Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (1.1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung '3 sind, eine primitive, aber von innen heraus gefestigte Religiosität zu verstehen, oder müßte /man nicht wünschen, daß eine bessere Erziehung den Menschen das Gefühl dafür beibringt, daß eine Versammlung vor Gott ebenso äußere Würde darbieten sollte wie eine politische oder gesellschaftliche Zusammenkunft der gleichen Leute? Maybaum hat in besonders schöner Weise ausgeführt, daß dlie jüdisch© Gemeinschaft nicht ans Glaubensgenossen, sondern aus Chawerim, aus Lebensgenossen bestehen soll. Vielleicht dst er im Recht, wenn er '.glaubt, daß es dem dleutschien Riabbiner vorbehalten ist, diese ostjüdische Anschauung zu einer weltjüdischen zu machen; vielleicht ist es gerade der deutsche Rabbiner, der hier im Lande der Väter eine neue Form der jüdischen Gemeinschaft lebendig machen kann, die das »gute Alte entwickelt und das schlechte Neue beseitigt. Heute ist Palästina aufgewühlt durch den Kampf der arabischen Bevölkerung gegen die jüdische, und! die verzagten Schwächlinge ringen die Hände. Was ist das für ein klägliches Verhalten? Konnte man denn im Ernst annehmen, die Niederlassung so vieler Juden im Lande würde widerspruchslos vor sich gehen, und ist es nicht selbstverständlich, daß man für das Land kämpfen muß, das man besitzen will? Die Engländer mögen sich für diesen oder jenen Kompromiß entscheiden, unsere Sache ist es, unser Recht auf dies Land zu verteidigen und auszuharren. Ob wir etwas mehr oder weniger bequem leben, spielt keine Rolle; die Hauptsache ist, daß unsere Kinder hier ein jüdisches Volkstum aufbauen, das Bestand hat, und daß sie hier ein Judentum leben, das den Menschen ausfüllt und den alten Idealen unserer Väter gerecht wird. Das Heute ist nur eine winzige Spanne. Aber die Zukunft des Judentums ist ein Ziel, für das zu kämpfen sich lohnt, nichts in der Welt darf unseren Jungen wichtiger sein. Eine Talmudstudie Von Rabbiner Dr. H. Ehrentreu s. A. Zum 10. Todestag des am 28. Tewes 5687 entschlafenen lünchener Raws Daß der Talmud vielfach Steilen aus deim apokryphischen Buche Ben Sirach anführt, ist bekannt. Meistens wird der Autor dieser Spruchsammlung ausdrücklich genannt; so z. B. Ghagiga 13a, Jebarnoth 63b, iKethuibboth 110b, Baba Bathra 98b und 146a, Sanhedrin 100b, Nidda 16b. Es werden aber auch Sentenzen aus diesem Buche ohne Namensangabe, ähn-- Höh wie die Verse :aus dem Tenach angeführt, z. B. Benachoth 48a mit avwr, Em'bin 54a ohne jede Zitationsformel und daselbst 65a mit (vgl. Tosalfoth das. s. v. isa) Baba Kamma 92b mit ^nm; ferner an einigen Stellen im Jeruschalmii und Midrasch. Das führt mich darauf, für das folgende Zitat eine Quelle zu suchen. Jebarnoth 86b sagt Rab Chisda mit Bezug auf II. Chr. 19, 11: „In früheren Zeiten wurden die nntait? nur aus dem Stamme Levi bestellt, jetzt aber werden sie aus den Stämmen der n^tnts» genommen: rnni>K"o. omn n'itawi msa». Ein solcher oder auch nur ähnlich lautender Vers ist im Tenach nicht nachzuweiseini. Ich wage die Vermutung, daß auch dieses Zitat aus einem apokryphischen Buche stammt und zwar aus einem Makkabäetib'uch.. Ein hebräisch geschriebenes Maikkabäerbudh — iro» KaiDtyn genannt — welches die Ältesten der Schufen Schamrmais und Hilleis zu Verfassern' hatte, wird in den Halachloith Gedoloth, Hilchoth Soferim,1 erwähnt. Es sei späterhin der Öffentlichkeit entzogen worden.2 Es ist mit größer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß diese „iMegilila" das Original war, aus dem die uns erhalten gebliebene griechische Übersetzung des ersten Maktoabäerbuches geflossen ist. Wie wenig treu und zuverlässig diese Übersetzung iist, weiß man allgemein. Da jedoch das Original verloren gegangen ist, müssen wir uns am die Übersetzung halten. Wir finden in ihr eine Stelle, wo die im Talmud zitierten Worte gestanden haben können. Sie befindet sich 1. Makk. 3, 55, 56 und lautet: „Darauf setzte Juidla Führer des Volkes ein über Tausend, über Hundert, über Fünfzig und über Zehn. Und sie sagten zu denen, die Häuser gebaut, Weiber gefreit, Weinberge gepflanzt, daß jeder nach dem Gesetz in sein Haus zurückkehre." Nach 5. M.: 20. 5 waren es die pntaitp die diese Anrede zu halten hatten. Es ist deshalb möglich, daß diese Worte im Original dort ihre Stelle hatten, zumal wenn wir im Talmud nn'ß>si3 lesen — statt n^Km — so daß es etwa geheißen haben mag: °yn ha vm nrwtna mmn n'iaitsn. Eine Hasmonäer-Megilla erwähnt noch R. Nissim b. Jakob ■in der Einleitung zum Seifer-Masioth als in seinen Händen befindlich. Das wird aber wohl das Hasmonäer-Buch gewesen, sein, welches Chwolson in einer Pariser Handschrift fand und im Jahrgang XII—XIII der Schriften des Vereins Mekize-Nirdamim veröffentlichte. Vielleicht hat er aber eine sogenannte Megillath-Antiochus gemeint. Daß zu seiner Zeit noch die ursprüngliche Megillath-beth-haschmoni vorhanden war, ist nicht anzunehmen, wohl aber daß man sie zu Zeiten Rab Chisdas .noch gekannt hat. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß er diese Worte aus einem Werke der nachbiblischen Periode zitiert, denn er stellt sie in Gegensatz zu den Worten der Chronik und sagt: r-Tnyar« ro»J? „In der Jetztzeit wählt man die Beamten aus den Stämmen der Israeliten." Eine von den Häuptern der beiden großen Schulen verfaßte Geschichte des Chanukkafestes war vorhanden; denn die Überlieferung der nnvu nra^n darf nicht in Zweifel gezogen werden. Um' so mehr ist es auffallend, daß das Ghanukkafest in unserer Mischna fast gar nicht erwähnt wird, während sie dem Purimfest, das ebenfalls aus späterer Zeit stammt, einen ganzen Traktat widmet. Es finden sich nur einzelne gelegentliche, liturgische und sonstige Notizen über Chanukka in unserer Mischna: Bikkurim 1, 6; Moed Katan 28b; Rosch Ha-schama 18a; Megilla 29a und 30b; Baba Kamma 63b. Als Liohterfest wird <es nur an letzter Stelle ganz gelegentlich erwähnt. Wie erklärt sich dieses Schweigen der Mischna, nachdem wir doch sehen, daß die älteren Tannaim, wie die Schule Hillels <und Schammais über die Zahl und die Reihenfolge der Lichter ihre Bestimmungen getroffen hatten und daß bereits Meinungsverschiedenheiten darüber vorhanden waren? Auch sonst finden sich in Baraitboth (Sabbath 21a) Bestimmungen über das Chanu'kkalicbt. Dies scheint mir eine sehr wesentliche Stütze zu sein für die von den alten Trägern der Überlieferung ausgesprochene, aber erst von Halevy im Doroth Ha-riscbonim Tc, 204 ff. mit gewohnter Gründlichkeit und außerordentlicher Gelehrsamkeit bewiesene These, daß der Grundriß der Mischna in ihren wesentlichen Bestandteilen das Werk der Männer der großen Synode war. Später sind nur n'och Ergänzungen und gelegentliche Hinzufügungen, Meinungsverschiedenheiten über den bereits feststehenden Urtext hinzugekommen. Die Mischna selbst ist daher älter als das Chanukkafest, dessen Einsetzung in die Mitte des zweiten Jahrhunderts der üblichen Zeitrechnung fällt. Was die späteren Tannaim über das Ghanukkafest gelehrt und verordnet haben, hat daher in die Mischna keine Aufnahme gefunden. Es wurde erst in den Baraithoth niedergelegt. 1 Vgl auch die editio Hildesheimer. Berlin S. 615. 2 ana'S vm *o n^an heißt es Joma 29a. MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII Stadtfiliale HochbrUckenstr. 14, Ecke Herrnstr.