Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 4 (15.2.1937)
- Date
- 1937-02-15
- Page
- Seite 78 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Bayerische Israelitische Gememdezeitung Nr. 4 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Samaden, 5. August 1877. ---Ich lebe ganz in der Hoheit dieser Bergwelt, die so überwältigend und niederdrückend wäre, wenn nicht die leichte freie Atmung und die entlastete Luftsäule einem Leichtmut und ein Gefühl des Flüggeseins gäbe. Im einsamen Ausruhen, während ich — ich weiß nicht wie — meinen hebräischen Namen mit großen Buchstaben in den Schnee schrieb, fiel mir ein: solch ein Einschreiben in das große Buch der Welt wird deine Lebensgeschichte sein, bald verweht, geschmolzen und nicht mehr da. Aber was tut's? Im Anblick des Höchsten und Ewigen äst alles Einzelle'ben kleiml und nichtig, und idioch lebt jedes sein Leben aus und faßt es in Töne, dort das jauchzende oder in Furcht klagende Murmeltier und hier die Bergkrähen, die um die nasse Felswand fliegen, wo sie wahrscheinlich nisten und nur, wenn ich das Echo erwecke, wieder auffliegen. Triberg, 19. August 1877. ---— Ich meine, ich war noch nie so waldfroh wie jetzt; der Wald war mir aber auch noch nie so nachbarlich, so heimisch zugehörig, und das Rauschen des Wasserfalls mit der durchtränkten Luft, erquickt mich allmorgendlich, ich trinke aus dem Felsenquell zwei oder drei Glas und (gehe dann langsam bergauf. „Wie eine Hindin schmachtet nach Wasserbächen", das ist gut gesehen und gradaus gesagt, und da be- Jüdischc Lehrerbildungsanstalt Würzburg Das Schuljahr 1937/38 beginnt am 12. April. Aufnahmebedingungen für Schüler und Schülerinnen: a) Für die unterste Klasse: 7 Schuljahre b) Für die mittleren Klassen: Mittlere Reife c) Für die oberen Klassen: Abitur. Schüler- und Schülerinnenheim vorhanden. Die Anmeldefrist endet am 10. März. Anfragen an das Direktorat. hauptet man, die Näturfreude sei modern; die Bibel drückt sie nur nicht als Lust für sich aus, sondern exemplificirt auf das Seelenleben.. Man hört nur noch die Elster und den Nußhäher, das Jahreswachstum ist fertig, und nur dem Werdenden wird gesungen. Berthold Auerbach, dessen Wirken als Freund vielen zugute gekommen ist, fühlt aufs tiefste die Verpflichtung, den Leidenden zu helfen. Das bewährt er ergreifend bei dem großen Erzähler und Dramatiker Otto Ludwig, dem er in bitterer Not Unterstützung verschafft, an dessen Krankenlager in Dresden er täglich stundenlang voll Liebe und Güte sitzt. Ein treuer Helfer ist er seinen Angehörigen. Dresden, 5. April 1861. ---Als ich heimkam, hatte ich eine freudige und erfrischende Nachricht. Mein Freund Otto Ludwig hat vom Königvioin Bayern, zunächst auf ein Jahr, ein Stipendium von 400 Talern erhalten. Ich darf mir sagen, daß ich dem tapferen Manne das miterringen half. Solches Tun für andere tut eigentümlich wohl, und es hat eine tiefe ethische Deutung, wenn es heißt: „Wer für seinen Nächsten betet, der wird desto eher auch /für sdeto erhört." Dresden, Mai 1863. ---Ich blieb nicht lange bei Wolisohn, der gut und herzlich ist und dessen Frau noch sehr leidet von einer schweren Operation an der Wange. Ich bin ein Sch'liach—Mizwa, und das bewegt mich sehr, und Du weißt ja, wie das bei mir ist. Ich habe ja schon längst eine derartige Geschichte vor, und nun muß ich sie selbst durchleben. Das ist oft mein Schicksal! Ich habe, vom Verein der Berliner Presse u. A. soviel zusammengebracht, daß ich meinem armen Freunde Otto Ludwig 42 Nap. d'or bringen konnte. Zu ihm drängte mich's vor allem. Berlin, 26. November 1861. Eine große Freude habe ich Dir zu berichten, lieber Jakob. Im Kummer über den Tod meines Bruders und die Verlassenheit seiner Kinder ging mir's nicht aus dem Sinn, mich an Dr. Ellissen zu wenden. Und so schrieb ich an E. und gab ihm anheim, einen der Knaben meines Bruders auf seinem Lebenswege zu unterstützen. Nun erhielt ich gestern einen Brief von E., so echt menschlich schön, worin er nur bedauert, sich jetzt noch nicht persönlich der Lebensführung des Knaben hingeben zu können und 300 fl. jährlich bis zur Selbständigwerdung des Knaben bietet. Ich sendete die Botschaft sofort weiter und schrieb nach Nordstetten an den Lehrer und meine arme Schwägerin. Meine Mutter hat mir oft gesagt: du bist.der Joseph der Familie, und es kommt mir manchmal jetzt selbst so vor. Als auf seine Glaubensgenossen Schweres einstürmt, arbeitet er in den Vereinigungen, die zur Hilfe für die Betroffenen gegründet werden, tätig mit. Das Zusammenhalten ist ihm das Wichtigste. Er verzehrt sich in dem Wunsch, für die Seinen mit Rat und Tat zu wirken. Er betont auch die Notwendigkeit der Umschichtung und körperlichen Erziehung der Juden. So wie Leopold Kompert hat auch Berthold Auerbach seine Freude am jüdischen Handwerk. Das zeigen zwei Briefe aus der Heimat. Nordstetten, 24. Juli 1870. ---Ich wanderte mit einem alten Schulkameraden, dem Schuhmacher Herzle, den Weg, den Du kennst, über Egelstal nach Mühlen, und unterwegs gab es viel gute Erweckungen an Jugendspiele und Schulereignisse. Herzle ist ein Mensch, wie es wenige gibt, namentlich wenig Juden. Ich war oft bei ihm, als er in Horb beim sogenannten Fußbekleider in der Lehre war, er wanderte als Handwerksbursche und litt viel unter der strengen Beobachtung der Speisegesetze. Als ich Gymnasiast war, war er Soldat in Stuttgart, und auch da lebten wir viel miteinander. Er verheiratete sich hier und blieb bei seinem Handwerk. Er arbeitet seit bald 40 Jahren hier, täglich, Sommers und Winters von 5 Uhr morgens an bis nachts 8 Uhr, kümmert sich nichts um schnellen Gewinn der Handelsleute, hat sich ein gutes Vermögen erarbeitet, hat brave Kinder und lebt zmifnieden und arJbeiitstain wtie wenig Menschen; seiini ganzes bescheidenes und dabei so tüchtiges und festes Wesen macht Staatezionistische Organisation Orfsgr. München Dir. Georg Kareski, Berlin spricht Samstag, den 6. März 1937 abends pünktlich 2030 Uhr in der Turnhalle des „Jtus" Plinganserstraße 76 „Judennot in aller Welt!41 „Wo ist der Ausweg!" Karten sind in der Ewer-Buchhandlung erhältlich.