Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 510 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2728050-2728073--10925-2744317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
510 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 Aufbaumöbel, Ein- und Zweibetl- COUCheS sowie komplette Zimmer-Einrichtungen MOBEL-BALLIN TheatinerstraBe 7, Eingang Maffeistraße Billige Preise bei gediegener Qualität tum muß in dieser Stunde seine Aufgeschlossenheit den Werten der Welt gegenüber verstärkt bewahren. Der „Am-haarez- Lehrer" (wie Rosenzweig den Nicht-Fachmann nannte, der aus Liebe zur Sache ein Stoffgebiet lehrt) sei deshalb nicht jene große Gefahr, als der er zuweilen hingestellt wird. Er ist notwendig und nützlich, damit unsere Lehrhäuser ihre Aufgabe „Unwissenheit zu vermindern und Interesselosigkeit abzugewöhnen" (Rosenzweig) erfüllen können. Unsere Lehrhäuser erfordern heute mehr als in jeder Stunde den Einsatz der vollen Persönlichkeit. „Wünsche sind Boten des Vertrauens", die Worte, die Rosenzweig über seine Lehrhaus-Programmschrift setzte, schlössen Eduard Strauß' beschwingte Worte, die das zahlreiche Publikum bannten. — Die Herren Grünbaum und Bettsack hatten der Feier mit J. S. Bachs Aria und dem letzten Satz aus dem Branmsschen Violinkonzert (op. 100) einen würdigen Rahmen gegeben. Jüdischer Frauenbund. Im Sitzungssaal der Münchener Gemeinde sprach Frau Ottilie Schönewald, die Vorsitzende des Jüdischen Frauenbundes, über Aufgaben, Leistungen und Ziele dieser umfassenden Reichsorganisation. Nach Begrüßung durch Frau Jenny Baerwald gedachte die Rednerin der Person ihrer Amtsvorgängerin Bertha Pappenheim. In einer Zeit, da jüdische Werte in denen der Umwelt restlos aufzugehen drohten, gründete sie den Jüdischen Frauenbund (1904) und schuf damit in hingebender Arbeit ein unentbehrliches Instrument jüdischer Gemeinschaftsarbeit. Die Vortragende schilderte alle Gebiete der Hausfrauen-Beratung und -Schulung, der Kinder- und Mädchenfürsorge und -Erholungsheime, der Ausbildungsstätten für Kindergärtnerinnen und Turnlehrerinnen und die Fülle übriger Einrichtungen, die vom Frauenbund oder mit seiner Hilfe geschaffen wurden. Die Auswanderung und alle damit zusammenhängenden Sorgen, nicht zuletzt die unserer geistigen Kultur, ihrer Verbreitung und Vertiefung hat der Frauenbund zielvoll und sachkundig in sein Arbeitsgebiet eingeschlossen. Alle Frauenorganisationen der Juden in Deutschland sind in den Jüdischen Frauenbund eingebaut, noch größer freilich wären seine Möglichkeiten und Ergebnisse, wenn jede jüdische Frau in seinen Reihen stünde; gerade die Münchener Ortsgruppe, die Frau Schönewald wiederholt als eine musterhaft arbeitende bezeichnete, gewährt auf allen Gebieten reiche Anregungen und Betätigungsmöglichkeiten, daß keine Frau unserer Gemeinde länger außerhalb der Ortsgruppe verharren sollte. Der Vorsitzende der Gemeinde, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer, brachte nach Frau Dr. Baerwald namens des Gemeindevorstandes noch den Dank der Gemeinde für die formvollendeten, fesselnden Darlegungen Frau Schönewalds zum Ausdruck. Die Fülle praktischer Arbeit, die der Frauenbund heute noch mehr als je still und unauffällig bewältigt, die Entschlossenheit und Geschlossenheit, mit der auch er daran wirkt, die schweren Nöte der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland zu lindern, seien vorbildlich. Hierfür bringe er besondere Anerkennung und Dankbarke.it zum Ausdruck. Paul Frankenburger aus München. Der aus München stammende Komponist Paul Frankenburger, der auch Jahre lang als Dirigent des Augsburger Stadttheaters tätig war, und seit Herbst 1933 an dem Konservatorium „Shulamith" in Tel Aviv eine Kompositions- und eine Klavierklasse leitet, dirigierte kürzlich am Radiosender Jerusalem ein Konzert mit Werken moderner Komponisten. Das Programm enthielt Schöpfungen von Milhaud, Elgar und Hindemith, und hatte großen Erfolg. T Zionistische Ortsgruppe München Sdilosser*ir.2/I Tel.53052 Dr. Joachim Prinz spricht am 10. Dezember in München. Wie aus der Anzeige in dieser Nummer hervorgeht, wird Rabbiner Dr. Joachim Prinz am Dienstag, den 10. Dezember, wieder vor das Münchener Publikum treten. Es ist nicht notwendig, dieser Ankündigung Näheres hinzuzufügen. Seit einigen Jahren gehört Dr. Prinz zu den umstrittensten Persönlichkeiten des deutschen Judentums, aber auch zu seinen anerkannt hervorragendsten Rednern und Darstellern jüdischer Gegenwartsfragen. — Da mit starkem Andrang zu der Versammlung zu rechnen ist, empfiehlt es sich, die Karten rechtzeitig im Vorverkauf zu lösen. Vortrag von Jettka Levy-Stein. Frau Jettka Levy-Stein, eine der führenden Mitarbeiterinnen des Jugend-Alijah-Werkes, sprach auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe und der Wizo im Museumssaal über das Thema „Wer baut Palästina — Wirklichkeit und Zukunft der Jüdischen Heimstätte". Aus den reichen Erfahrungen ihrer Auslandsreisen entwarf sie ein höchst lebendiges und aufschlußreiches Bild vom Leben der Juden in den englisch-sprechenden Ländern und von den Aussichten, die sich für die deutsche Auswanderung an diese Länder knüpfen. Dem stellte sie die jüdische Heimstätte in Palästina gegenüber mit ihren tatsächlichen Leistungen für das deutsche Judentum und ihrem jüdischen Zukunftsgehalt. — Das Publikum folgte den rhetorisch hinreißenden und inhaltlich überzeugenden Darlegungen mit gespannter Aufmerksamkeit und dankte dafür mit starkem Beifall. Jüdische Winterhilfe Kinnchen Mit Bedauern müssen wir feststellen, daß eine große Anzahl unserer Gemeindemitglieder ihre Spenden für die Jüdische Winterhilfe bisher überhaupt noch nicht abgeführt haben, bzw. ihren Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft nicht so gerecht geworden sind, wie wir es erwarten durften. Die Not in unseren Reihen ist riesengroß: jeder fünfte Jude mußte schon im vorigen Jahre von der Jüdischen Winterhilfe betreut werden. Deshalb erwarten wir auch von Ihnen, daß Sie jetzt so schnell und reichlich helfen, wie Sie können.