Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 4 (15.2.1937)
- Date
- 1937-02-15
- Page
- Seite 75 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 75 9eni, und auch all die profoieanatischen Gestalten, die „'das große gewaltige Schicksal., erhebt, indem es sie zermalmt". Zu .diesen merkwürdigen Menschern gehört Isaak Abarbanel, Sohn, Enkel unid Urenkel von Weiteen tmid Raichen, Nacbkomimie des Könftgs David, Finaazminäster dreier Länder. Die letlzte Blüte idies jüdischen Löben« aiuf 'der Pyrenäenhalbinsel hob 'ihn höher als irgendeinen seiner Staamraesgenossen; der völlige Zusammenbruch des jüdliscfa-spaniiisohen Lebens traf ihn hart wüe alle Juden, 'uan so härter, je tiefer der Starz war. „Ruhig war dich in .metaem Hause, eimeni Haus voller Schätze .und' Erbe (Her Väter, gesegnet durch. Gott, in der -gepriesenen Stadt Lissabon', Stadt luraid Mutter im Portugal. Glücklich war ich im Batest des Königs Don AMomso, dier regierte von Meer •zu Meer und Erfolg hatte üi .aillem, was er .begann. Ich war iihim 'nahe, .umid er sitützte sictb aiuf imich."1 Aber 'dieser Rutoe -unter Alfons V. war keine Dauer besdhieden. Bs war eine Zeit gewaltiger Umwälzungen. Die Seereisen der damaligen Zeit, .die Renaissance im Italien, tder Anischwung der Wissenschaften, idlas Wiederaufleben 'der abendländischen Phdlosaphiiie 'und .die Enitdeokun/g 'der Neuen Welt zeigen das Bilid jener Zeit mir zur Hälfte. Die andere Hälfte ist die Inn QUisition, die luniumischränikte Macht der Kirche, die erbarmungslose Verfolgung jeder freien' Meinung. Diesen beiden nur dterni Scheine mach gegensätzlich'en Seiten ein und derselben Zeit entsprechen genau idlie Erscheinungen der Politik. Auf •der einen Seite gelang es in Frankreich, Poirttugal und Spanien, diie Reichsednbeit herziustellen und dien (Feudalismus -durch die absolute Monarchie abzulösen; auf der anderen Seite war das schonungslose Machtstreben der Monarchen und Rebellionen des Adels. Juan (Joäo) folgte seinem Vater 1481 als König in Portugal. Er verfolgte rücksichtslos 'die Feudalen1, die sich 1483 gegen ihn mehrfach empörten. An 'der Spitze 'der Verschwörungen standen die Schwäger des Königs, die Herzöge von ßraganiza und von Visen, beides enge Freunidle von Isaak Abarbanel. Die Verschwörer wurden hingerichtet, und auch Isaalk war das gleiche Schicksal zugedacht. Nachdem lähm aber eine abenteuerliche Flucht mach Kastilien, dem Stammsitz seiner Familie, gelungen war, schrieb er an seinen früheren König, dessen Finianzmimister er gewesen, einen langen Rechitfertigungsibrief. Er behauptete sein Leben lang seine Unschuld; auch der älteste Sohn des Verfolgtem, der als Philosoph umd Dichter berühmte Leone Ebreo (Jehuda Abarbanel), dessen Güter gleich denen des Vaters konfisziert wurden, verteidigte seinen Vater: „... Dort (in Portugal) herrschte Juan1, der mich vor Zeiten verfolgt hatte. Dort waren Ehre und Besitz meines Vaters groß gewoirden, als Juans Vater mioch lebte, ein wohlgesinnter König. Aber 'dieser erhob sich, schlecht, nichtswürdig und) grausam, ein Plünderer, unersättlich und hündisch. — Als die Granden sich gegen ihn mit seinem Bruder verbanden, verwickelte er trügerisch meinen Vater 'in die Verschwörung: 1 Abarbanel in der Einleitung zu seinem Josuakoimmentar. Als er seinen Bimidier .cDaim mordete, wollte er auch ihm töten — alber wunderbar rettete ihn vor dem Tod dier über den Engeln thront. Er rettete sich nach Kastilien, wo ernst unser Stammhaus war, meine Vorfahren lebtem Da raubte er bis zum Nichts sein Vermögen, plünderte meine Güter, mein Silber lumidl Gold."2 Die Behauptung von Isaaks Unschuld, wurde dann immer wieder aufgestellt.3 Allerdings notiert Graetz,4 daß der 1606 verstorbene Gavisiom5 schreibt, Abarbamel habe stich an der schriftlichen Fixierung des Komplotts 'durch seine Unterschrift beteiligt, wenn auch mit den zweideutigen Worten: „Für den Fall, 'daß die Herren einig sind, ich auch." Zwar bezwerMte Graetz 'die Riichti'gkeit idtteser Nachricht, aber Heinz Pflaum8 wies aus den Prozeßakten7 nach, daß Isaak mindestens fmanziell der Verschwörung seine Hand gereicht hatte. In Toledo wurde Abairbanel Schatzmeister des Königs Ferdinand, obwohl ein 'kamonisches Gesetz dem 'katholischen Monarchen die Bestallung etnes Juden verbot Aber die neue Ruhe sollte nicht lange währen. Im Jahr 1492, dessen hebräischen Zahlenwert Isaak durch das Wort „er zerstreut Israel" wiedergibt, läuteten idie Siegesgloaken über Granada auch den Tod der spanischen Juden ein. Zu Ende war eine Epoche von nie wieder erlebter Blüte, eine Epoche, 'die im Judentum undim Islam absolut einmalig war: Treue Anhänglichkeit an das überlieferte Gesetz und trotzdem höchste Lebensfreude. Zu Ende war eine Zeit, in der die religiösem Dichter wie Jehuda halevi und Salomo ibn Gabirol gleichzeitig die Verfasser von Schach-, Wein- und Liebesliedern waren; zu Ende war eine Zeit, in der gesetzestreue Juden höchste Staatsposten inme hatten und die Gelehrsamkeit des Judentums und der gesaimten Umwelt in sich vereinigten. Zu Ende war die stationäre Assimilation, d. h. eine Amgleichiung an idie Umwelt nur bis zu einer gewissen Stufe unter gleichzeitiger Bewahrung .der eigenen Rultargüter, -die nicht wie 'die deformierende Assimilation zur Auflösung des eigenen Wesens geführt hat. Alles dies war zu Ende, endgültig vorbei. Umsonst bot Abarbanel als Führer der bedrohten Judenheit dem König idie Riesensurnime von 30 000 Goldgulden an, falls das Dekret annulliert würde. Ihm persönlich wollte der König zwar erlauben, im Land zu'bleiben, aber er zog es vor, von neuem in die Fremde zu ziehen: 2 Elegie über die Zeit, Vers. 29—35. 3 Simsheinner geht (Bayer. Ist. Gemeindezeitung, X., S.202) sogar so weit, die Verschwörung als solche überhaupt in Ab.- red'e zu stellen, obwohl sie durch eine Unzahl von Zeitdokitmenten und späteren Berichten (z.B. durch das oben zitierte Gedicht des Leone Ebreo) bestätigt ist. 4 Gesch. d. Juden, VIII., S.329. 5 Omer hasübichchia (Armenabgabe), S. 21. 6 Soinicino^Blätter I. S. 215. 7 Diese wurden 1903/06 im Archivo Historie© in Lissabon veröffentlicht. Jüdischer Buchs und Zeitschriften;Verlag Robert Alter, Berlin SW 68, Schützenstraffe 52, bietet an: JIM H. CRONER (Johannesburg) SUDAFRIKA D1EPURIM MEGILLA IN ROLLENFORM mDK n^D MIT DEUTSCHER ÜBERSETZUNG Vollständig punktierter Text in SOFER-Orfginalwiedergabe mit vielen Bildern von OTTO GEISSMAR / Größe 21 x 240 cm in Silberfoliirter Hülle nur Versand gegen Voreinsendung von f\ QC RM. und RM. 0.93 (einsdil. 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