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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-02-15 · 4 (15.2.1937) · p. Seite 76

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
4 (15.2.1937)
Date
1937-02-15
Page
Seite 76 (sequence 8)
Language
German
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76 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 KULTUSGEMEINDE MÜNCHEN I LEHRHAUS 1. Einzelvoriräge: Sonntag, den 21. Februar, abends 8.30 Uhr: Rabbiner Dr. Max Eschelbacher (Düsseldorf): „Jüdische Eigenwelt und Umwelt in Talmud und Schulchan-Aruch." Synagoge Herzog-Max-Straße. Eintritt frei! Montag, den 8. März, abends 8.30 Uhr: Dr. Werner Cahnmann: Ost und West in der jüdischen Geschichte im mitteleuropäisch. Raum. Sitzungssaal. Eintritt frei! 2. Kurse und Arbeitsgemeinschaften Fortsetzung der bisherigen Kurse: Prof. Dr. Cohen: Soziologie der Juden, jed. Dienstag 20.15 Uhr. Dr. M. Ehrenkranz : Einführung in den Midrasch, jeden Dienstag 21.15 Uhr. Dr. S. Kessler und Dr. R. Eisen: Palästinakunde (Dienstag, vierzehntägig, 8.15 bzw. 9.15 Uhr): 23. Februar: Bürgerkunde, Rechtsverhältnisse und Verwaltung (Dr. Kessler). — Balfour- Deklaration und Palästina-Mandat (Dr. Eisen). Dr. B. Silberschmidt: Einführung in das philosophische Denken, jeden Mittwoch 20.15 Uhr. Dr. F euchtwanger: Geschichtskurs, jeden Mittwoch 21.15 Uhr. Mittwoch, den 2 4. Febr., f allen die Kurse wegen Pur im aus. Stud.-Rat Schaalmann: Einführung in .die heutige Physik, jeden Donnerstag 20.15 Uhr. Rabb. S. Wiesner: Einführung in die Mischna, Donnerstag 20.15 Uhr (Utägig). (25. Februar). Neue Arbeitsgemeinschaft: Die Rechtsstellung der Juden in Deutschland und Jüdische Sozialarbeit: Kursleiter Rechtsrat i. R. Dr. Otto Weiler. Beginn Dienstag, den 16. Februar, abends 7 Uhr, im Sitzungssaal der Gemeinde. Der Kurs findet 14tägig statt (Fortsetzung 2., 16. März, 13. April). Teilnehmergebühr: RM. 1.—, Jugendliche RM. —.50. Jeder weitere Kurs die Hälfte; auf Antrag Ermäßigungsmöglichkeit. Alle Kurse finden im Sitzungssaal der Gemeinde, Herzog-Max- Straße 7, statt. Anmeldung bei Kursbeginn. Singkreis für die gesamte Jugend Leitung: Kantor J. Hohenemser. Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 5 Uhr, im Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog-Max- Straße 7/1. — Teilnahme gebührenfrei. Schulungskurs für Jugendführer Rabbiner Dr. M. Eschelbacher. Samstag, den 20. und Sonntag, den 21. Februar, nur mit Teilnehmerausweis zugänglich. „Ohne Kraft grausen sie: dreitanderttausend Fußgänger — ich mit ahmen — Alt und Jung, Kinder und Frauen, dorthin, wohinidier Geist sie trieb zu gehen. Dieser beschloß nach Portugal zu gehen, jener mach Navarra. Aber Not, Finsternis, Düsterkeit und Unruhe trafen, sie, viele Sorgen, Raub, Zusammenbruch, Hungersnot und Seuche."8 Viele Juden nahmen die Taufe, darunter der Großrabbiner und Steuerpächter Abraham Senior, ein enger Freund und Mitarbeiter Abarbaneis. Er selbst aber „zog mit ihnen", teilte das neue Exil, das alte Elend selmer Stamimes'genosse.n. Isaak Abarbanel, der sich bisher immer als Wohltäter und Berater der Juden erwiesen hatte. „Für sein Volk war er Felsen und Schild, Retter der Bedrängten aus der Hand dier Gehässigen. Er hielt stand und spramig in die Breschen, 'half den Juden vor den Löwen"9 — Isaak Abarbanel folgt auch in geistiger Beziehung seinem Volk: In ihm vollzieht sich die gleiche Wandlung wie in der jüdischen mystischen Philosophie, der Kabballa. 'Der Traum von einer behaglichen Existenz in Spanien war ausgeträumt, das furchtbare Erwachen war nur zu ertragen durch eine neue Hoffnung. Die Kabbala streift ihr bisheriges Gewand ab; vorbei ist die Zeit der Seelenkunde, der Kosrciogonie, die Erörterung letzter Weltgelheimnisse, es koanmt die Epoche der Messiasgiäübiigkeit, ider Propaganda unter den Juden, ein Leben zu führen, das den Messias in die Welt herabbringen werde. Ab 1492 ist die Kabbala nicht mehr die Welt des Sohar, sondern die des Isaak Luria, der kein Buch herausgab, sondern nur Lehrer unidi Unterweiser war, Vorbereitung für den Empfang .dies Messias zu treffen, und eher an einen chassidisdhen Rabbiner erinnert Auch Isaak Abiarbianel beikennt sich zum Messiamsimus, er berechnet aus astronomischen Ziffern und dem Buch Daniel das Jahr 15313 als das Erscheinungsjahr des Gesalbten. Abarbanel, der strenggläubige Rationalst, der zwar ein strenger Ketzerrichter war und selbst den Rarahaim verketzerte, der aber auf der anderen Seite als erster Jude idlie christlichen Kommentatoren mit in seine. Betrachtungen hineinzog, Abarbanel, der philosophisch gebildet war wie kaum ein Zeitgenosse, der Seneoa, Aristoteles usw. zitierte, dieser Abarbanel wiird Messiianist. Die zweite Seele, die iiiu seiner Brust lebte, erscheint nach dem Zusammenbruch, und sie befähigt den Schwergeprüften, weiter zu leben und neue Prüfungen, zu ertragen. Die Zeit war reif für den Messianismus: 1S02 tauchte der fälsche Messiasvorläufer Ascher Lärnrnlein auf, 1524 erschien David Reubeni. Für die Abarbanels hatte der Messianismus eine spezielle Bedeutung, er war für sie neben der nationalen auch wach eine familiäre Angelegenheit. Denn da diese Familie sioh von David ableitete (Abarbanel Glied. eines Gottessohnes, vgl. Psalm 2, 7), barg sie den Messias in sich. Um so schlimmer mußte es den schwergeprüften Vater treffen, daß der einzige Sohn seines ältesten Sohnes, der nach «hm Isaak hieß, bei der Flucht aus Spanien in Portugal festgehalten und dort zwangsweise getauft worden war.10 Isaak sollte auch lin Italien, wohin er sieh aus Spanien gewandt hatte, keine Ruhe finden, er mußte noch einmal flüchten, als die Franzosen Neapel besetzten. Er 'ging nach Koriu und kehrte schließlich nach Italien 'zurück, wo er sich in Venedig niederließ. Dort staro er 1508, hochgeachtet von Juden umid Christen, selbst von der Regierung, dfie ihn gegen Ende seines Lebens noch mit Verhandlungen mit dem portugiesischen König betraute. Das „Messiiasijiahr" hat Isaialk .also nicht mehr erlebt. Aber auch, wenn er gesehen hätte, daß 1532 die Erlösung nicht kam, wäre er nicht enttäuscht worden; die mittelalterliche Messiashoffnung der Juden war nicht zu enttäuschen: Kam' der Messias diesesmail nicht, so hatte mau selbst die Schuld unidl mußte Propaganda treiben, 'diamit die Juden so> lebten, daß der „Sproß 8 Einleitung zum Kommentar zum Buch der Könige. 9 Leone Ebreo in dem Vorsnmch zu dem Prophetenkommentar seines Vaters. 10 Uber Leone Ebreo und «einen geraubten Sohn werde ich vielleicht bei anderer Gelegenheit schreiben.

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