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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-01-15 · 2 (15.1.1937) · p. Seite 28

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
2 (15.1.1937)
Date
1937-01-15
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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28 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 2 Rücksicht genommen. Alleinstehende Personen ohne Haushalt erhalten nur diejenigen Nahrungs- und Genußmittel, die sie ohne Küche verwerten können. In jedem Monat wurden bisher rund 500 Pakete verteilt, die je nach der Größe der Familien verschieden groß zusammengestellt werden. Selbstverständlich erhalten Münchener Gemeindemitglieder, die zu Heil- oder Erholungszwecken auswärts untergebracht sind, gleichfalls Zuwendungen an Lebensmitteln, soweit das zur Verbesserung ihrer Ernährung möglich und erforderlich ist. - Außer den Lebensmitteln sind auch Kartoffel zur Verteilung gelangt, aber nur an solche Personen, die Haushalt führen. Es sind im Monat November über 700 Zentner Kartoffel zugefahren und in die Wohnung zugestellt worden. Besonderes Augenmerk hat die Jüdische Winterhilfe der Verbesserung der Ernährung der Jugendlichen und Kinder zugewendet. Die jungen Leute, die zum Zwecke der Berufsumschichtung untergebracht sind und yor allem auch die Schulkinder erhalten Ernährungszulagen. Der Schulkinderhort hat die Möglichkeit erhalten, den Kindern am Nachmittag ein nahrhaftes Vesper zu verabreichen. Ein weiteres wichtiges Gebiet, auf das sich die Fürsorge der jüdischen Winterhilfe erstreckt, ist die Versorgung der Hilfsbedürftigen mit Kleidung und Schuhwerk. Zu diesem-Zweck sind zwei Verteilungsstellen eingerichtet; die eine versorgt die Männer mit allem Notwendigen, in der anderen gibt es Frauenkleider, Mäntel, Wäsche, Stoffe, Schuhe und vor allem auch Bettwäsche, die außerordentlich begehrt ist. Zu betonen ist, daß sämtliche von der jüdischen Winterhilfe ausgegebenen Kleidungs- und Wäschestücke neu sind. Bisher sind rund 400 Parteien mit Kleidung, Schuhen und Bettwäsche ausgestattet. Dieser Tedl der Winterhilfe ist aber keineswegs abgeschlossen, neue Anträge laufen ständig ein und müssen ausgeführt werden. Selbstverständlich wird auch für die Bekleidung der Kinder ausreichend gesorgt. Zusammen mit dem Bekleidungsverein wurden zu Chanukkah ca. 120 Knaben und Mädchen ausgestattet. Die Fürsorge erstreckt sich aber nicht nur auf die materiellen Bedürfnisse. Durch eine Anzahl von Frei-Abonnements des Kulturbundes ist für Freude im Winter und die Möglichkeit gesorgt, an den Veranstaltungen des Kulturbundes und damit am geistigen Leben der Gemeinschaft teilzunehmen. Die Durchführung der zahlreichen Aufgaben der jüdischen Winterhilfe wird ohne neuen Verwaltungsapparat von den Angestellten der Wohlfahrtsstelle geleistet. Lediglich bei der Ausgabe der Kleidungsstücke sind ehrenamtliche Kräfte tätig, die sich dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt haben. Nur so konnte es erreicht werden, daß München unter allen Kultusgeaaeinden -im Reich .den relativ •geringsten Aufwand an Verwaltungsspesen hat, die nur 2,5 Proz. der Einnahmen betragen. Die vorstehenden Ausführungen sollen nur einen ungefähren Überblick' über die Aufgaben und Leistungen der jüdischen Winterhilfe vermitteln. Der Aufgabenkreis der jüdischen Gemeinschaft und damit der jüdischen Winterhilfe wächst ständig; deshalb äst höchste Kraiftamspaimung jedes Eimzehiien erforderlich, um die Mittel zur Erfüllung all dieser wichtigen Forderungen zu beschaffen. MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München Vll Stadtfiliale Hochbrückenstr. 14, Ecke Herrnstr. Aus der Gemeinde München Vortrag Dr. Paul Eppstein von der Reichs* Vertretung, in der Synagoge am Samstag, den 30. Januar 1957 Die Kultusgemeinde hat den Mitarbeiter der Reichsvertretung, Dr. Paul Eppstein (Berlin), zu einem Vortrag am Samstag, den 30. Januar, abends 8.30 Uhr, in der Synagoge Herzog-Max- Straße eingeladen. Dr. Eppstein, der Hautpbearbeiter der großen wirtschaftspolitischen Aufgaben der Reichsvertretung wird die Fragen der Auswanderung, sowie des heutigen jüdischen Bevölkerungsaufbaues in Deutschland behandeln. Der Vortrag ist für alle Mitglieder der Kultusgemeinde frei zugänglich. Felix Feuchtwanger — 70 Jahre. In diesen Tagen begeht unser allverehrtes Gemeindemitglied Herr Felix Feuchtwanger seinen 70. Geburtstag. Aus der hochgeachteten und hier weitverzweigten Familie stammend und in München geboren, erhielt er eine sorgfältige Erziehung in den profanen Fächern und auf jüdisch-religiösem Gebiet. Nach erfolgreicher Beendigung seiner Studien entschloß er sich für den elektrotechnischen Beruf und wurde Teilhaber der bekannten Installationsfirma Hinterholzer u. Co., in welcher er bis vor mehreren Jahren unermüdlich und mit bestem Erfolg tätig war. Schon Jahrzehnte, ehe er sich vom Geschäft zurückzog, wid- mete er einen großen Teil seiner Zeit jüdisch-religiösen und sozialen Zwecken. Der streng orthodoxen Richtung angehörend und nicht nur die religiöse Praxis beobachtend, sondern stets auch des Thorastudiums beflissen, zählt er zu den besonders verdienten Männern in unserer Gemeinde, welche die heiligen Pflichten der Chevra kadischa auf sich nehmen. Seit fast 20 Jahren wirkt er dort im Vorstand als Schriftführer. Sein Hauptverdienst aber, durch welches er sich einen Platz in der Geschichte der jüdischen Gemeinde München gesichert hat, "war seine Tätigkeit als Mitbegründer und Organisator der hiesigen jüdischen Volksschule, die ursprünglich als Privatschule des Vereins Ohel Jakob ins Leben trat und rund ein Jahrzehnt bis zu der durch die Verhältnisse gebotenen Übernahme seitens der jüdischen Gemeinde ein Privatunternehmen der orthodoxen Religionsgesellschaft geblieben war. Ohne die großen Verdienste des heute noch in aller Erinnerung stehenden Vorstands des Ohel Jakob, Siegmund Fraenkel s. A., schmälern zu wollen, der trotz dem damaligen starken Widerstand der Kultusgemeinde diese Schule ins Werk setzte, muß festgestellt werden, daß gerade Siegmund Fraenkel s. A. es war, welcher die Organisation, Ausgestaltung und die mit der Verwaltung und Leitung zusammenhängenden Geschäfte dem heutigen Jubilar zur Ausführung überließ. An anderer Stelle dieses Blattes ist die hervorragende Tätigkeit des Herrn Felix Feuchtwanger für die Schule noch besonders gewürdigt. Als die Zeitläufte die intensivere Beschäftigung unserer Gemeinde mit sozialen Fragen erforderten und die jetzt so wichtige Institution der jüdischen Darlehenskasse (Ivria) gegründet wurde, war es wieder Felix Feuchtwanger, der sich führend an der Einrichtung und Verwaltung beteiligte und der auch heute noch unermüdlich die Geschäfte mitleitet. Außerdem wirkt der Jubilar seit Jahren an vorderster Stelle in der so schwierig gewordenen Beschaffung ritualmäßigen Fleisches. Wenn man die Summe der Tätigkeiten in Betracht zieht, die der KEREN KA3EMETH LEJISRAEL Die blaue Büchse in jedes jüdische Haus Ihre Pfennige erwerben den Boden Palästinas und sichern die Zukunft der jüdischen Heimstätte JÜDISCHER NATIONALFONDS E.V., ZWEIGSTELLE MÜNCHEN, Schlösserstr. 2/1

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