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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-02-15 · 4 (15.2.1937) · p. Seite 73

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
4 (15.2.1937)
Date
1937-02-15
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 4 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 73 Die Sprache der Hebräer ist einfach, unverdorben, heilig,, kurz und fest, in welcher Gott mit den Menschen und die Menschen mit den Engeln unmittelbar und ohne Dolmetsch von Angesicht zu Angesicht verkehren, wie ein Freund mit dem andern zu sprechen pflegt. Johannes Reuchlin, De verbo mirifico („Von dem wunderbaren Wort"), Tübingen 1494. Isf Hebräisch schwerer zu lernen als andere Sprachen? Von Dr. W. E i c h e 1 b e r g. Viele von uns lassen sich vom Studium des Hebräischen durch den Gedanken abschrecken: „Das ist so schwer, das kann man überhaupt nicht lernen!" Diese Behauptung soll auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Drei Dinge sind es, die dem Lernenden besondere Angst einjagen, die er dann auf die noch nicht Lernenden überträgt: 1. die Verschiedenheit des Vokabelschatzes von dem der ihm bekannten Sprachen; 2. die Verschiedenheit der Grammatik von der indogermanischen; 3. ein dritter Umstand, den er vielleicht oft nur unklar empfindet und den man als die eigentümliche Ausdrucksweise des Hebräischen als semitischer Sprache bezeichnen kann. Wie steht es mit Punkt eins, der Fremdartigkeit des Vokabelschatzes? Es läßt sich nicht leugnen, daß hier eine fühlbare Erschwerung des Lernens liegt. Gewisse besondere Anforderungen an das Gedächtnis sind namentlich in der ersten Zeit unvermeidlich. Der Lehrer wird hier durch sorgfältige Dosierung des Stoffes dem Lernenden entgegenkommen. Indessen ahnt man oft gar nicht, welchen Schatz von Anknüpfungsmöglichkeiten man an der Sprache der Gebete und am Jüdisch-Deutschen besitzt. Ich habe Leute Freudenrufe ausstoßen hören, wenn sie limaner wieder unter der sephardiscben Gewandung einen alten, guten Bekannten entdeckten. Mit der Zeit wird das Vokabellernen leichter, einmal, weil die Anknüpfungsmöglichkeiten noch reicher geworden sind, und dann, weil man ein Gefühl für die Physiognomie der neuen Wörter bekommt und sie einem nicht mehr alle so ähnlich erscheinen wie dem europäischen Reisenden die Gesichter von Negerkindern. Wenn die Einprägung von Vokabeln nicht in Form eines wiederholten mechanischen Herunterschnurrens, sondern, wie es in unseren modernen Kursen der Fall ist, in lebendiger Konversation vor sich geht, so ist das.-eine weitere bedeutsame Erleichterung. Das zweite Angstmoment ist die „leidige" Grammatik, die schon manchem bittere Stoßseufzer abgepreßt hat. "Da gibt es Dinge, namentlich die berüchtigten Binjanim, denen man nichts aus der deutschen, lateinischen, englischen oder französicheii Grammatik an die Seite stellen kann. In der Tat weist die Grammatik der semitischen Sprachen gewisse nur ihnen eigentümliche Züge auf. Die übertriebene Vorstellung von den hier liegenden Schwierigkeiten rührt daher, daß sich der Lernende von der scheinbar unübersehbaren Fülle der Einzelheiten verwirren läßt, anstatt darauf zu vertrauen, daß es auch hier eine Ordnung gibt, daß vieles sich zusammenfassen und auf einfache Regeln zurückführen läßt. Man muß dem Schüler schon frühzeitig die großen Umrisse der Grammatik andeuten, um ihm so das beruhigende Gefühl zu geben, daß sich die Einzelheiten mit der Zeit unfehlbar zum Ganzen runden werden; und ferner darf man ihn nicht vorzeitig mit Dingen belasten, die für den Anfänger unwichtig sind. Der moderne Unterricht übt in den1 Vokabeln und in der Grammatik zunächst eine gewisse Beschränkung. Und wie die Grammatik eine Vorbedingung abgibt für die Konversation und damit für die Einprägung der Wörter, so dient die Konversation auch wieder der Befestigung der grammatischen Kenntnisse. Was außerhalb dieses Rahmens fällt, bleibt vorerst unberücksichtigt. So bietet der moderne hebräische Unterricht durch zweckmäßige, insbesondere auch von der Anregung des Schülers ausgehende Stoffwahl und Methode eine erleichterte Methode. Er vermag dem Schüler in verhältnismäßig . kurzer Zeit einen Fonds zu vermitteln, von dem aus er auch das weitere mit erheblich geringerer Mühe bewältigen kann. Erst ins Pensum der vorgerückten Stufe gehört die dritte, größte Schwierigkeit des Hebräischen, die eigentümliche Aus- MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII StadtfiHale Hochbrückenstr. 14, Ecke Herrnstr. drucksweise. Manchem, der zu früh mit literarischem Hebräiisch bekanntgeworden ist, wird die Aussicht, diese Sprache jemals zu beherrschen, gerade um der so fremdartig anmutenden Wendungen und Bilder willen höchst zweifelhaft erscheinen!. Aber < das meiste von dem, worum es sich hier bandelt, bat mtit dem ersten Ziel der meisten Hebräischteraendeni, der Kenntnis der Umgangssprache, noch nichts zu aun. Die Umgangssprache ist im wesentlichen schlicht im Ausdruck und wenig mit solchen eigentümlichen Wendungen durchsetzt. Der Weg zu ihr ist also von diesen Steinen des Anstoßes im großen ganzen frei. Das ist für alle, die dieses Ziel noch nicht erreicht haben, eine große Beruhigung. Schon die Umgangssprache wird bei vielen, sehr vielen sogar, neben den praktischen Vorteilen, die sie bringt, Bedürfnisse des Herzens befriedigen können. Wer aber in das Heiligtum der Literatursprache eintreten möchte, darf sich gesagt sein lassen, daß er den Zugang zu den erlesenen Werten, die ihn dort erwarten, viel leichter finden wird, wenn er zuerst den Vorhof der Umgangssprache durchschreitet, entsprechend den rationellen Grundsätzen, nach denen der Unterricht der modernen hebräischen Sprachschule heute geleitet wird; ist ein großer Teil der Schwierigkeiten schneller, als man gedacht, überwunden, so wächst die Lust, auch der übrigen Herr zu werden. Man verstehe recht: in diesem Aufsatz ist viel von Erleichtern die Rede; das bezieht sich jedoch nur auf den Weg, die Methode; in bezug auf das Ziel soll uns kein Anspruch zu hoch sein, da sind wir n'TDno, Erschwerende — aber gerade um dieses Zieles willen sind wir froh, daß wir methodisch n^Spn, Erleichternde, sein können, auf daß möglichst viele gelangen zur Erfüllung von tmayn nsj»ri njrv rmo. Die schönste Seife des palästinensischen Lebens Von Awrahiam SHiaaneriman. Es bleibt dem Erwachsenen, der nach Erez-Israel kommt und zu der jungen und jüngsten Generation einen Zugang sucht, nichts anderes übrig, als unentwegt hebräisch zu lernen. Sonst bleibt man unter der Jugend stumm, so gerne man die Kinder in einem Moschaw oder in einer Kwuzah kennen lernen und ihnen auf ihre zutraulichen Fragen antworten möchte. Denn wie lohnend ist es gerade, die schönste Seite des palästinensischen Lebens kennen zu lernen, das innere Leben einer Generation, auf die wir alle Hoffnungen setzen, denn sie ist innerlich ganz und gar unverbogen, weil sie die Galuth nicht verspürt hat. Diese Kinder haben doch eine eigene Welt, eine eigene Beziehung zum Boden, zur Natur, sie schaffen neue Begriffe, erfinden selbst Namen für Blumen. Vögel, Bäume, selbstverstänidlidh hebräisch, wie es i& ihr ganzes Denkeniumd Führen ist Nicht ganz so leicht haben es die Kinder, die im schulpflichtigen Alter erst ins Land kommen. Für sie ist die Anfangszeit sehr schwierig und sie bemühen sich meist sehr, die Sprache zu lernen,, damit sie nicht beiseite stehen müssen, wenn ihre palästinensischen Kameraden sich unterhalten, spielen oder raufen. Es gelingt ihnen dann auch nach einiger Zeit, in ihre von regem Leben erfüllte Umgebung hineinzuwachsen, aber

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