Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-12-15 · 11 (15.12.1936) · p. Seite 31

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
11 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
Seite 31 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9934493-9934418-9934477--441-2744355
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

31 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern Nr. 11 Für den Herbst! Jersey-Kleider, Westen, Pullovers, elegante Mäntel, Sport-Slipons, Blusen, Röcke, Morgenröcke bekannt für große Auswahl und beste Bedienung Fachgeschäft für Damenbekleidung Leo Oppenheimer Dachauerstraße 9 (neben Cafe Rheinland) II. Die Bildungsstofie der jüdischen Volksschule. 1. Das absolut Geltende des Erziehungsziels umgrenzt die zulässige Möglichkeiten der Erziehung. Es gibt die Richtung an, in der sich das erziehliche Handeln zu bewegen hat, aber es sagt noch nicht, an welchen konkreten, individuellen Bildungsinhalten die Qualitäten des gläubigen Gehorsams, der Ehrfurcht, der sozialen Hingabe, der Erkenntnis und der Tüchtigkeit sich zu entfalten halben. Das absolute Bildungsziel beschützt vor verkehrten Wegen der Erziehung. Aber in der Richtung dieser Kompaßnadel verlaufen viele Pfade, unter denen noch zu wählen ist; er kann für •uns nur sein: der Lebensweg der jüdischen Gemeinschaft. Das Suchen eines jüdischen Bildungsidieals der Gegenwart ist identisch mit einem verstehenden Erfassen der Bestimmung des jüdischen Volkes in «diesem Augenblick 'der Geschichte. Der Weg ist uns vorgezeichnet; er heißt: Anschluß an die Tradition, die unser Schicksal in den Strafpredigten und Verheissungen unseres Lehrers Mose und der Propheten vorausgesagt und das zu meistern uns in die Hand gegeben, wenn wir nur den Willen aufbringen, zu dem Derech Hatauroh zurückzukehren. Das bedeutet nicht Einengung unseres Bildungsstrebens auf ausschließliches Thoralernen; idenn zu keiner Zeit der Hochblüte jüdischer Kultur hat sich der jüdische Blick der Kultur der Zeit verschlossen; das gilt für die biblische Zeit so gut wie für die Zeit der Tanaim und der nachfolgenden Gaonim. Rühmt doch Alexander v. Humboldt, der große Naturforscher zu Beginn des 19. Jahrhunderts, daß die Weltliteratur keinen von tieferer Naturerkenntnis getragenen Lobgesang aufzuweisen hat als den Psalm 104 (borachi nafschi). Und ist die talmudische Literatur nicht Beweis, daß die Wissenschaft der damaligen Zeit (z. B. Astronomie) den Trägern der Tradition nicht fremd war? Man braucht also nicht erst auf Maimonides oder die Vertreter der jüdischen Wissenschaft in der spanischen Blütezeit verweisen. Überall, wo ehrliche, menschliche, humane Friedensgesiinnung, Rechtsempfinden, sozialer Fortschritt, eine höhere Sittlichkeit im Verstehen der Klassen und Nationen in der Menschheitsentwicklung zutage getreten, läßt sich nicht nur nachweisen, daß Juden als Bahnbrecher mitbeteiligt waren; es entstammen diese Ideen dem innersten Quell des Judentums selbst; sie bilden den Kern der von den Propheten verkündeten Menschheitsgedanken und1 ihrer messianiischen Hoffnung. Unser Bildungsziel bleibt das Humanitätsideal der Bibel und der Propheten, das zu verwirklichen uns geradezu zwingt, uns der Kuilturlage der Zeit voll anzupassen. Fern von allem WÜrtscharts- und Klassenegoismus wollen wir unsere Jugend ertüchtigen, in der Welt ein bescheidenes Plätzchen sich zu erobern, auf dem sie als traditionsgebundene Juden arbeiten an der Verwirklichung ihres jüdischem Ethos. Die jüdische Volksschule befindet sich dabei heute in Verfolgung ihres eigenen Zieles in der Lage, daß sie von der Erfüllung der Forderungen des umgebenden Staätsverbandes in bezug auf seine eigenen nationalen, staatsbürgerlichen! Belange geradezu abgedrängt ist und daß sie bezüglich der Wahl der verschiedenen Kulturrichtungen kaum einem Zweifel ausgeliefert ist: sie hat mit der Blickrichtung auif ihr jüdisches Ethos die grundlegende Bildung zu vermitteln. Die Elemente jedler Bildrichtung, jeder Berufseinstellung, jeder Kuilturleistung fallen ihr als Aufgabe zu. Hält sie nur fest an den ewigen Bildungszielen iüdischer Tradition, so kennt sie auch schon, die inhaltliche Erfüllung ihres Ideals. Die drückenden Probleme: ob mehr Humanismus oder mehr Realismus, ob Bildungsnationalismus oder Universa'Iisrnu's, spielen hier kaum eine Rolle. (Fortsetzung folgt.) Die Königszeit im biblischen Geschichtsunterricht . Eine Umgestaltung des biblischen Geschichtsunterrichts, sofern in ihm df.e Zeit der Könige von Jinda und Israel durchgenommen wird, scheint mir eine besondere voraringiiehe Aufgabe unserer Religion »Pädagogen zu sein. Unsere Lehrbücher, die diesen Stoff behandeln, legen ihrer Darstellung zu allermeist den Text der biblischen Königsbücher zu Grunde, der aber, wie Elias Auerbach in dem soeben bei Schocken erschienenen 2. Bande seines wahrhaft großangelegten Geschichtswerkes „W ü s t e und gelobtes Land" dartut, von der Tendenz, von der sich die Bearbeiter der Königsbücher leiten lassen, seine Gestaltung empfängt. Für diese Bearbeiter wäre charakteristisch, daß die historischen Materialien, die ihnen vorlagen, für sie gar kein geschichtliches, sondern nur ein religiöses Interesse haben. Sie sehen die ganze vergangene Geschichte Israels nur unter dem Gesichtspunkt des gottgefälligen und gottlosen Wandels und im Zusammenhang damit des Lohnes und der Strafe. Diese Einstellung hat weitreichende Wirkungen auf die Auswahl des Materials gehabt: sie übernehmen das geschichtliche Material nur, soweit es lehrreich' in ihrem Sinne ist." (S. 15) So vermag Auerbach auch die Tatsache zu erklären, daß von so bedeutenden Herrschern wie Qmri, Ahab, Jerobeam IL, Menasse fast nichts Tatsächliches berichtet wird und daß auch bei ihrem Liebling Josia die politische Bedeutung vollkommen in den Hintergrund gedrängt wird. Es würde (daher ein ganz verzerrtes Geschichtsbild entstehen, das aus den Resten der 'echten Uberlieferung und aus niichtbiblischen Quellen erst mühevoll korrigiert werden müsse. An diesen Erwägungen kann der biblische Geschichtsunterricht, der die Königszeit behandelt, nicht vorbeigehen. Der schönste Lehrerfolg eines Geschichtsunterrichtes, der diese Erwägungen berüüksichtiigt wäre wohl, wenn die Schüler erkennen werden, daß die biblische Königszeit, wie Auerbach in der Einleitung zu seinem Buche schreibt, nicht wie zumeist geglaubt wird, eine Zeit des Niedergangs, der Verwirrung und Auflösung gewesen ist, daß vielmehr durch sie, trotz äußerer Gewalt und abseits von ihr, ein nie unterbrochener Stroim geistigen Lebens flutet, einem immer klarer hervortretenden Ziele zu: der Vertiefung menschlicher Werte, der Läuterung menschlicher Sittlichkeit. Rabbiner Dr. Ernst Steckelmacher, Ludwigshafen am Rhein. Anmerkung der Schriftleitung: Wir bringein die vorstehenden Darlegungen unseres sehr geseh.. Mitarbeiters, selbstredend ohne uns alle Einzelheiten, insbesondere in der Beurteilung der Königsbücher, zu eigen zu machen. Wir stimmen aber dem Verfasser zu, wenn er feststellt, daß die Stoffsammlungen der im allgemeinen gebrauchten Lehrbücher für einen ersprießlichen Geschichtsunterricht nicht genügen, daß vielmehr die vorhandenen Kommentare iim weitgehensten Maße vom jüdischen Lehrer berücksichtigt werden müssen. Bericht der Bezirkskonferenz Schwaben Auf unserer letzten Bezirkskonferenz hatten wir in Augsburg ein sehr gediegenes Referat unseres Kollegen Krämer gehört über das Thema: „Konzentration des gesamten Volksschulunterrichtes unter dem speziellen Gesichtspunkte des Jüdischen." Nach einem Repetitionskolleg über Ziel, Aufgabe und Zweck aller Erziehung an sich und des „erziehenden Unterrichtes" im besonderen wurden wir durch Erfahrungstatsachen des Kollegen in seiner 8. Klasse theoretisch von der Durchführbarkeit des genannten Konzentrationsproblems klar überzeugt. Nach einer regen Diskussion, an der sich insbesondere Kollege Hammelburger, Ichenhausen, und Kollege Frank, Fischach, heute in Ichenhausen, beteiligten, beschlossen wir die nächste Bezirkskonferenz in Ichenhausen abzuhalten, um an einem „Lehrbeispiel" die Probe auf das Exempel machen zu können. Kollege Hammelburger hatte sich hiezu gerne bereit erklärt. So ergab es'sich, daß wir zum erstenmal außerhalb Augsburgs unsere Fortbildungskonferenz abhielten und zwar in der ehrwürdigen Gemeinde Ichenhausen, in der Schule des Kollegen Hammelburger.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.