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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-02-15 · 4 (15.2.1937) · p. Seite 74

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
4 (15.2.1937)
Date
1937-02-15
Page
Seite 74 (sequence 6)
Language
German
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74 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr.-4 gleichzeitig beginnt die Entfremdung von den Eltern, die leider zu geringe Kenntnisse ins Land mitgebracht haben und mit den . schnellen Sprachfortschritten ihrer Kinder nicht Schritt halten können. Gerade diese Kinder ringen um jeden neuen Begriff, der ffiinen zum Erlebnis wind! wnd darum hängen sie auch an ührer neuen Sprache. Die Atmosphäre., der paläsitämensäschetn Kindergemeinsbhaift, welche in ihren Äußerungen und in ihrem Handein sieb nngeheonint, oft sogar zu wild sich auslebt, übt auf die nenangefaonirjienen Kaineraden einen ungemein anzdeheaiden Zauber aus. Die Eltern kommen oft nicht mehr mit, säe können dem Kind mächt bei den Schniiaufigaben helfen, haben wohl auch manchmal kein Verständnis für die Art sedner neuen Freuudle, das Elternhaus stiheint dem Kinde nicht mehr viel zu bieten. Alles, was am Lände geschieht, bekommt das Könid am nächsten Tag to der Schule erzählt oder liest es in seiner Kinderzeitung, dae Eltern aber erfahren alleserst acht Tage später, wenn die „Jüdische J^undschaju" aus Berlin kommt. Einen (hebräischen Brief müssen sie sich vorlesen wind Zur Wiedergewinnung lebendiger jüdischer Tradition Von Michael Siegel Die alte „heilige Sprache" ist auf dem Wege, «eine National- Spraehe zu werden; säe ist heute schon die Umgangssprache für die Masse der jüdischen Arbeiterschaft und das einigende, Mtravermättelinidte Element, ja vielleicht das Ferment. Sie ist die Sprache des Kindergartens, der Schule,, des Theaters, der Zeitung, der Volksversairrnilung und der Unftverslität. Sie hat die Bahn bereitet für das zu schaffende jüdische Kulturzentrum im heiligen Lande. Soweit die hebräische Sprachbewegumg dem Tagesbedürfnis dient, der Balästina-Wandierung, bedarf es keines Wortes der Aarfmuntenrng hebräisch zu lernen. Auch über die hebräische Sprache als Mittel einer nationalem Renadssance-jBewegunig soll hier nicht gesprochen werden. Nur von der Bedeutung des Wiederauflebens der hebräischen Bewegung für das Leben der Juidtenschaften in der Diaspora sei hier die Rede. Um es kurz zu fassen: Das koilektive und individuelle Leben der Galuth-Jud'enneit erfordert hebräische Sprachkultur heute mehr als je. Die Sprache, in welcher das geistige Erbgut der Juden seit der Volk-Werdung und: nach seiner Zerstreuung geschaffen und lebendig überliefert wundte, verlangt weitere lebendige Tradition. Wenn anders das Volk «Des Buches seine geistige Existenz erhalten und beweisen will, seine Existenzberechtigung dartun solL wenn es sein Buch, das Buch idier Bücher wirklich besitzen wall, dann muß es dieses Buch erarbeiten. Nicht um den Sprachschatz handelt es sich, sondern um den Kultursohatz; nicht nur die Religion 'der Väter, sondern das geistige Erlebnis der jüdischen Vergangenheit steht ohne Hebräisch auf dem Spiel. Nicht das ist das Wesentliche, daß «ich ein unsichitbares Band luni die hebräische Welt zieht, nicht daß eine Verbinidung geschaffen werde zum „kulturellen Zenitruim" im Lande Israel, nein: idaß die Reihe geschlossen werde, die Kette gefügt von den Ahnen zu den Enkeln. Lebendige Tradition allein gibt Haltung unidl menschlichen Stil; Ursprache und. Urgeschichte sind'die lebendigen Quellen übersetzen lassen und dem 'Kind ifehlen oft schon die dazu notwendigen »deutschen Worte, es hat sfte bereits vergessen. Die Eltern können keine Veranstaltungen besuchen, sogar die schönen Feiern der sKinder, die einen so sehr packen können, bleiben ahnen fremd. Sie fühlen) sich in dem ringsum von jungem Blut (durchfluteten Leben so alt, -und dazu ist der Lebenskampf noch so hart. Die schwere Seite des, palästinensischen Leibens kennen sie bald zur Genüge und das Schöne, dasman erwartet hat, bleibt aus. Man fühlt sich muülos und enttäuscht Dem sollte man vorbeugen, indem man sich schon hier wenigstens die Grundlagen der Sprache aneignet. Ales, was zu einer Palästinareise oder zur endgültigen Übersiedlung gehört, schafft man sich gewissenhaft an, den Tropenhelm ja nicht zu vergessen, und das Wichtigste, die Sprache ignoriert man und wandert dann taub und «stumm durchs Land. „Durchkommen" kann man auch mit anderen Sprachen, aber das Land! wirklich erleben, ...dazugehören" kann nur der, welcher Hebräisch, die Sprache der jungen Generation, 'beherrscht. gewesen (bis vor einem Jahrhundert), und unsere Aufgabe ist es, diese Quellbrunnen nicht versiegen zu lassen. Dann, wenn der historische Zusammenhang mit dien Ahnen •in der Eigensprache gefunden ist, wenn idlie Brücke wieder geschlagen ist zu den geistigen Elementen jüdischen Wissens, zu den alten Kulturwerten, dann ist ein Ruheptmikt geSumden, auf dem unsere indäiviidiuellie Existenz und1 unser kollektives Empfinden sich festigen können. Eine neue seelische Signatur, die besondere jüdische Prägung verbürgt stärkere Lebenskraft und Sicherheit. Und mit dem persön'Iichen jüdischen- Lebensstil, der sich aus dem Verwachsensein mit der sprachlichen und damit geistigen Vergangenheit ergibt, tritt (Jas ein, wais man als 'eine Verwurzelung im alten Kmlturbaden bezeichnen kaum. Damit schließt sich der Ring, der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umfaßt. Zum 500. Geburtstag von Isaak Abarbanel (1437-1508) Von Carl Cohen In diesem Jahre 1937 — das genaue Datum ist nicht überliefert — jährt sich zum 500. Male der Geburtstag Don Isaac Aibarbanel«. Die mit unserer Geschichte Vertrauten wissen, welche Bedeutung, idas Leben dieses Mannes 'hat. Er steht am Ende der viele hervorragende Naimen aufweisenden jüdisch-spanischen Epoche. Die religiöse Persönlichkeit, der Religiiomsphilosoph, aber vor allem der wirkende Mensch soll wieder lebendig vor uns stehen; eine eingehende Beschäftigung mit ider Zeit, in der Abarbanel wirkte, mit seinem Schrifttum und 'dien uns zugänglichen Äußerungen über ihn, wird ergeben, daß wir es mit einer beispielhaften und merkwürdigen, nicht in jeder Hinsicht eindeutigen Gestalt zu tun haben. An den Knotenpunkten der Geschichte, dann wenn altererbte .Situatioinien sich grundlegend verändern, Anschauungen umgewandelt . wenden und Besitztümer ihren Wert einbüßen, dann tauchen oft die „Großen Männer" auf. Jene, die von. den Zeiten emporgehoben werden, jene, die die neuen Dinge eirfas- I KEREN KA3EMETH LE3 ISRAEL Im Februar Büchsenleerung des KKL Die blaue Büchse in jedem jüdischen Haus f erwirbt den Boden Palästinas ifür/ unsere H&inr.srjMfce^fci v? JÜDISCHER NATIONALFONDS E.V., ZWEIGSTELLE MÜNCHEN, Schlosserst^ 2 1

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