Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 24 (15.12.1936)
- Date
- 1936-12-15
- Page
- Seite 534 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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534 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 24 Richard Kauffmann: Arbeiterwohnungen am Toten Meer Schilderung der Opferung Isaaks. Man hat das Kunstwerk ins sechste Jahrhundert einzuordnen. Im nächsten Jahrhundert aber, dem siebenten, setzt sich über den alten Boden abermals eine neue Schicht an, die von größter Bedeutung werden soll. 637 erobern die/Araber unter dem Kalifen Omar Jerusalem; sie drücken alsbald dem ganzen Lande ihren Stempel auf, ja sie prägen bereits, wenn man von den modernen jüdischen Siedlungen absieht, das Bild Palästinas, das bis -heute geblieben ist. Sie übernehmen Kuppeln, Masaikzier usw. von der byzantinischen Zeit, doch alles in einen eigenen Stil umgeschmolzen. Sie übernehmen die altjüdische Sitte, Andachtsstätten über heiligen Felsen, Höhlen, Grotten aufzuführen. Das glänzendste Beispiel hierfür ist der Felsendom in Jerusalem, 688—691 unter dem Kalifen Abd el Melik erbaut — so daß man die strahlende, in hundert Farbwundern glitzernde Moschee auf dem Plateau des Berges Moria nicht mehr eigentlich als „Omar-Moschee" bezeichnen kann, wie sie^meist genannt wiri Das mohammedanische Heiligtum, für die Bekenner des Islam das würdigste nach der Kaaba zu Mekka, erhebt sich nun seit fast 1300 Jahren auf derselben Stelle, wo einst der Tempel Salomos stand, wo nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft der zweite Tempel errichtet, nach der Eroberung durch Titus ein Jupitertempel aufgeführt wurde. Der Platz hat die Weihe, die seit Jahrtausenden über ihm ruht, nicht verloren, er gehört zu den herrlichsten Stätten der ganzen Welt. Durch ihren Hauptpunkt im Innern, den inmitten der kostbarsten, farbenreichsten Gestaltung aufr-agemdeai, Tünfoeha,uiene,n heiligen Felsen, ist die Moschee auch heute noch mit der jüdischen Legende verbunden, idie «davon zu berichten weiß, daß auf diesem Felsen Abraham seinen Sohn dem Herrn opfern wollte, auf diesem Felsen Jakob seinen Traum der Himmelsleiter träumte. Am künstlerischen Eindruck Palästinas haben die Araber jedoch auch weiterhin bedeutenden Anteil genommen durch die aus vortrefflichem Bauinstinkt geborene Anlage ihrer Dörfer und kleinen Städte,, die sich mit ihren kubisch geformten Häusern und ihren Flachkuppeln wunderbar organisch der Natur des Landes einfügen: den langgestreckten horizontalen Linien des Gebirges und den niedrigen Rundbildungen der Felsen. Auch für jüdische Heiligtümer wurden, die kleinen Flachkuppeln übernommen. So für das Grab Raheis kurz VQr Bethlehem, einer ungemein stimmungsvollen Andachtsstätte, und für manche Gräberbauten gottgefälliger Männer, wie für das Grab des vielverehrten Rabbi Mehir baäJ Ness" bei Tßberias, am Berghang vor der Stadt, An diesem Gesamtbild P^ästdnas hat auch die vierhundert jährige Türkenherrschaft wenig geändert. Das einzige bedeutsame Denkmal idier Türkenizeit ist die bald nach der Eroberung durch den Sultan Selim (1517) von seinem Sohn Suleiman dem Prächtigen in den Jahren 1536—39 errichtete, noch heutefast unversehrt bestehende Umfassungsmauer der Altstadt von Jerusalem. - Von einer künstlerischen Fortentwicklung Palästinas nach jahrhundertelanger Pause kann man erst seit dem Beginn des allgemeinen Neuaufbaus durch die jüdische Einwanderung und ■ Besiedlung1 sprechen, ja eigentlich erst seit den Nachkriegs- : jähren. Es war natürlich, daß die neueste' Entwicklungsphase,; ebenso wie in Europa während dieser Zeitspanne, hauptsächlich : wieder der Baukunst: zugute kam. Nachdem man sich in den Anfängen der Neugestaltung des. Landes, als es die grundlegenden Maßnahmen durchzuführen galt, für die Fragen der Architektur begreiflicherweise wenig Zeit gelassen hatte, nahm man jetzt zuvörderst historische Überlieferungen zu Hilfe. Synagogen sahen den Moscheen zum Verwechseln ähnlich. Ein Bau wie der des „Health Centre", des von Nathan und Lina Strauß gestifteten Gesundheitsamtes in Jerusalem, schloß sich an die Art der großen arabischen Häuser des letzten Jahrhunderts an. Eigenartigverknüpften die Engländer bei ihren Bauwerken in der Hauptstadt die Anlehnung an geschichtliche Formen des Landes mit älteren europäischen Motiven und mit Elementen des englischen Schloßbans. In dieser romantisierenden Mischung entstand die Residenz des High .Commisioner auf einem Hügel südlich Jerusalems, von dem Architekten Harrison. So das stattliche Gebäude von Barcley's Bank mit kleineren Nebengebäuden im Stadtinnern. So auch das neue Gerichtsgebäude in Haifa, gleichfalls von Harrison. / In ähnlichem Stil erwuchs der imposante Bau der jüdischen Nationalbibliothek auf dem Skopusberge östlich Jerusalems (von wo einst Titüs der Zerstörung ^der Stadt zusah); -zugrunde lag ein Entwurf des englischen Architekturgelehrten Sir Patrick Geddes. Dagegen ist die hinter der Bibliothek auf dem Skopus- Rücken ein wenig versteckte Hebräische Universität durch den geschickten Um- und Ausbau eines großen arabischen Landsitzes erwachsen, den der jüdische Baumeister Kornberg erdacht und geleitet hat. Volkstümlich zumal wurde das Amphitheater neben den Hochschulgebäuden, seit 1925 die Stätte der großen offiziellen jüdischen Festlichkeiten, von der aus sich ein unvergleichlicher Blick nach Osten hin über das Felsenmeer der Wüste bis zum Jordantal und dem Nordzipfel des Toten Meeres öffnet. Ganz-im Anschluß an arabische Überlieferungen baute auch noch der aus Berlin gekommene Architekt Alexander Bärwald das Technikum zu Haifa, in einer Formauffassung, die ebenso das Herzl-Gymnasitim. zu Tel-Aviv aufweist. Dann aber trat die jüngere Architektengeneration auf den Plan, die durch die zahlreichen Aufgaben, die sich,ihr in Palästina boten, ein Betätigungsfeld für die neuzeitlichen Ideen fand wie sonst nirgends in der Welt. Der erste, der tatkräftig eingriff, war Richard Kauffmann aus Frankfurt a. M., der nicht nur als Architekt, sondern vor allem auch als Städtebauer bei der zweckmäßigen und wohlgefälligen Anlage der neuen Siedlungen führend voranging. Ihm folgte eine heute gewaltig angeschwollene Schar jüdischer Baukünstler, darunter viele aus Deutschland, und es entstand namentlich in Jerusalem und Haifa, wo das ausgezeichnete gewachsene Steinmaterial zur Hand war, eine charakteristische moderne Palästina-Architektur, die sowohl zeitgemäß wie bodenständig ist, .da . sie Einzelelemente der arabischen Tradition sinnvoll verarbeitete, wie.z.B. das Flachdach, das in Europa auf Grund ganz anderer Vorbedingungen in Aufnahme gekommen war als einst in Vorderasien. Unter den zahlreichen Namen,, die bekannt geworden, sei der des bedeutenden Theaterarchitekten Oskar Kaufmann hervorgehoben, der berufen wurde, in Tel-Aviv der Habimah ein neues Bühnenhaus zu errichten. Denn auch in der jüdischen Stadt Tel-Aviv, die zuerst bei überschnellem Wachstum in ihren Häuserbauteji durch manche Unruhe, Pseudomoderhität und Benutzung ungeeigneter Ersatzstoffe verstimmte, ist in der jüngsten Zeit eine Wendung zu besserer Baugestaltung unverkennbar. Zürn neuen Kunstwesen Palästinas aber gehört auch die Kunstpüege, geübt namentlich durch die beiden jüdischen Museen des Landes, das Städtische Museum zu Tel-Aviv, das eben erst einen umfassenden Erweiterungsbau beziehen konnte, und das Bezalel-Museum in Jerusalem, das .noch einer durchgreifenden Neuordnung harrt. Ihnen gesellt sich das von den Engländern errichtete Rockefeller-Museum in Jerusalem zu, für die Ergebnisse der Ausgrabungen bestimmt. Auch die mit dem ge- Kein Gcmeindemitglied ohne die blaue Karte für Hilfe und Aufbau