Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 5 (1.3.1937)
- Date
- 1937-03-01
- Page
- Seite 103 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 Bayerische Israelitischte Gemeindezeiturig 103 sem Grunde glaubte, der arabischen Konkurrenz nicht gewachsen zu sein. Erst in den letzten Jahren hat der Gemüsebau durch die Vergrößerung des jüdischen Marktes und durch die Einführung neuer technischer Methoden an Boden gewonnen. Im Jähre 1935/36 betrug die mit Gemüse bebaute Fläche in den jüdischen Siedlungen bereits 3500 Dunäm, und für das Jahr 1936/37 sind 5000 Dunam für Gemüsebau in Aussicht genommen. Aber auch das genügt bei weitem nicht, um den Bedarf der jüdischen Bevölkerung zu decken. Es ist nötig, insbesondere in der Umgebung von Tel-Aviv, wo Wasser und Boden für den Gemüsebau noch in großem Umfange verfügbar sind, die Anbaufläche weiter zu vergrößern, um von hier aus die jüdische Bevölkerung in Tel-Aviv und Jerusalem mit Gemüse zu versorgen. Das kann sowohl durch eine weitere Vermehrung der Anbaufläche in den bestehenden Siedlungen als auch durch Ansiedlung von Gruppen auf neuem Boden geschehen. Der Gemüsebau hat den Vorteil, daß der Siedler schon nach einigen Monaten aus dem Verkauf der Produkte Einnahmen hat, und daß der Boden in vielen Fällen zwei Ernten jährlich geben kann. Das würde nicht nur junge Leute neu in die Landwirtschaft hineinbringen, es würde auch neue Arbeitsplätze schaffen und uns in Zukunft, so wie es schon auf dem Gebiete der Milchwirtschaft geschehen ist, auch in der Versorgung von Gemüse auf eigene Füße stellen und uns von nichtjüdischen Produzenten unabhängig machen. Die im Rahmen des normalen Aufbaubudgets der Jewish Agency und des Keren Hajessod für landwirtschaftliche Kolonisation ausgesetzten Beträge reichen hierzu bei weitem nicht aus. Was zur Erreichung dieses Zieles notwendig ist, sind zusätzliche, über das regelmäßige Aufbaubudget hinausgehende Mittel. Wenn dem Appell der Executive der Jewish Agency, in den nächsten Monaten durch die Sonderaktion des Keren Hajessod für Konsolidierung und Erweiterung des Palästinawerkes (Mifal Bizzaron u'Witachon) ein zweites, außerordentliches Budget in Höhe von £ 300 000.— für den Palästinaaufbau zu schaffen, der Erfolg beschieden sein wird, den, nach seinem heroischen Abwehrkampf, der jüdische Jischuw in Palästina von der gesamten Golah erwarten kann, so wird mit diesen Mitteln ein wesentlicher Beitrag zur Konsolidierung und Erweiterung unsres Werkes auch in den hier genannten Bezirken des Aufbaus geleistet werden können. Rechenschaff und Rückschau Kundgebung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland Ini großen Saal des Brüdervereinshauses in Berlin fand am 15. Februar eine Kundgebung der Reichsvertretung der Juden m Deutschland statt, die unter dem Motto: Rechenschaft, Rückschau und Ausblick stand. Eingeleitet wurde die Kundgebung durch eine Ansprache des Präsidenten der Reichsvertretung, Dr. Leo Baeck, die folgendermaßen lautete: Wenn ein Schicksal an die Tore pocht, dann kann es keine Politik mehr geben, sondern nur das Gebot. Die Männer, die vor 3% Jahren die Reichsvertretung schufen, haben keine Politik treiben wollen, sondern sie haben sich damals dem Gebote erschlossen. Sie sind der Pflicht gefolgt die damals wie heute keiner, der das Schicksal gehört, verkennen kann. Dieses Gebot ist zuerst das der moralischen Einheit, d. h. der Einheit, in der jeder sein Ich, das kleine oder das große vergißt und sein Interesse und das seiner Gruppe hintansetzt. Es ist das Gebot, unter dem jeder nur fragt, was geschehen muß, damit wir Juden auch in schwersten Tagen uns treu bleiben, auch in schwersten Tagen rechtschaffen, wahrhaftig und dem Gesetz Der Aristokrat unter den Mänteln 88— 98.— 108.— 135.— BAMBERGER & HERTZ Die zuverlässigen Kleiderfachleute gehorsam aufrecht und gerade bleiben, daß das Moralische uns eint! Dieses Gebot ist dann das, eine Jugend zu erziehen und damit eine Zukunft zu schaffen. Eine Jugend im Judentum in der Schlichtheit und Arbeitlichkeit,. in der Echtheit und Selbstlosigkeit zu erziehen, damit, wenn sie hinausgeht, sie aufrecht hinauszieht, ohne Haßgefühl, ohne Ressentiment, mit dem Willen und der Kraft, wo immer einer ist, der Gemeinde und Gemeinschaft, aus der er kommt, dem Namen, den er trägt, der Stätte, wo er aufbaut. Ehre zu bereiten, Zukunft also zu schaffen. Dieses Gebot ist endlich das der Hilfe und der Gewißheit, des Beistandes, der jeder Not zur Seite tritt und nicht abwartet, bis nicht mehr geholfen werden kann, des Beistandes, der auch die Seele kennt und sucht und innerlich aufrichtet, des Beistandes, der auch den Willen zum Geistigen und zur geistigen Höhe in unseren Gemeinden lebendig macht und lebendig erhält und damit in jedem schließlich die letzte Gewißheit stark werden läßt, den Willen zum Judentum festigt und sichert. Um dessentwillen ist die Reichsvertretung geschaffen worden, und die Arbeit von Jahren darf hiervon zeugen. Als zweiter Redner nahm das Wort das geschäftsführende Präsidialmitglied der Reichsvertretung, Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch. Der Redner stellte an die Spitze seiner Darlegungen die Erklärung, daß eine Reichsvertretung notwendig sei, und daß die Notwendigkeit von niemanden bestritten werde. Er behandelte sodann in seinem Referat die Frage der Zusammensetzung, Organisation und Finanzierung der Reichsvertretung. Ob die Mitglieder des Präsidiums gewählt oder ernannt werden, sei für den einzelnen Juden ohne- Interesse, ihn interessiere nur die Frage, ob die Männer der Reichsvertretung die Fähigkeit haben, über lokale und Organisations-Interessen hinweg das Interesse der Gesamtheit im Auge zu behalten. Dr. Hirsch ging sodann auf die Bildung der Reichsvertretung ein, behandelte die geschichtliche Entstehung und wies darauf hin, daß nach der Schaffung der Reichsvertretung sehr bald die bis dahin bestandenen zentralen Stellen, insbesondere die Zentral- Wohlfahrtsstelle in ihr aufgegangen seien. Der Redner behandelte sodann die Frage der Mittelaufbringung und besprach die Funktionen des Haushaltsausschusses, dessen Zusammensetzung den Gemeinden die Möglichkeit eines weitgehenden Einflusses geboten habe. Durch den im Jahre 1936 gebildeten Rat bei der Reichsvertretung sei der Einfluß der Gemeinden weiter gestärkt worden. Nach dem Vorbild der Berliner Gemeinde sei sodann auch in der Reichsvertretung das Fifty-Fifty-Prinzip durchgeführt Es ist höchste Zeit, daß alle säumigen Spender jetzt ihren Beitrag zur Jüdischen Winterhilfe au! das Postscheck- Konto der Jüdischen Winterhilfe der Israelitischen Kultusgemeinde München Nr. 45842 überweisen!