Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern · 1936-12-15 · 11 (15.12.1936) · p. Seite 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
Volume
1936
Issue
11 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
Seite 32 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9934493-9934418-9934477--442-2744356
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 11 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 32 Der Vorsitzende, Dr. Ernst F r ä n k 1 - Augsburg, begrüßte die Kollegen in dem „schwäbischen Zion", wie er diese geschichtlich und religiös bedeutsame schwäbische Gemeinde nannte und gab seiner großen Freude auch darüber Ausdruck, daß er den beiden Vorständen der israelitischen Kultusgemeinde Ichenhausen, den Herren Julius Krämer und Gustav G e r s 11 e , für die Ehre ihres Erscheinens danken könne. Der 1. Vorstand der Gemeinde Herr Krämer fand gediegene Worte der Anerkennung für die hohe Lebensaufgabe des Erziehers und schloß mit der Versicherung der größten Opferbereitschaft der Gemeinde für alle Belange der Volksschule, die er, anschließend an ein Wort des Vorsitzenden bei der Begrüßung, gleichfalls als die größte Segensquelle einer jüdischen Gemeinde bezeichnete. Nach der Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung wurde ein „Maskir" gehalten für den am „Schabbat Chason" in eine bessere Welt' abberufenen Kollegen Hermann Ros'e sei. Angedenkens. Der Vorsitzende zeichnete nochmals das Bild dieses tüchtigen Schulmannes, der in Altenstadt a. d. liier, der Heimatgemeinde desVorsitzenden, 35 Jahre überaus segensreichgewirkt hat als wahrer „Diener Gottes". Auf ihn traf das Wort der Thora Num. 12, 7 voll zu: Srn sin psa In meinem ganzen Hause war er vertraut, hat er sich bewährt. Als solchen hatte ihn auch Kollege Hammelburger in seiner Grabrede geschildert, dem der Vorsitzende nochmals den Dank der Konferenz für die besonders würdige Art seines isort aussprach. Er erinnerte noch an die große Befähigung des Verblichenen als Chronisten. Seine „Geschichte der israelitischen Kultusgemeinde Altenstadt" dürfte neben viel kulturell Interessantem den Juden in Schwaben eine willkommene Quelle für Familiengeschichte werden. Kollege Frank verlas zum Schluß des "i^tö einen von ihm verfaßten Nachruf. Nun folgte unter größter Spannung das Lehrbeispiel des Kollegen Hammelburger. An Hand des Gedichtes von Storm „die Himmelsleiter" erlebten wir den vollen Beweis für die praktische Durchführung des Konferenzthemas. Vorbereitung, Darbietung, Anwendung (für die Oberstufe als Brief, für die Mittelstufe als Nacherzählung) und die Zusammenfassung des ganzen Stoffgebietes war nach der didaktischen wie methodischen Seite hin meisterhaft durchdacht und durchgeführt. Der Vorsitzende dankte dem Kollegen und den wackeren Kindern, deren Antworten bewiesen, wie ausgezeichnet der Lehrer es verstanden habe, ihren Gemütsgrund aufzuwühlen, sich in ihre Seelen einzufühlen und mit feinstem pädagogischem Takt, in sicherer Reaktion auf das Beobachtete, das jeweils Angemessene für ihre Beeinflussung zu treffen. Nachmittags begannen wir mit dem von Kollegen Frank vorbereiteten iw kibx Wir hatten die Ehre, eine Autorität an unserem Lerntische begrüßen zu können, Herrn Rabbiner S c h w a b - Ichenhausen. Das Thema war der 6. Perek von Sanhedrin. Vor Beginn des „Lernens" gab Herr Rabbiner die Möglichkeit, über rechtliche Grundauffassungen im Talmud sich aufs genaueste zu orientieren. Von dieser Möglichkeit wurde ein solch ausgiebiger Gebrauch gemacht, daß Kollege Frank von dem eigentlichen Lernstoff leider nur kaum eine Seite dozieren koromte. Doch "kann es ja, wie der Referent einleitend sehr nichtig begann, nicht so sehr darauf an, wieviel gelernt wird, sondern daß gelernt wird und daß dadurch zum täglichen Lernen angeregt werden soll. Diese Auffassung unseres Lernens wurde vom Vorsitzenden freudig als willkommener Anlaß dazu genommen, für jede Konferenz in' Zukunft ein solches Lernen vorzusehen. Der Vorsitzende dankte dem Referenten für seine vorzügliche Vorbereitung zum Lernen. Der Vorsitzende verband schließlich in seinem Abschiedswort für Herrn Rabbiner Schwab den herzlichsten Dank der Konferenz mit den besten Wünschen für den sehr verehrten Gast. Der dritte Teil der Konferenz war der Besprechung und Beratung von internen Fragen gewidmet. Die Neuwahl eines Vorsitzenden ergab die einstimmige Wiederwahl des unterzeichneten Berichterstatters. Als Stellvertreter wurde Herr Oberkantor Heimann - Augsburg gewählt1. Nächste Konferenz .im ersten Quartal 1937 in Augsburg, mit der Fortsetzung der Präparationen zum Talmud Sanhedrin, 7. Perek, und einem fachwissenschaftlichen Vortrag. Augsburg, den 4. Dezember 1936. Dr. Ernst F r ä n k 1. Aufbaumöbel, Ein- und Zweibett- COUCheS sowie komplette Zimmer-Einrichtungen MOBEL-BALLIN TheatinerstraBe7, Eingang MaffeistraBe Billige Preise bei gediegener Qualität BezirkskODferenz Burgpreppach Im Kalenderjahr 1936 konnten wir dank der Initiative unseres Herrn Bezirksrabbiners S. Münk und unter dessen Leitung fünf Konferenzen veranstalten. Unsere jüdisch-wissenschaftliche Fortbildungsarbeit bestand zunächst in der gründlichen Durchnahme der Vorschriften über die Thora Vorlesung; dann in der Durchsprache der ersten P'rokim der beiden Mischnatraktate Pea und D'mai. Eine Quellen-Interpretation der „Ethik des Judentums", Maimonides „Vorrede zu den Sprüchen der Väter" gab Linz (Burgpreppach) in zwei Vorträgen. Über „Das Wesen des Mussar und seine Geschichte" hielt Nußbaum (Burgpreppach) ein Referat. Eine Sichah leitete Hamburger (Burgpreppach). Eine Aussprache über einige Punkte der Würzburger Tagung erbrachte manche Klarstellung und Anregung für die Gestaltung des Deutsch- und Geschichtsunterrichts. Erwähnenswert ist das Interesse und die vollzählige Beteiligung der Kollegen unseres Rabbinatsbezirks sowie die erfreuliche Tatsache, daß einige Herren aus Nachbarbezirken sich trotz ungünstiger Verbindungen zu unserer Tagung, hierher bemühten. Die nächste Konferenz kann aus technischen " Gründen erst im Januar 1937 s. G. w. sein. Linz, Vorsitzender. Vereinsmitteilungen ' 1. Personalia. Vor einigen Wochen konnte Kollege €L Sulzb a c h e r - Nürnberg auf das vollendete 70. Lebensjahr zurückblicken. Dem langjährigen und treuen Vereinsmitgliede auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche! 2. Sonderklassen. Im Nachtrage zu unseren Mitteilungen vom 15. vor. Monats berichten wir, daß die Sonderklasse in Kaiserslautern nunmehr dem Kollegen Bernstein in Zweibrücken übertragen worden ist, während die zweite Stelle in Ludwigshafen vom Kollegen Lan ig Städter, in Venningen übernommen wurde. 3.. Schulungskurs. Der in der letzten Nummer angezeigte Schulungskurs hat inzwischen stattgefunden. Wie bei früheren Gelegenheiten öffnete auch dieses Mal die Lehrerbildungsanstalt in Würzburg ihre gastlichen Tore und gab den Teilnehmern unter Leitung des Studiendirektors Stell Gelegenheit, sowohl im praktischen Unterrichtsbetriebe als auch in theoretischen Darlegungen ihr Können und Wissen zu bereichern. Während an den Vormittagen von den Herren Dozenten der Lehrerbildungsanstalt praktische Lehrpraben in den Klassen der jüdischen Volksschule Würzburg vorgeführt wurden, konnten die Teilnehmer an den Nachmittagen an fachwissenschaftlichen Vorträgen teilnehmen. Wir danken der Leitung der Lehrerbildungsanstalt, ebenso den verehrten Dozenten und der Schulleitung und den Lehrern der jüdischen Volksschule für ihre bereitwillige und tatkräftige Unterstützung. München, den 10. Dezember 1936. M. Rosenfeld. M. Adler. Schreibmaschinen für edle Länder Bürobedarf Büromöbel A. BRUCK, Sonnenstraße 12, Laden Inh.R. Lewin Telefon 10786 Für den Inhalt der „Mitteilungen" verantwortlich: Max Adler, München

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.