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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-02-15 · 4 (15.2.1937) · p. Seite 77

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
4 (15.2.1937)
Date
1937-02-15
Page
Seite 77 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 77 Davids" mn 'dioch bald käme. Isia'alkis ganzes Leiben' ist durch Aktivität aiusigezelichraet, dieser uraicll anderer Art. Er schriet) eiirurrual in ciimem Trostlbraef: „Denn gegen .das Schiicksai gibt es, wie Semeca saigt, mur unter der Bedinguinig eitri Mtteil, daß miau ins Leben eintritt mnid wiieder fhiaiauisgeiht."11 Berthold Auerbach in unserer Zeif Bekenntnisse des Schriftstellers, eingeleitet und ausgewählt von Dr. Siegmund Hirsch. Kann uns Berthold Auerbach, der vor 125 Jahren, am 28. Februar 1812, Geborene, heute noch etwas sein? Dem Nachwirken des gefeierten Schöpfers der Schwarzwälder Dorfgeschichten, des vortrefflichen Volkserzählers, hat längst die Zeit ihre Grenzen gesetzt; seine großen Romane sind völlig vergessen. Wohl ist dem Kalendermann manches Stücklein gelungen, das in seiner gemütvollen Art und in seinem ansprechenden Vortrag Dauer hat, wohl sind unter den Dorfgeschichten, deren erste doch vor fast hundert Jahren erschienen, eine ganze Reihe, die noch immer durch Echtheit und Frische wirken, die keineswegs empfindsam und gedanklich überladen sind. Der Diethelm von Buchenberg, der Auerbachs größte Leistung, ein bleibendes Meisterstück der deutschen Erzählungskunst genannt worden ist, läßt auch den heutigen Leser noch genau so empfinden wie Eduard M ö r i k e, der zu Auerbach sagte: „Du, ich habe in den letzten Tagen deinen Diethelm gelesen, das ist was, ein tüchtiges Stück. Weißt du, das ist so ein Buch, wenn man es liest und das Licht ist einem abgebrannt, steht man auf und sucht überall nach einem Lichtstumpf, bis man ihn gefunden hat; man muß es auslesen, man hat keine Ruhe." Aber über dem dichterischen Werk Auerbachs steht doch das Wort: Gewesen! Meister Berthold hat, trotz aller Freude an der Anerkennung durch die Besten, mit gesunder Selbstkritik bei vielen seiner Gebilde dieses Verblassen und Vergehen festgestellt und verstanden. Das hat ihn in seinem Schaffen, das ihm etwas Heiliges war, nicht irregemacht. Immer wieder mit künstlerischem Ernst das gestaltend, was ihn bewegte, niemals fragend: was gefällt der Welt, was wünscht sie? ist dieser Mann, der sich auch im lange währenden Sonnenschein des Ruhms den großen Dichtern und Denkern gegenüber ganz klein vorkommt, durch seine hohe Auffassung von geistiger Arbeit ein Vorbild. So hat ihn Spielhagen wegen der treuen, unentwegten Hingabe an seinen schriftstellerischen Beruf gewürdigt, so tritt er auch in der lebenswahren Charakteristik Erich Schmidts vor uns, ftn der noch aur besonderen Kennzeichnung dieses jüdischen Schriftstellers betont wird: „Auerbach hat wenig Witz, wenig Ironie, wenig Schärfe, nichts Ätzendes und Zersetzendes; er ist kein behender und aggressiver Dialektiker,, kein mit scharfem Verstände rechnender Analytiker." Der Blick auf einen solchen Menschen, der nie seinem Judentum zur Unehre wurde, auf „einen Lebenslauf, durchweg im Dienste hoher Ideale verbracht", hat seinen Wert gerade für unsere Zeit. Und auch wie ein Träger immer wiederkehrenden jüdischen Schicksals erscheint uns Berthold Auerbach, der so freudig am Leben seiner Umwelt teilnahm und mit schuf, und der in seinen letzten Lebensjahren als Jude mit schwerster seelischer Erschütterung den Rückschlag empfinden mußte. Halten wir aus seinen Bekenntnissen einiges fest, was auch heute noch zu uns spricht! Wir finden es in den Briefen, die er von 1830, also von früher Jugend an, bis zum Jahre 1882, bis wenige Tage vor seinem Tode, an seinen Vetter und Freund Jakob Auerbach gerichtet hat. Wenn der Literaturhistoriker in den beiden Bänden eine reiche Quelle für die Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts sieht, wenn vieles aus der geistigen und politischen Entwicklung Deutschlands in diesem Zeitraum durch die Briefe beleuchtet wird, so hören wir außer 11 Brief an idien Grafen Faro. Der Aristokrat unter den Mänteln 88— 98.— 108.— 135.— BAMBERGER»HERTZ Die zuverlässigen Kleiderfachleute diesem allem auch den treu mit seinen Glaubensgenossen, mit ihrem Schrifttum und ihren Geschicken verbundenen Juden, der — wie Erich Safomidt schön saigt — Zioms und der Weiden Babylons im Hafen niemals vergaß. Worte aus der Bibel, die er immer in der hebräischen Ursprache anführt, begleiten ihn von der Schülerzeit, von dem Eintritt ins Gymnasium zu Stuttgart an, durch sein ganzes wechselvolles Leben. Wenn er starke Eindrücke hat, wenn der Ernst eines menschlichen Schicksals, vor allem aber, wenn die Größe und Ewigkeit der Natur ihn bewegt, dann steigt ein biblischer Spruch oder eine altjüdische Erinnerung in ihm auf. Kissingen, 17. Juli 1861. Ich gehe allein auf der Landstraße. Schon der Boden der Landstraße ist mir angenehmer als der Kiesboden der Alleen, und ich höre nichts als Lerchengesang, sie singen hier gar frisch und jubelnd, und ich sehe die Menschen hantieren, und die Blumen an den Wegrainen sind so frisch, und mir ist, als wäre ich nach langem schweren Schlaf erst wieder recht auf der Welt; jede Hecke ist mir wie ein Gruß aus der Kindheit, und ich möchte immer so fort wandern und wandern und nichts haben als selbstvergessen da sein, und ich schreibe mir gar nichts in mein Taschenbuch — was sollen alle Gedanken? — ich lebe und nehme alles auf umidi sämige still1 den ganzen Atem der frischen Welt ein. Es ist hier alles so fruchtbar und üppig, das Korn steht in Wahrheit golden da inmitten der vielen Weizen- und Haberfelder mit ihrem saftigen Grün, und da, jetzt fällt mir's ein, heute kam mir wieder das Bibelwort in die Seele, dem ich in der Kindheit die Auferweckung meines innern Lebens verdanke: „Siehe, der Duft meines Sohnes ist wie der Duft eines Feldes, das Gott gesegnet hat!" •'VVVVV%^/VVVVX/VX/V%'VVVX/VVV%'VVVX/VV>VVVX/VX'VV%'%. r Landreise in Palästina in Reichsmark zahlbar S \ Cresellschaftsreise? £ nach | PALÄSTINA S mit dem 15000-to-Luxusdampfer Jean Laborde \ g ab Marseille 19. März — an Marseille 11. Äpril t £ Fahrpreise einschliesslich elftägigem S | Landaufenthalt ab RÄ. 582.—. . g £ Haifa—Tiberias—Kolonien—Tel-Äviv £ £ Peßach in Jerusalem > > Buchungen, Auskünfte, Prospekte durch g | Palestine & Orient Iiloyd S \ München, Maximiliansplatz läa / Tel. 93881 i ^vvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvvx^^vvvvvv

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