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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-12-15 · 24 (15.12.1936) · p. Seite 535

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
24 (15.12.1936)
Date
1936-12-15
Page
Seite 535 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Bayerische Israelitische' Gemeindezeitung 535 nannten Museum verbundene Bezalel-Schule, hauptsächlich dem Unterricht in angewandter Kunst und kunsthandwerklichen. Disziplinen gewidmet, ist nach längerem Schlummer im Begriff, unter der Leitung des Malers und Graphikers Joseph Budko seine Klassen nach oind naoh wieder in Betrieb zu setzen. Wie Budko ist in den letzten Jahren eine erhebliche Zahl europäischer Künstler von überragender Begabung in Palästina eingewandert. Kunsthandlungen und Ausstellungssäle wurden eröffnet. Die Bedingungen scheinen gegeben, aus denen sich einmal ein eigenwüchsiges palästinensisches Kunstleben entwickeln könnte, wenn, wie wir sehnsüchtig 'hoffen, dem Lande die friedliche Ruhe und Sicherung seines Neuaufbaus gegönnt sein wird. Aus der Gemeinde München Gemeinde-Bibliothek Neue Öffnungszeiten Von Januar 1937 an ist die Gemeinde-Bibliothek für den allgemeinen Besuch der Mitglieder der Kultusgemeinde an folgenden Tagen geöffnet: Sonntag ^10—^12 Uhr, Montag ^18— 19 „ Dienstag 9— 11 „ Donnerstag 3418— 19 „ Freitag 9— 11 „ „Die Jüdische Lehre — Die jüdische Tat" Lehrhaus und Winterhilfe waren Anlaß einer gemeindlichen Feierstunde in der Hauptsynagoge. Den Mittelpunkt bildete eine Ansprache des Präsidenten der Reichsvertretung der Juden in Deutschland, Rabbiner Dr. Leo Baeck (Berlin). Der Vorsitzende der Gemeinde, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, begrüßte den Gast und wies auf die drei Kraftquellen unseres jüdischen Lebens in unserer Zeit hin: Die Synagoge, in der sich in verstärktem Maß die Gemeinde sammelt, um Erhebung und Trost zu finden, ferner die sittlichen Lehren unserer Gemeinschaft, die in der Jüdischen Winterhilfe zur Tat werden und endlich im Geistigen, das sein Zentrum im Lehrhaus findet. Die ganze Gemeinde müsse in dieser Zeit unerhört gewachsener Not brüderlich zusammenstehen und Dienst am-Nächsten leisten, wenn zu verstärkten Opfern für die Winterhilfe aufgerufen wird. Auch die neue aufgerichtete Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden im Lehrhaus der Gemeinde müsse von der Gesamtheit Aller, den Alten und den Jungen, getragen werden, um segensreich wirken zu können. Rabbiner Dr. Baeok sprach fornwolendet über „Die jüdische Lehre — die jüdische Tat". Er sprach davon, daß die Tora weit mehr als nur Gesetzes-Saimmknig sei. Urjüdlrsch sei insbesondere das alte Gebot, das Gute auf der Stelle, ja noch einen Tag vor dem Tod zu tun. Urjüdisch sei auch jene Tolstoische — den Opfern von Kischinew gewidmete — Legende, in der gerade der Mensch, der im Augenblick vor uns steht und Hilfe sucht, als 'der wichtigste, die Tat, die man am ihm eiben jetzt vollzieht, Kauf Verkauf Tausch Verwaltung von Rentehäusern, Villen, Geschäften usw., vorschußlos, zu sehr günstigen Bedingungen. Kostenlose u. unverbindliche, individuelle Beratung durch Frank Immobilien / Hypotheken / Hausverwaltung München 2 M Telefon 12581 Malfeistraße 4 Sprechstunden 10—12 und 4—6 Uhr als die wesentlichste bezeichnet wird. Jüdische Lehre fordert ein bis;ins Letzte und Kleinste Voll- und Ernst-Nehmen des Tage-Werks. Das Genie dies Juden sei die Geduld'. Er mrauß und er kann das Ende der Tage erwarten. Er muß um der Stunde willen wirken und darf dennoch nicht vergessen, in welcher Ferne das Ziel ruht, dessen er mit aristokratischer Gelassenheit entgegenharrt. Eine seltsame Spannung erwächst aus dieser doppelten Forderung unserer Leihre: es ist die Spannung des Messianischen. Kein Tun im Jüdischen darf Selbstzweck sein und auch das Wohltun muß um des Ende der Tage willen geschehen und hieraus seine Weihe empfangen. Und wenn auch die Tora jede ihrer Forderungen jedem Einzelnen neu stellt, so sind doch alle Gebote — aus der.messianischeri Idee heraus — von Geschlecht zu Geschlecht gegeben und das Gute auch bis ins tausendste Geschlecht weiter wirkend. Eine bloß betrachtende Stellung zu zukünftigem Geschehen ist unjüdisch. Des Juden Handeln drängt zwar, weil die Tora „nicht warten" kann, aber doch geschieht alles um ferner Erfüllung wegen. Nur wer sich selbst ständig neu erschafft, kann seinen Schöpfer ganz erkennen. Alt-Sein heißt unfähig sein, neu zu schaffen und neu zu hoffen. Jung- Bleiben, das heißt so viel wie die Möglichkeit, neu zu hoffen. Die Pflicht, die wir zu erfüllen haben, soll uns mehr sein als bloße menschliche Pflicht, auch sie ist in ihrer übermenschlichen Bedingtheit zu erkennen und zu erfüllen. Im Judentum wird das menschliche Geheimnis erfüllt und sinnvoll dadurch, daß neben der drängenden Pflicht des „Du sollst eiben jetzt" die Mahnung zur Geduld und zur Gelassenheit steht, der Hinweis auf das Emde der Tage. Aus dieser Erkenntnis unserer doppelten Aufgabe gewinnen wir Trost, Haltung und Atem: das ist die Kraft, die die jüdische Lehre verleiht, die Kraft der Tora. Die ergreifende Ansprache war entsprechend von zwei Mendelssohnschen Arien umrahmt, die von Kammersänger i. R. Walter Riess (Bass), an der Orgel vorzüglich begleitet von Erich Eisner, wundervoll vorgetragen wurden. ISRAELITISCHE KULTUSGEMEINDE MÜNCHEN (LEHRHAUS) 1 LßKfl/t fKßtndß Wartet reicht, bis Ihr im Ausland seid! J Dort verliert Ihr kostbare Zeit damit! StyKCLCllßfl! Erwerbstätige und Hausfrauen! Eignet Euch grund- ' * legende Bprachkenntnisse schon in Deutschland an! Beginnt "rechtzeitig mit dem Studium! Gelegenheit dazu bieten die Kurse in modernen Fremdpsrachen, worüber besondere Hnkündigung im Lehrplan des gemeindlichen Lehrhauses enthalten ist.

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