Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-03-15 · 6 (15.3.1937) · p. Seite 123

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
6 (15.3.1937)
Date
1937-03-15
Page
Seite 123 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2727810-2728075-2728081--11092-2744498
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 6 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 123 würden, wenn! die Möglichkeit dereinst bestehen sollte, das Haus — in übertragenem Sinn — wieder zu errichten. Es kommt darauf an, wessen Stimme in der Geschichte hörbarer und nachhaltiger 'klingt, die der weltlichen Fürsten oder die der Propheten. Propheten aber brauchen wir, damit sie unsere Zeit lehren, was Zion und Jerusalem dem Volk bedeuten sollen. Wieder ist uns ein Begriff der Seßhaftigkeit zum Verhängnis geworden. Diesmal nicht das saturierte Sitzen auf eigener Scholle, sondern das Gastspiel, das wir gegeben haben in dem guten Glauben, nicht Gäste, sondern Glieder der Hausgemeinschaft zu sein. Wir sind es nicht. Der Begriff der Seßhaftigkeit hat uns umsonst beruhigt; manche haben ihn mit ins Grab genommen, wir können es nicht mehr, wir wissen, daß der alte Wüstengeist nach einer Ruhepause zum Aufbruch mahnt. „Forschen und Wandern" ist unsere Aufgabe, beides dürfen wir nicht vergessen; Gebot der Geschichte an uns, wenn wir nicht zerbrechen wollen. Wandern nicht aus Lust zum Nomadisieren, sondern aus Notwendigkeit zum Leben. Sei es uns vergönnt, die Wanderung des Pessachfestes zu wiederholen, um nochmals „heute" Ihm zum Volk zu werden. Was ich an historischen Tatsachen erzähle, hat eine Tendenz. Wir sind wieder am Bau des Heiligtums, wir wissen nicht, wann es fertig wird. Aber bei aller Notwendigkeit, Menschen zu helfen, dürfen wir nie vergessen, daß wir nicht im Sinne Zedekias einen Staat vor Augen haben, sondern im Sinne Jeremias ein Volk und ein Heiligtum. Allen denen, die sich dem Volke weihen, sei das Abschlußwort des zweiten Buches Mose nochmals in Erinnerung gerufen, das Schlußwort des Hochliedes der Offenbarung: „Wenn die Wolke sich von der Wohnung erhob, dann brachen die Kinder Israel auf nach allen ihren Zügen. Solange aber sich die Wolke nicht erhob, brachen sie nicht auf bis zu dem Tage, da sie sich wieder erhob. Denn eine Wolke des Ewigen war über der Wohnung am Tage, und ein Feuer war bei Nacht darin vor den Augen des ganzen Hauses Israel, auf allen ihren Zügen." In Erinnerung an diese Worte rufen wir gern den Afosohiieid'sgraiß: „Sei stark, wir wollen stark sein!" Denn Nomaden Gottes sind wir, ohne Anteil an den äußere Ruhe versprechenden Gütern der Erde, das Herz voller Sehnsucht nach friedlicher Seßhaftigkeit. Als man einst vor dem Pessachfest beim gebotenen Schöpfen des Wassers zum Backen der Mazzot einander zurief: „Nächstes Jahr in Jerusalem!" sagte Rabbi Schalom von Bels: „Warum erst im nächsten Jahr? Vielleicht werden wir mit diesem Wasser, das wir jetzt schöpfen, morgen am Vortag des Festes in Jerusalem Mazzot backen und sie essen, wenn Messias kommt, uns zu erlösen." — Wenn ihr ins Land kommt... dann helft mit, eine Seßhaftigkeit aufzurichten, deren Bedingungen uns nicht wieder zwingen, Nomaden zu werden. Als Nomaden Gottes dürfen wir bleiben. Neue Frauendichtung in Palästina Wem einmal das Glück zuteil wunde, in Nahalal die „Frauen hinter dem Pfluge" zu sehen, die Jüdinnen, die in Feld und Stall, im Pardeß oder im Gemüsegarten von früh bis spät tätig sind, der wird unter 'diesem kräftig breiten Bäuerinnen und Gutsfrauen alles andere eher suchen als____Dichterinnen. Dennoch ist in diesem altjungen Lande, wo alles anders sich abspielt als hierzulande, oft das Vorher zum Nachher und das. Nachher zum Vorher 'geworden, so ist denn «auch wie eine große duftende Blume in dieser Zeit der Kämpfe und Arbeiten eine neue hebräische Frauenlyriik aufgebrochen — wie eine bunte Blüte inmitten der Kornfelder: „Niemand hat sie gesät, niemand hat sie gepflanzt, niemanid hat für sie den Himmel um Regen angefleht" Schon dies 'bezeichnende Bild der neuen Frauendichtung stammt aus den Gedichten einer von diesen jungen Sängerinnen. Es gehört der Volkstümlichsten unter ihnen — wenn auch vielleicht nicht einmal der stärkstem Begabung in diesem Kreise, der heute ständig wächst und sich wandelt. Rachel Bltiwstein, die man in Erez Israel meist unter ihrem Vornamen Rachel kennt, mit dem sie ihre Gedichte unterzeichnete, ist erst als Neunzehujährige aus Rußland nach Palästina gekommen; aus der Bibel und von den K i n d e r n im Kindergarten au Re- Aus einer nordfranzösischen Haggadah-Handschrift des 15. Jahrhunderts Photo Abraham i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.