Mannheim
Compact Memory

Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-03-01 · 5 (1.3.1937) · p. Seite 102

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
5 (1.3.1937)
Date
1937-03-01
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2727810-2728075-2728080--11070-2744475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

w Bayerische Israelitische Gemeindezeijung Nr. 5 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig f Ufftfcldcr Cintijfr. TflvmÄfeti, im 9lotantal AUFRUF Der Keren Hajessod (Jüdisches Palästinawerk) hat die Juden in allen Ländern und in Deutschland zu einer Sonderaktion für Konsolidierung und Erweiterung des Aufbauwerkes in Palästina aufgerufen. Nach den Ereignissen des vergangenen Sommers, denen der jüdische Jischuw im Lande mit bewundernswerter Festigkeit und Selbstbeherrschung standgehalten hat, stehen wir vor der großen Aufgabe, die entstandenen Schäden wieder gutzumachen und durch neuen Aufbau auszugleichen. Letzten Endes aber handelt es sich darum, durch rasche Verstärkung der jüdischen Position im Lande unser Recht auf die jüdische Heimstätte allen Angriffen und Einschränkungsversuchen gegenüber zu sichern. Dieses Recht wird gestützt idlurch die großen Leistungen des jüdischen Gemeinwesens in Palästina. Wenn wir nicht dtuirdi persöro- Eohen Einsatz an dieser Aisfgaibe teilnehmen können, so muß doch jeder von ums helfen, durch Airfbringunig der notwendigen Mattel die Voraussetzungen des Aufbauwerks zii schaffen. Wir fordern alle Mitglieder der Gemeinde auf, in diesem entscheidenden Augenblick ihr Verantwortungsgefühl gegenüber der jüdischen Gesamtheit zu beweisen und mit ihrem Opfer für den Keren Hajessod an dieser gemeinsamen Aufgabe mitzuwirken. Jewish Agency und Keren Hajessod Ortsausschuß München Dr. Alired Neumeyer Justin Lichtenauer ■/%/WWW I Jüdische Winterhilfe I München War bitten zpn nächsten EWopfsonntag, 14. März 1937, dem letzten in dieser Wtoterfails-Periode, die Jüdische W-kiterhitfe nochmals mit einer zusätzlichen Spende g zu bederiken, da "gerade 'in diesem Jahre durch das Pes- | sachfest ganz besondere Anfforderamgeiji an die Jüdische £ Wmierhiie gestellt wenden. 5 ■WWVWX/VWWWWW« Konsolidierung und Aufbau Von Dr. Arthur Ruppin, Jerusalem Die Kundgebung des Jüdischen Palästinaaufbauwerkes e. V., bei der sich am 27. Februar in München die Gemeinde einmütig zur Mitwirkung bekannte, vermittelte vor allem durch den Vortrag von Dr. Michael Traub ein genaues Bild der heutigen politischen Lage im heiligen Land. Stand doch in der Tat in den letzten Monaten das „Jüdische Volk" vor der „Königlichen Kommission" und hatte Gelegenheit, seine Wünsche und Sorgen um Palästina vorzutragen. . In dem folgenden Aufsatz nimmt Dr. Arthur Ruppin. einer der ersten Kolonisationssachverständigen des Palästinaaufbaus, zu einigen besonders aktuellen Problemen der augenblicklichen Lage in Erez Jisrael Stellung. Die Araber hatten gehofft, durch ihren Generalstreik die jüdische Wirtschaft lahmzulegen und die Bewohner der jüdischen Städte auszuhungern. Von Zeit zu Zeit würden in den arabischen Zeitungen sensationelle Nachrichten über die Hungersnot in Tel-Aviv verbreitet. Wehn in Wirklichkeit die jüdische Wirtschaft sich trotz des Streiks aufrecht erhalten und wenn die jüdische Bevölkerung keinerlei bedrohlichen Mangel an Lebensmitteln gelitten hat, so ist dies auf drei Umstände zurückzuführen: Erstens darauf, daß durch die ungestörte Fortarbeit im Hafen von Haifa der Import von Waren aus dem Auslande in der alten Bahn weiterging, zweitens, daß durch die Eröffnung des Hafens in Tel-Aviv ein zusätzlicher Auslädeplatz geschaffen wurde, und drittens dadurch, daß die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in mustergültiger Weise den ganzen Bedarf der jüdischen Bevölkerung an frischer Milch decken könnten und zu einem gewissen Teile auch den Bedarf an Milchprodukten (Käse, Butter) und Gemüse. So wie schon einmal während des Weltkrieges die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen, damals noch gering an Zahl, für die Versorgung des Jischuw mit Lebensmitteln eine entscheidende Rolle gespielt hatten, so haben sich diese Siedlungen auch jetzt wieder ausgezeichnet bewährt. In manchen Beziehungen hat sogar der arabische Streik der jüdischen Wirtschaft Nutzen gebracht. Der Bau der Reede in Tel-Aviv wäre, obwohl sie von der jüdischen Bevölkerung seit Jahren verlangt wird, nie in Angriff genommen worden, wenn nicht der Hafen von Jaffa durch den Streik stillgelegt und dadurch die Notwendigkeit einer Ausladestelle in Tel-Aviv so deutlich geworden wäre. Die Vermehrung des jüdischen Anteils an der Polizei, immer und immer wieder von den Juden gefordert, hätte sich nicht verwirklicht, wenn nicht durch den Streik und die in seinem Gefolge einhergehenden Gewalttaten die Regierung eingesehen hätte, daß sie ohne eine große Zahl neuer jüdischer Poliizsten der Ünsicherheit nicht Herr werden kann, und wenn die jüdische Jugend unter dem Druck der Ereignisse die Notwendigkeit, sich für den Polizeidienst zur Verfügung zu stellen, nicht erkannt hätte. Die vermehrte Heranziehung von Juden zu den öffentlichen Arbeiten (Straßenbau, Eisenbahndienst, Hafendienst) wäre nicht erfolgt, wenn nicht die Regierung durch den Streik sich davon überzeugt hätte, daß sie bei der Aufrechterhaltung des Verkehrswesens sich nicht allein auf den arabischen Sektor der Bevölkerung stützen kann. Der verstärkte Einsatz jüdischer Arbeiter in den alten landwirtschaftlichen Kolonien wäre nicht erfolgt, wenn nicht durch den Streik die jüdischen Plantagenbesitzer ohne arabische Arbeiter geblieben wären. Das alles sind Positionen, die in diesem Sommer neu gewonnen wurden. Aber ein schwacher Punkt hat sich gezeigt, den wir noch beheben müssen. Das ist die Selbstversorgung der städtischen Bevölkerung mit den leicht verderblichen Lebensmitteln, die im allgemeinen nicht vom Auslande importiert, sondern im Lande selbst erzeugt werden müsseh. Es dreht sich hier, da Frischmilch — wie oben erwähnt — von den jüdischen Siedlern bereits in ausreichendem Maße erzeugt wird, um Gemüse. Die Gemüserzeugung war immer das Aschenbrödel in der jüdischen Kolonisation. In den alten Kolonien war sie überhaupt nicht vorhanden, und auch in den neuen Kolonien ist man nur zögernd an> den Anbau von Gemüse herangegangen, weil der Gemüsebau sehr viel Handarbeit verlangt und man aus die-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.