Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 508 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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"508 Bayerische Israelitische Gemeindezedtung Nr. 23 SCHUHHAUS M. FLEISCHMANN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Spezialität: BALLY-SCHUHE das, Fest zu hören, so muß uns das Blatt bitter enttäuschen. Es enthält nämlich eine geharnischte Predigt gegen Unsitten, die am Chanukkafest eingerissen waren. Wir erfahren aus dem „Brief: Viele Leute sparen auf das Fest, um das Geld im Spiel zu verwenden. Den Rabbinen mißfällt das Zusammensein von ledigen Personen und Verlobten an den Festabenden. Sie haben im Lauf des Jahres durch den Mund des Gemeindedieners R. Juda verschiedentlich Warnungen ergehen lassen, die aber unbeachtet bleiben. Zuguterletzt drückt man ein Auge zu, „denn besser ists, daß sie im Irrtum sündigen als mit Vorbedacht". Noch bevor die Chanukkalichter niedergebrannt sind, füllt sich die- Stube mit Freunden und Bekannten. Man setzt sich zu Kartenspielen nieder. Gespielt wird mit 3 Spielen, die ganz neu sind und, damit die Karten nicht durcheinandergeraten, von ungleicher Farbe und verschiedenem Aussehen. Die Spiele werden nach jeder Spielserie getauscht. Nicht so sehr die Art der Unterhaltung stört den Verfasser als der Aberglaube, der dabei zutage tritt. Einer glaubt, daß, wenn er verliert, „der Stern des Tages und der Stern der Stunde" die Schuld trage, und spielt, um die Wendung des Glücks zu erwarten, bis zum nächsten Morgen. Andere wechseln die Plätze, wenn sie Pech haben, .„und wer kennt die schlechten. Gedanken ohne Zahl". Wir erfahren, daß auch die Frauen mitmachten, die Nachtruhe in befreundeten Häusern genossen und die kleinen Kinder in den Händen von herzlosen Mägden ließen, die sie roh und schonungslos behandelten. Durch das ununterbrochene Schreien wurden die Nachbarn im Schlaf gestört und es kam zu ärgerlichen Auftritten. Ein Chanukkarätsel. Menschen, die an solchem Zeitvertreib keinen Gefallen fanden, pflegten, wie wir unterrichtet sind, sich mit Rätselraten die Abende des Weihefestes zu verkürzen. Ein Rätsel, in hebräischer Sprache geschrieben, enthält ein mir vorliegendes Blatt. Verfaßt wurde es a. 1791 von Raphael Reckendorf, Lehrer in Bamberg, und lautet in etwas freier Übersetzung: Der Weise hat's in seinem Kopf, in Mitten seine Augen. Was hat der Weise in seinem Kopf? Rosch chodesch, den letzten Peßachtag. Was haben die Augen in ihrer Mitte? Des Haman kläglich Ende. Füg eines zum andern, so findest du Gunst. Eine Mussafspende erhält sie dir: Die Mitte von Schabuoth und Chanukka, Die Mitte von Sukkoth und Rosch haschana, Und klar ist das" Ganze. Beim ersten Durchlesen scheint der Rätseltext vollkommen sinnlos! Die Lösung gibt sich indessen leicht, wenn man nicht auf das Sinn-Bild, sondern auf das Augen-Bild der in Betracht kommenden hebräischen Worte sein Denken einstellt. Das Rätsel geht von dem Koheletzitat 2u aus: der Weise hat seine Augen in seinem Kopfe, das als Eingang eines Rätsels sehr passend ist, reißt aber, um zur Rätselstellung zu gelangen, den Aus- MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII ■/VVVVV^/VVVV%/VVVVVV^/\B/VVVVVV'*/VVVX^^/VV^ JMifdtje talft tmdt)t JMifd&e not JÜDISCHE- WINTERHILFE der Isr. Kultusgemeinde München Herzog-Max-Straße 5/1 Postscheckkonto: München Nr. 45842. IWVVU VVVVVVVVVVVVVIVVVVVVVVVVVVVVVV\'V\i spruch auseinander. Der Weise, hebr. chachani, hat in seinem Kopf das ch, und dieser Buchstabe ist tatsächlich Rosch chodesch, der Anfang des Wortes chodesch und Endbuchstabe von Pessach. Seine Augen, hebr. 'ejnow, haben in der Mitte den Laut n gleich dem Ende von Haman. Wer beide Laute verbindet, Jindet „Gunst", hebr. chen. Diesen Ausdruck soll eine Mussafspende gebracht, anders gesprochen, eine weitere Folge von Buchstaben angehängt werden. Was für welche, ist aus den folgenden, nach der gleichen Weise zu behandelnden Festtagsnamen zu ersehen. Als Lösung des Rätsels ergibt sich: Chanukka. Aus der Gemeinde München 70. Geburtstag. Frau Recha Stark feierte am 22. Nov. ihren 70. Geburtstag. Es gibt wenige Menschen, bei denen die Eigenschaften des Herzens, des Geistes und des Charakters sich in so glücklicher und beglückender Weise die Wage halten. Ihr starker und gerechter Sinn vereinen sich mit einem Gemüt voll warmer Menschlichkeit. Darum ist sie vielen eine Mutter geworden. Ja selbst ihre Großmütterlichkeit, die ihr das Schicksal in besonderem Maße zu betätigen zuwies, ist feste und starke Mütterlichkeit. Als im Jahre 1911 die Ortsgruppe München des jüdischen Frauenbundes gegründet wurde, war Recha Stark die erste Kassierin. Sie war genau und sparsam und doch darüber hinaus weitblickend und großzügig, wenn der Moment es gebot. Von allen ist ihr Rat und ihre Meinung in besonderem Maße geachtet worden. Nicht weniger wie später, als sie dann selbst erste Vorsitzende geworden war. Genau so wie sie im Gesarritvorstand des großen jüdischen Frauenbundes stets eine gewichtige Stimme hatte, wofür auch immer sie eintrat. Wäh- CUR CHANUKKAHZ ZUVERLÄSSIGE, FORMSCHONE UHREN SCHMUCK SILBERWAREN LEUCHTER KULTGERÄTE Das Haus für hübsche Geschenke M. SILBERTHAU * CO. KAUF1NGERSTR. 10