Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 4 (15.2.1937)
- Date
- 1937-02-15
- Page
- Seite 72 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2727810-2728075-2728079--11041-2744443- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
72 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 4 Bewerfung der hebräischen Sprache bei Achad-ha-am Von Dr. M. Ehrenkranz Die Betrachtungsweise Achad-ha-ams ist stets die geschichtliche; die aktuellen Fragen der Gegenwart werden von ihrem Ursprünge her abgeleitet und von ihrer Vergangenheit aus beleuchtet. Gerade die Gegenwart mit ihrer mangelnden Distanz erscheint ihm nicht objektiv genug für die Beurteilung von Fragen, deren Tragweite weit über sie hinausragt. So werden auch die jüdischen Gegenwartsprobleme unter dem Aspekte des Judentums, d.h. des geistigen Zusammenhanges der Juden in Zeit und Raum, betrachtet. Unter diesem Gesichtswinkel erfährt auch die hebräische Sprache ihre Bewertung. Das Hebräische ist die nationale Sprache der Juden, weil sie schon an der Wiege des Volkes gestanden hat, weil diese Sprache auch die zerstreuten Volksteile überallhin begleitet hat und weil sie allein die gemeinsame Sprache sämtlicher Volksteile trotz geographischer und kultureller Verschiedenheit geblieben ist. Obwohl jüdische Massen, wo sie hinkamen, die Sprachen ihrer Umgebung angenommen und oft an diesen zähe festgehalten haben, wie am Mittelhochdeutschen, Spaniolischen und Arabischen, obwohl ferner das Hebräische mehrere Jahrhunderte im Alltag nicht verwendet wurde, bleibt trotzdem das Hebräische allein die nationale Sprache der Juden, im wachen Bewußtsein des gesamten jüdischen Volkes. Dies beweist die große hebräische Literatur der Juden in allen Epochen und Räumen. Als literarische Sprache ist sie stets lebendig geblieben bis auf den heutigen Tag. Wohl haben auch Juden in den Sprachen ihrer Umwelt geschrieben, aber dies nicht hebräisch geschriebene Schrifttum war, wie ihre Umgangssprache zeit- und ortgebunden. Das Schicksal jenes Schrifttums war, daß es oft nach kurzer Zeit der Vergangenheit anheimfiel; ein Schicksal, das bei den von Juden nicht hebräisch gsechriebenen Werken im Altertum sowie in der neueren Zeit zu beobachten ist. Der Geist des jüdischen Volkes fand seinen Ausdruck in der hebräischen Sprache. Darum ist diese das beste Erziehungsmittel zu diesem Geiste, zugleich auch das sicherste und das vornehmste. Denn die Sprache dringt in das Unterbewußtsein des Lernenden ein und macht ihn mit dem echten Geiste der Nation zu tiefst vertraut, ohne Chauvinismus und ohne Werbetrommel. Denn nichts lehnt Achad-ha-am so entschieden ab wie den Chauvinismus. Es wäre ideal, wenn die hebräische Sprache auch im Munde aller Juden lebendig wäre; aber unter den gegebenen Verhältnissen erscheint das Achad-ha-am unmöglich, vor allem darum, weil das Schicksal der Juden noch lange die Zerstreuung ist. Das hat wieder zur Folge, daß sie notwendigerweise in der Sprache ihrer Umgebung sich ausdrücken. Doch ist die Umgangssprache allein nicht das Entscheidende. Hebräisch bleibt die Nationalsprache der Juden kraft ihrer literarischen Kontinuität. Aus dieser geschichtlichen Betrachtung heraus ergibt sich für Achad-ha-am die Forderung, daß jeder, - dem die Existenz des Judentums teuer ist, alles daranzusetzen hat, die hebräische Sprache soweit zu beherrschen, daß er die wichtigsten Schöpfungen in dieser Sprache, angefangen von der Bibel bis zur neuesten Literatur, lesen kann, beem balet Imbs.fcu b n facti vaf 6 V t 1 mem/lameb /cbaf m £ cba n «) fc jpe bain f V * 3 3? gintri 8 X *£ 1 «f t n fcbin efcb \ü T haf k 3 3famecb/«un jfeb n ö reich t)of r q f %& fUtf b a a k tetemyßetem \)tttt tyvt$ i u n i nun mem ti tn X □;abiq jjabtq ' i 3 X X ff(Ee fteetquwtflenbas funffbuchteten frnbt m bifemalpl?atet welict>e fmbt qwifelfcigt vnb fmbt bie kaf/mem/nun/pe/vnb?äbtq vn babe fic!) in foh'cbe* voeih, fcas vn&s yen bas krum fecjt man allem bemanfangk ofcetf?n bzs mittel befe voozts vnb baö lang allem m bas ttlt*Qf.«3Z?a* qu finbtbt^ba^jDaöetß^tttgenent be*vnb tebeut ein Imbs* b-lPas anbeir voivt benennt (fct vnb tebeutt em ßarek.ß. atc<3 ber bxufl *3Das btrit xoivt genennt, bafovnb tebeutt eftu b okn' ge* macl)t mit bem fcnägeriem in t>em Ijate, Aus dem Wiegendruck: Petrus Nigri, Chochaf hamschiah das ist gedolmetscht ein Stern des Meschiah. Eßlingen, Conrad Fyner, 1477. — Dieses seltene frühe deutsche Druckwerk enthält die ersten hebräischen Typen mit einer, Einführung in die hebräische Sprache. — Petrus Nigri, 1434 in Kaaden (Böhmen) geboren, wirkte als Dominikaner in Eichstätt:, Regensburg, Ingolstadt, Köln und Budapest. Er ist der bedeutendste nichtjüdische Kenner des Hebräischen in der vorhumanistischen Zeit; daß die Gestalt des Petrus Nigri einer weiteren Nachforschung bedarf, lehren die neueren Werke über die Regensburger Judenvertreibung von 1519 von R. Straus und W. Grau, worin Nigri eine besondere Rolle spielt. Das Werk von .Bernhard Walde „Christliche Hebraisten Deutschlands am Ausgang des Mittelalters" (Münster i. W. 1916) gibt (Seite 70 ff.) über eine Reihe wichtiger biographischer und bibliographischer Daten zu Petrus Nigri neue Aufschlüsse. gleichgültig, ob er in Palästina oder in irgendeinem anderen Lande lebt. Es ist die Pflicht jedes bewußten Juden schlechthin, wo immer er auch sei. Kein Gemeindemitglied ohne die blaue Karte für Hilfe und Aufbau