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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1937-01-01 · 1 (1.1.1937) · p. Seite 2

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
13 (1937)
Issue
1 (1.1.1937)
Date
1937-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 1 bemswerteste Siedlungsgegend ist, idaß aber die ungeheure, von Tag zu Tag anschwellende Masse der Juden, die zur Auswanderung dränigen, die Erschließung jeder deutbaren Siedlungsmögliehkeit erfordert. Die wichtigste Forderung, die an ein Auswanderungsland gestellt werden muß, hat Maybaum, wie mir scheint, vortrefflich formuliert, wenn er sagt: „Die Jüdische Wanderung ist Wanderung von der Gemeinde, die verlassen werden muß, zur Gemeinde, die gegründet wird." Die Einzelwauderung mag diesem oder jenem aus der Not helfen, für die Judenheit bedeutet sie nichts als den Verlust eines manchmal wertvollen Mitglieds. Dagegen kann ich Maybaum nicht recht geben, wenn er sagt, die jüdische Diaspora sei unmöglich in der heidnischen Welt. Warum sol'leiu nicht echte jüdische Gemeinschaften in Angola oder Uganda genau so gut entstehen können, wie'sie in Babylonien schon vor mehr als 2000 Jahren groß geworden sind? Und warum soll gerade die christliche Welt mit ihrer Anerkennung der Gottesknechtschaft der jüdischen Existenz eine Heimstätte gewähren und nicht die mohammedanische, in der die jüdische jahrhundertelang geblüht hat? Wenn man mit Maybaum als Exil die Existenz ohne Machtbasis ansieht dann ist die Existenz jüdischer Gemeinden überall da möglich, wo man den Juden erlaubt, jüdisch zu leben, aber sie ist da am besten möglich, wo die Juden kraft Rechts und nicht aus Duldung wohnen, und das ist in Erez Jisrael. Wenn Maybaum behauptet, „genau so wenig wie in der Diaspora kann und darf der Jude in Palästina normaler, verwurzelter, gesunder Mensch werden", und wenn er diese Grundbedingungen der Zukunft als „Schlagworte eines heillos politisieretn Judentums" abtut, dann hat er ganz bestimmt Unrecht. Wer in Palästina lebt und sieht, wie hier alles im Wachsen und Aufblühen begriffen) ist, der zweifelt nicht daran, daß eine gitoße, in Raiästina wirklich verwurzelte, jüdische Gemeinschaft die Grundlage für eine Gesundung und Erstar- •kung idles Judentums in der ganzen Welt ist. Es ist doch nicht so, dlaiß der leidende Gottesknecht des zweitem Jesaja das allein 'maßgebende Vorbild für uns Juden ist, und daß der Gottesstreiter sich „in der Schrift findet", wie Maybauim sagt, sondern die ganze Bibel ist erfüllt von dem Gottesstreitertum. Wenn wir hier in Palästina erst einmal eine jüdische Jugend haben, die mit dem Ziel der bestmöglichen körperlichen Ertüchtigung herausgewachsen und in der Lage ist, für das Land, das 'sie beansprucht, so kraftvoll einzutreten,- wie man es von jedem rechten Staatsbürger verlangen muß, dann ist das nicht eine Konzession an eine für uns Juden undurchführbare Politik der brutalen Gewalt, sondern es ist die Haltung eines Achtung fordernden und Achtung verdienenden Volkstums, das sich nicht auf andere verläßt, sondern seinen Grund und Boidien mit eigenen Händen verteidigt. Das hat auch nichts mit Götzendienst am den Ismen zu tun, dem Maybaum mit Recht verwirft, aber es soll aus dem schwächlichen, verachteten Ghettojuden einen seiner Kraft bewußten und gerade ideshalb bescheidenen Volksijuden machen. Hier im Jerusalem hat man leicht Gelegenheit zu sehen, wohin die reine Vergeistigung und die Vernachlässigung jeder körperlichen Ausbildung im Ostjudentum geführt hat; man kann auch 'sehen, was dabei herauskommt, wenn -auf geistigem oder kulturellem Gebiet die Forderung des heiteren Gleichmaßes, unbekannt ist. Maybaum nennt es dien tiefsten Abstieg der Synagoge, wenn der Vorbeter als Künstler und der Prediger als Rhetor auftritt, und er sagt mit Recht: „Die Taubheit des ästhetischen Menschen herrscht in dem Zirkel vor, in dem der Deklamator die Bibel rezitiert." Aber ist es nicht ebenso wahr, daß die Blindheit des unästhetischen Menschen das abstoßend macht, was erhebend sein sollte? Wenn in einer altertümlichen Synagoge der Gottesdienst ohne sichtbare Ordnung, in Unruhe, ohne jede uns gewohnte Feierlichkeit stattfindet, liegt dann der Fehler nur daran, daß wir unfähig Flugzeugaulnahme der Siedlung Nahalal im Emek Jesrell, angelegt nach dem Entwurf von Richard Kauffmann (Jerusalem). Kreisanlage der Wohnstätten der Siedler mit ihrem Ackerland; der Mittelkreis als großer Dorfplatz mit den Gemeinschaftsbauten angelegt; geradlinige Zuf ahrtsundVerbindungsstraßen. photo Selo

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