischewa trug ihren schönen Namen, den sie der Gattin des Priesters Aharon entlehnte, nicht von Jugend an; in ihrer Kindheit hieß sie Elisaweta und war schon eine bekannte russische Schriftstellerin, als sie 1920 im Alter von mehr als 30 Jahren ihr erstes hebräisches Gedicht schrieb und nicht viel später Jüdin wurde. Auch sie ging dann nach Palästina und lebt heute dort auf dem Lande. In ihren Dichtungen in Vers und Prosa findet man die Spur aller dieser umwühlenden Erlebnisse — aber nur wie Spuren der Karawanen, die verweht im Wüstenisande schlafen. Ihr ganzes Frauenlos bringt sie mit in das junge Land: Liebe und Enttäuschung ... und 'hie und da auch etwas von dem Asphalt russischer Städte oder dem Gäßchen ihrer Kinderheirnat; und immer bleibt die Sehnsucht ungestillt. Neben diesen Mädchenliedern, die in jeder Zone und an jedem Orte klingen könnten, aber finden sich prachtvoll lebendige Augenblicksbilder .von den felsigen Bergen Judas, von den Kamelen, die unter ihren Fenstern vorbeiziehen; und von den Toren der ewigen Stadt Jerusalem, die Keiner bis jetzt aus dem Schlafe der Jahrhunderte zu wecken wagte. In allen diesen Liedern tönt es wie Klage, Verzicht und träumendes Leid: „Erfüllung bringt einzig der Traum" sagt sie einmal — und fühlt sie täglich und nächtlich. In eine völlig andere Welt dagegen versetzen uns die Gedichte einer Dritten unter diesen neuen Lyrikerinnen, die ich als die stärkste und zukunftsreichste unter ihnen empfinde. Arada Pinke rfeld ist bei uns noch fast unbekannt; aber in Raiästina kennt jedes 'Kind ihre Kinderlieder, die sie meist in der Kinderbeilage des Dawar veröffentlichte. Sie kommt aus Polen und begann mit polnischen Gedichten, ehe sie den Weg zur hebräischen Sprache und Dichtung fand. Nun aber strömt der Quell — unaufhaltsam und freudevoll. Freude klingt aus ihren fast hymnischen Zeilen: Freude — von Mund zu Mund von Aug zu Auge von Blut zu Blut — Frage — und Antwort. Sieh: Schuld ists und Sünde Die Türen schließen- Den Pochenden draußen. Auf. Türen und Arme, Wer kommt — sei willkommen! Dies ist der Grundton, der in ihrer Welt -erklingt. Und nun beseligen sie all die Farben und Töne: heller Tag „rein wie lauter Gold"; Gott jubelt im Sonnenstrahl; Blumen und Kirschen, Meer und Land. Aber ihre jugendstarke Seele muß auch das Dunkel kennen lernen, wo man im Finstern vor dem Fenster steht, in Regen und Schlamm und den Stein gegen das Fenster wirft, hinter dem der Andere schläft; und die Verzweiflung, die sich die beiden Fäuste in den Mund preßt, um den Schrei zu ersticken. Hier ist Leidenschaft, die vor dem Tod nicht scheut. Hier ist aber auch Gedanke, der vor den Schränken der Diohtung nicht zurückschreckt. Einen Kreis ihrer Gedichte nennt sie „Gott"; ihr Geldlicht „Gott.ist die Wüste" wird man nicht so bald vergessen. Anda Pinikerfeld hat die Kraft einer jungen ungebändigten Wöge, die weit ins Land hinein ihren Schaum verspritzt. Ihr sind die Rebellen der Bibel lieb; dem wilden Esaw hat sie einen Zyklus von Liedern gewidmet. Von ihr — so scheint es mir — haben wir noch manches starke und stolze Lied zu erwarten. Bertha Badt-Strauß Die Gemeinde hört Gemeindliche Veranstaltungen in der Synagoge München: Dr. Michael Traub über die Aufgaben der Royal Commission — Gefallenengedenkfeier — Rabbiner Dr. Eschelbacher über Talmud und Schulchan-Aruch Die Gemeinde München hatte in -den letzten Wochen Gelegenheit 'im Lehrhaus und Kulturbund, in Kundgebungen und' Feiern in der Synagoge sich votn den verschiedensten Seiten her über jüdische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ein Bild zu machen. Die Kultusgem-ednde, der Ortsausschuß der.Jewish Agency und -des Keren Hajessod München hatten die Gemeinde am 27.

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