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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-12-01 · 23 (1.12.1936) · p. Seite 507

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
23 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 507 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 507 logis zu verschaffen, da auswärtige Flüchtlinge vordringlich Hilfe erheischen. Er meint: „Menujem zu weren is gar schwer, weilen jetzund seind keine leer. Ein'm andern aufzusagen wär eine Aweiro,2 weil jetzund is die Präger Geseiro3" (5). Hat er endlich ein Unterkommen gefunden, so muß er erleben, wie der Hausvater den ins Haus Genommenen streng beaufsichtigt und sich Erziehungsrechte anmaßt. Er verklagt ihn beim Rabbiner, wenn er den Morgengottesdienst verschläft. „Was is das for ein Bochur,4 der nicht Schulen geht. Er weiß takke5 nit, was geschrieben steht" (7), und will ihm schließlich die Tür weisen: „Was tu ich mit aso einem Wohltäger,6 ich will ihm aufsagen sein Geläger7" (8). Zu seinem Mißbehagen muß der Schüler neben den vorgeschriebenen Fasttagen die mannigfachen Frankfurter Sonderfasttage mit halten. Trotz seines grundsätzlichen Mißtrauens gegen die Berechtigung des „Ta'anith Gerusch" oder „Vinz-Hans"-Tages darf er es nicht wagen, vom Ortsgebrauch abzuweichen: „Hen, wenn man ein'n Bochur sollt essen trofieren,8 mit Chuppo-Stängcher9 tät man ihn aus Frankfurt führen" (11). Wie der Hausherr den jungen Mann, dem er ein Logis einräumt, bisweilen in seine Dienste spannt, so kann auch die Gemeinde ihn für ihre Zwecke heranziehen, Wir erhalten Kunde, daß die studierende Jugend beim Backen der Osterbrote mithelfen mußte. Die Kahals Meschorsim10 stehen Posten, daß keiner sich aus dem Staube macht. Außerdem wird den Widerspenstigen und Drückebergern mit dem Entzug der Freitischkarten für das Peßachfest gedroht (19). Diese Anweisungen zum Speisen in den Familien, Bletten genannt, spielen eine große Rolle. An sie knüpfen sich nicht immer die erfreulichsten Eindrücke für den Jüngling. Die sie austeilen, lassen ihre Macht fühlen und gehen nicht immer unparteilich zu Werke. „Jospel Schwo und Meier Hamel machen ein groß' Wesen, die ärgste Blett tun sie ihm arauslesen" (15). Sie möchten ihn gar zu gern bei „Mausche Gascht11 andingen" (4). Manchmal müssen die Schüler, um „gute" Bletten zu bekommen, von ihrem Taschengeld draufzahlen. Diesem Mißstand wird, wie wir erfahren, durch Herz Speier ein Ende bereitet, wofür ihm zum Dank das Lied wünscht „Bis'chus hase12 soll ihm haschem13 sein Leben derlengen" (15). Wenn der Student die Wohnung seines Kostwirts betritt, muß er darauf gefaßt sein, daß die besten Bissen schon verzehrt sind. Die Hausfrau empfängt ihn mit der heuchlerisch vorwurfsvollen Frage: „Bochur, warum seid Ihr kommen erseht?" und, zur Küche gewandt, ruft sie: „Bilzel14, setzt zu ein Viertel Gerscht" (16). „Mir müssen brav Zimes15 kochen" (17), verordnet sie draußen, den unstillbaren Appetit des jungen Mannes berechnend, sehr zu dessen Verdruß, dem der Mund nach einem Fleischgericht wässert. Im schlimmsten Fall muß ''sich der Kostgänger mit Gerstenbrei oder Hering begnügen. Von den äußerst geschätzten Fleischklößen, die an Feiertagen auf den Tisch kommen, genießt er öfters nur den Anblick: „Fleischklößcher bekommt er zwei oder eines,- al pi rauw18 gar keines" (18). Fast wie eine Beleidigung empfindet der Student die Zumutung, den Mantel, statt ihn in die Stube mitzunehmen, in der Küche aufzuhängen. Wir erfahren aus dem Gedicht, daß die jungen Leute, weil sie die Kost nicht vertrugen, öfters krank wurden. Wollten sie sich dann auf Gemeindekosten in ärztliche Behandlung begeben, so erwies sich der Bachurim-Gabbe17 als ein harter Mann, der dem Patienten das Wort entgegenschleuderte: „Du bist uns 1 Von hebr. no'im „angenehm, willkommen", davon eine Partizipialbildung menujjom, das manchmal auch wie ein Hauptwort empfunden wird „den Menujom (die Menujjim) ansagen bzw. aufsagen"; 2 Unrecht;3 Austreibung aus Prag 1745; 4 Talmudschüler; 5 wirklich; 6 der sich gute Tage macht; 7'Logis; 8 franz. trouver;9 die Stöcke, über die der Trauhimmel gespannt wird;10 Gemeindebüttel;11 Bezeichnung für einen Hungerleider; 12 für diese verdienstliche Tat; 13 Gott; 14 viell. Kurzform für Sybilla; 15 eigentl. Zu-Mus, Mus wie in „Gemüse", Beilage zum Fleisch;18 meistens;17 der gemeindliche Kurator für die studierende Jugend; 18 überflüssig; 18 Empfehlung des Rabbiners; 20 Verwirrung; 21 sieht; 22 sicher, gewiß; 23 Papier; hier Censurenliste; 21 heute; 25 Name, Ansehen; 28 wohltätige Menschen sind sie; 27 besonders; 28 wie 12; 29 Gemeinde; 30 bis nach Zion der Erlöser kommt. Willkommene Geschenke Ski-Änzüge Rauch-Jacken Pullover und Herrenartikel ROSENFELDER Bayerstraße 5 Gegründet 1878 Das Fachgeschäft für gute Herrenkleidung eine Hausofo.18 " In diesem Fall muß der Jüngling, um die Kosten der Privatbehandlung aufzubringen, zwei Mitschüler mit dem „Zettel"19 herumgehen lassen (23). Das Schlimmste aber sind die Prüfungen, von deren Schrekken vier Strophen erzählen. Von den beiden genannten Examinatoren R. Tewele und R. Meier Fuld scheint der letztere der gefürchtetere gewesen zu sein. Viele packt Tage voraus die Examensangst. „Mancher wird krank vor großer Beholo20 " (10). Sie halten sich in ihren Wohnungen verborgen, doch Jospel Oppenheim, Vollstreckungsorgan der Gemeinde, geht von Haus zu Haus und droht den Erblassenden im Falle des Nichterscheinens mit den strengsten Maßnahmen (11). „Er muß endlich sein Lernen sagen, wenn er schon sieht21 sein schlimm Masel vor Augen" (12). Die Leistungen werden benotet, die schlechteste wird durch ein ringförmiges Zeichen, ähnlich einer Null, angezeigt („Ein 0 is ihm botuach22 auf dem Babeir23" (12). Zum Schluß gelobt der Durchgefallene, hinfort größeren Eifer an den Tag zu legen, und bittet selbst um Zuweisung von Aufgaben, „Gebt mir etwas zu lateinen" (13), „alle Woch zu verhören gehn" ist ihm fortan Ehrensache. In einer beschwichtigenden und versöhnlichen Schlußstrophe sucht der Verfasser des Liedes die harte Kritik, die er an Frankfurt hat üben müssen, abzuschwächen und vergessen zu lassen. „Alles was ich gesagt hab heint24 / hab ich nit auf alle Frankfurter gemeint / Denn die haben außerhalben ein'n Schern25 / Anschej gemilus chassodim hem28 / Bifrat27 auf Bachurim und Gesinder / sein sie als auf ihr eigene Kinder / Hen, ein Frankfurt und keines mehn / Bischus hase23 soll die Kehillo29 ad uwo l'Zion goel30 bestehn." Ein Chanukkabrief. Undatiert. Verfasser ist Manes aus Fürth, Schreiber David b. Abraham aus Braunschweig. Der Text ist in reinem Hebräisch mit Endreimen in dem aus den Pijjutim bekannten lockeren Stil abgefaßt. Die ungemein zierliche Schrift fällt auf. Erwarteten wir, in ihm allerlei Lustiges, Mären und Schnurren mit Bezug auf Kauf Verkauf Tausch Verwaltung von Rentehäusern, Villen, Geschäften usw., vorschußlos, zu sehr günstigen Bedingungen. 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