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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-12-01 · 23 (1.12.1936) · p. Seite 509

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
23 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 509 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 509 rend des Weltkrieges leitete sie jahrelang in erfolgreichster Tätigkeit die von der Ortsgruppe eingerichtete Nähstube und linderte und minderte vieler jüdischer — wie. auch nichtjüdischer — Kriegerfrauen Arbeitsnot und darüber hinaus ihre seelischen Bedrängnisse. Sie arbeitete ferner tätig mit an der Mittelstandshilfe der Ortsgruppe und fühlte mit verarmten und hilflosen, alten weiblichen Wesen so mit, wie es wenige vermögen, die nicht selbst darben müssen. Ihrer Tatkraft in erster Linie war es ferner zu danken, daß die wirtschaftliche Frauenschule auf dem Lande in Wolfratshausen entstand, deren erste Vorsitzende sie sieben Jahre lang War. Denn sie erkannte schon damals klar und hat es auch öffentlich und in Einzelgesprächen immer wieder ausgesprochen, w i e notwendig dieser reale Untergrund, weit hinaus über die einseitige Geistesbildung der vorigen Generation, für die Frauenbildung sei und sein werde. Eine Erkenntnis, die erst ■ lange danach unser aller Gemeingut wurde und durch die heutige Lage der Dinge Bestätigung findet. Frau Stark gehört mehr als 15 Jahre den gemeindlichen Kollegien und der Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden an, 6 Jahre lang war sie als erste und einzige Frau Mitglied des Münchener Gemeindevorstandes. In diesen Cremien erfreute sie sich der größten Wertschätzung und Beliebtheit. Sie war einmal die kluge, geschäftlich gebildete Frau, die auch den wirtschaftlichen und finanziellen Angelegenheiten Interesse und Verständnis entgegenbrachte, dann aber war sie der gütige Mensch mit der vollendeten Herzensbildung und dem weiten Blick, der nicht selten den Ausgleich in den sich widerstrebenden Meinungen herbeiführte und so der friedlichen Entwicklung unseres Gemeinwesens diente. Eröffnungsfeier des Lehrhauses in München. In einer schlichten Feier eröffnete die Münchener Gemeinde vor geladenen Gästen ihr neu errichtetes Lehrhaus. Der 1. Vorsitzende der Kultusgemeinde, Oberstlandesgerichtsrat i. R. Dr. Neumeyer, begrüßte die Erschienen. Er wies darauf hin, wie notwendig es sei, bei allem Ansturm neuer Sorgen und Aufgaben, das jüdische geistige und kulturelle Leben in unserer FÜR JEDES KLIMA seit 50 Jahren bewährte UllterWäSChe Benger, Ribana, Prof. Dr. Jaeger Auch in den unteren Preislagen!inden Sie Qualitätswaren Priel mayerstr. 12 Bleyle-Strickwaren. Adolph Schlesinger Mitte zu erhalten und weiterzugeben. Der Gemeinderabbiner Dr. Leo Baerwald sprach von der nie abgerissenen Kette von Lernenden und Lehrenden im Judentum seit den Tagen des Beth-Hamidrasch bis auf unsere Tage und von der Urgestalt der Gemeinschaft der Zusammenarbeit zwischen Lehrer und Schüler. Es müsse allen Gemeindemitgliedern ans Herz gelegt werden, das neue Lehrhaus durch rege Teilnahme lebendig zu erhalten. — „Von den jüdischen Bildungsaufgaben und Wissenswegen im Geiste Franz Rosenzweigs" hieß das Thema, das sich Dr. Eduard Strauß, der Freund und Mitarbeiter Rosenzweigs, für seinen Eröffnüngsvortrag gewählt hatte. Er umriß die drei Entwicklungsstufen der Rosenzweig'schen Lehrhaus- Idee und die Wandlungen, die sie erfuhr. Strauß schilderte, wie der Ruf, den Rosenzweig in „Zeit ists" ergehen ließ, zwar vernommen wurde und zur Gründung der „Akademie" führte, aber doch nicht im Sinn seines Schöpfers ausgewertet worden war, wie dann nach der Schrift „Bildung und kein Ende" das Freie Jüdische Lehrhaus seine Pforten öffnete und wie es später vor neue Aufgaben und neue Menschen gestellt in veränderter Form vor drei Jahren neu zu wirken begann. Wenn im „Alten Lehrhaus" nach dem Krieg das Sprechzimmer Kernstück war, in dem man den Fragenden erst allmählich das Interesse am Jüdischen zu wecken hatte, hatte das „Neue Lehrhaus" nach 1933 für alle Fragenden — auf jüdischen wie anderen Gebieten — da zu sein. So wichtig gerade heute jüdische Lernarbeit ist, so wenig darf es sich das Judentum leisten, irgendeiner Frage aus nicht-jüdischem Bezirk den Zutritt zu verwehren. Das Juden- Donnerstag, den 10. Dezember 1936 2030 Uhr MUSEUMSAAL, PROMENADESTR. 12 Rabh. Dr. Joachim Prinz (Berlin) Chanukkah~Rede: zur Politik des jüdischen Volkes KÜNSTLERISCHE UMRAHMUNG: Aus dem Klavierquintett Es-dur von Robert Schumann, ausgeführt von Frau Gertrude Masser, Dr. Joseph Grünbaum, Wolfgang Granat, Dr. Benno Flehinger, Kurt Bettsack Singkreis der Jugendbünde EINTRITT: RM. 1.- und RM. 1.50 (für Mitglieder der ZOG ermäßigt) VORVERKAUF: Zionistische Ortsgruppe München, Schlosserstr. 2/1 (Tel. 53032) und Ewer-Buchhandlung

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