Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 13 (1937)
- Issue
- 1 (1.1.1937)
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Jfcaclitifdic (ßemetnfoseitimg flacf)tuf)fcn6lattÖet3ft^ unöÖe0l3cc6anöe^^oöcciftf|ec3[toelittf^et<8ßmdnÖtn Erscheint am 1. u. 15. ieden Monats. — Verlag: B. Heller, München, Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XIII. Jahrgang München, 1. Januar 1937 Nummer 1 Inhalt: Gedanken aus Jerusalem — Eine Tafaudstudie — Die Juden in Unterframken während der erstens Hälfte des 19>. Jahrhunderts — Aus der Gemeinde München — Eintopf- und Plnnd^ Sammlung — Staatszionistische Organisation, Ortsgruppe München — Zioni'Stii'Sühe Ortsgruppe München — Aus bayerischen Gemeinden — Aus dem Reiche — Jüd. .Kulturbund in Bayern, Ortsgruppe München — Hilfe und Atufbau — Büchersahau — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Israel. Ruiltusgemeinide München — Geschäftliches— Personalia — Gebetskalender — Inserate. Gedanken aus Jerusalem Von Dr. Gustav Fe Der bekannte Stuttgarter Arzt, der seit zwei Jahren in Jerusalem ein Kinderheim leitet, hat Erfahrungen und Einsichten gesammelt, die unsere widersprechenden Gefühle «und Gedanken klären können. Letzte Wache halbe ich zwei Abhandlungen von Ignaz Maybauim .gelesen, seine Broschüre „Parteibefreites Judentum" und seinen Aufsatz im „Morgen" über die Organisation der Diaspora. Da Mayibaum vieles über Palästina sagt «und da er ganz (besondere Ansichten hierüber hat, möge es einem Palästinenser aus Deutschland gestattet sein, sich dazu zoi äußern, Wiir haben alle. sehr viel u/mlernen müssen in den letztem Jahren. Begriffe, die nach unserer Meinung für alle Zeit feststanden, sind wesenlos geworden, Bundiaimeote, die uns felsenfest dünkten, haben sich als Gleitsand erwiesen, arad alles das hätten wir wissen können, wenn wir unsere jüdische Geschichte nur ein bißchen mehr überdacht und die mehr als 2000 Jahre alte Weisheit des Kohielet gehabt hätten: Was geschehen ist, wird wieder geschehen, und nichts Neues gibt es unter der Sonne. Mayibaum ist einer der wenigen, die den Mut haben, laut zu sagen, was das Judentum der ganzen Welt dem zerbrochenen und gedemütigten Judentum in Deutschland verdankt; er zeigt, was 'das liberale Judentum im recht verstandenen Sinn heute erst recht leisten kann und leisten muß. Er fragt, ob dier Antizionismus winklich immer 'der kleinbürgerliche Protest der Sicheren «und Satten war oder ob er nicht in seinen besten Vertretern ein Protest gegen eine durch Politisierung entstehende Umformung des echten Judentums war. Da darf man vor allem Antizionisten und Palästinagegner nicht verwechseln, und man darf nicht vergessen, daß es in Palästina zwar zionistische ldmann (Jerusalem) Parteien und zionistische Gegenparteien gibt, daß aber in Erez Jisrael kein Raum für den Begriff AntiZionismus ist. Die Leute in Deutschland, die heute noch sagen: „Ich gehe überall hin, nur nicht nach Palästina", oder die Leute, die sagen: „Ich unterstütze jede gute Sache, aber nach Palästina gebe ich keinen Pfennig", über die braucht man nicht zu streiten; es lohnt sich auch nicht, ihnen au predigen, denn sie entbehren der primitivsten Einsicht, «und man muß eben warten, bis ihnen durch die früher oder später eintretenden Erfahrungen an ihrer «eigenen Person die Augen aufgehen. Schlimm ist es nur, dlaß diese Palästinafeinde eine ungewollte Unterstützung durch die finden, die z-war allen anderen die Palästinawanderung als eine sittliche Forderung hinstellen, selbst aber, wenn sie schon nicht mehr zu Hause bleiben können, lieber nach USA. oder nach Südafrika gehen. Erinnert einen 'das nicht an die Patrioten, die hinter «dem Ofen Hurrah schrieen und nns anderen den Schützengraben empfahlen? Stellen wir doch einmal fest, worin unser eigener Irrtum bezüglich des Zionismus bestand! Wir haben gemeint, er gelte lediglich für die Ostjmiden, die kein Vaterland haben; wir haben ihn wie ein Wohltätigkeitsimtemehraen behandelt und haben dem Palästinaaufbau nur «die Mittel zugestanden, die über das Unterstützungsbedürfnis der Juden in Deutschland hinausgingen. Hätten wir Pinsker, der im Jahre 1882 seine Autoemanizipatiora schrieb, besser gewürdigt, dann stünde uns heute in Palästina die zehnfache ßadenfläche zur Ansiedlung unserer jungen Leute aus Deutschland zur Verfügung. Alber daraus folgert nicht, daß heute alle Mittel ausnahmslos nach Palästina fließen müssen, denn heute liegt die Situation so, daß Palästina zwar die aussichtsreichste «und erstre- VORTRAG Professor MARTIN BUBER Synagoge, Herzog~Max~Siraße Samstag, den 9. Januar, 830 Uhr.