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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-12-01 · 23 (1.12.1936) · p. Seite 506

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
23 (1.12.1936)
Date
1936-12-01
Page
Seite 506 (sequence 4)
Language
German
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506 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 Decke für den Chanukka- Leuchter aus der Synagoge Padua Photo Abraham Riegel dafür / Von Gold ein Bett, von Samet ein Deck / Von Karmiol1 eia'n Tisch / Drauf springen güldne Fisch / Von Korallen ein'n Stuhl / und ich derzu war die Simchoa voll /. — Zu Händ meiner vielgeliebten Kalle3 / die mir tut gar wohl gefalle I Die fromm und die fein / Als der Sunnen schein4 / Die bieder und die züchtig / mit ihre Ma'asim5 is sie aufrichtig / Daß sie Lieb hat und Ruhm / bei den Leut umitum / hazenuo w'hachamudo w'hajeschoro / k'Riwko w'Soro6 / Auf sie kein Kummer und Zoro7 / und zu allen, die ihr lieb sind / — Nitviel Chidduschim8 zu melden / nur weilen sich die Gelegenheit präsentiert 5 / Darum kann ich nit unterlassen / sie mit ein paar Zeilen wissen zu lassen / daß ich in guter Gesundheit bin / desgleichen will hoffen mit ihr / und daß also sein werde und bis meo schonim9 / kontinuieren. Omen / Inmittels, herzvielgeliebte Kallo / will ihr berichten / meine Geschichten / Seit ich bin von ihr geschieden / tut mir mein Herz nit frieden / Denn mein Herz will mich kränken / wenn ich an ihr Liebschaft tu gedenken / Aber wiederum tu ich mich trösten in meinem Mut / will Geduld tragen, bis die Zeit darzutut / Und derogleichen soll sie sein getröst't / Mit meinem Schreiben ihr gern etwas wölln schicken / aber es hat nit wolln glücken / Denn es ist itzund nit etlichen zu trauen / Tut mich sehr gereuen / Will ihrs also lang verwahren / bis ich besser Gelegenheit möcht erfahren / Sie laß sich mein schlecht Schreiben nit verdrießen / will also schließen / Hiermit befehl ich euch dem allmächtigen Gott / Der uns zusammengeführet hat / Der soll euch nit lassen zu Schand und zu Spott / Des Bitt und Begehr von eurem geliebten Choson,10 / Der um euer lang Leben bitt't. Leiden eines Frankfurter Talmudschülers. Ein aus 25 achtzeiligen Strophen bestehendes Gedicht, roh und derb gearbeitet, nach Bänkelsängermanier, dessen Abfassungs- 1 Karneol; 2Freude; 3 Braut; 4nicht „Sonnenschein", sondern „schön gleich der Sonne"; 5 Handlungen; 8 keusch, liebreizend und gerade wie Rebekka und Sara; 7 Verdruß; 8 Neuigkeiten; 8 100 Jahre; 10 Bräutigam. zeit um 1750 liegen dürfte. Die rhythmische Behandlung ist überaus nachlässig. Trotzdem hat es seinen Wert, weil es uns einen Blick in Zustände und Verhältnisse innerhalb eines wichtigen Teilgebietes des jüdischen Gesamtheitslebens von ehemals tun läßt. Im Charakter des stichligen Couplets liegt es, daß manches darinlcraß und übertrieben ausgefallen ist. Der junge Student, frisch ausgestattet mit Geld und neuen Kleidern, wird am Zielort Frankfurt freudig willkommen geheißen. „Menujim1 tut uns keiner absagen, wenn mir unsere Rekommandation aufsagen" (2). Bald muß er erfahren, daß es mit dem Geld nicht langt, die Nachtruhe muß er bisweilen auf den harten Bänken der Lehrstube halten. „Ein'n Patzen Schlafgeld wollten wir geren sparen, auf den Bänk in der Klaus müssen mir arumfahren" (3). Der Rabbiner ist auch nicht imstande, ihm ein Frei- Photo Abraham Schekel aus der Zeit des Simon Makkabi Vorderseite: Becher mit der Jahreszahl (Jahr 2) und der Inschrift „Schekel Israel" — Rückseite: Blühender Aaronstab mit der Inschrift „Das heilige Jerusalem"

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