Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 505 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 66$ Titusbogen in Rom — Die heiligen Geräte aus dem Tempel in Jerusalem . Photo Abraham Kulturgeschichtliche Dokumente Von Dr. Max Katten (Bamberg). Ein Chanukkabrief und ein Chanukkarätsel. Jüngst gelang mir auf dem Dachboden des Gotteshauses einer nicht mehr bestehenden Landgemeinde ein schöner Fund. Neben alten wurmzerfressenen und halbvermoderten Büchern fielen mir ganze Stöße von Schriften, die mit hebräischen Buchstaben bedeckt waren, in die Hände. Sie gehörten größtenteils dem 18. Jahrhundert an. Der Inhalt der nach Sachgebieten gebündelten Blätter betraf nicht nur Vorgänge und Einrichtungen jener Gemeinde. Er ging vielfach ins Allgemeine und berührte Verhältnisse der eigentümlichen Kultur, in der sich die jüdischen Gemeinden des 17. und 18. Jahrhunderts bewegten. Die Bekanntgabe von einigen dieser mehrere hundert Einzelstücke umfassenden Sammlung möchte eine, wie ich hoffe, unterhaltsame Chanukkagabe bilden. Ein Briefsteller für Brautleute. Undatiert, vermutlich aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. Das aus 8 Seiten bestehende Heftchen enthält gereimte Vorlagen sowohl für Briefe des Bräutigams an die Braut als auch umgekehrt. Die Wertschätzung, die die feststehende Form, das Etikettale, in der damaligen streng normierten Gesellschaftskultur genoß, wird offenbar auch von der jüdischen Seite geteilt. Für Briefe, die sich Brautleute zu den Feiertagen schrieben, ist ein Appendix mit seltsam feierlichem, religiös gefärbtem Text vorgesehen. Man wird zugeben, daß das im Folgenden mitgeteilte Muster, das erste des Heftes, sich innigst in das hineinfühlt, was ein liebendes Herz erfüllt, und ursprüngliche, unverfälschte Töne aufklingen läßt. Man vergißt fast, daß man eine Schablone von sich hat. Gruß zu Gruß gegossen, Herz zu Herz geschlossen / Mög es sie nit verdrießen / als ich ihr so lang nit tat begrüßen / Drum tu ich mich gegen ihrexkusieren / Das könn sie an mein'n Wünschen spüren / Hab mir vorgenommen ihr aufzuwarten mit ein paar Zeilen / Sie soll darmit vorlieb nehmen derweilen / Ich wünsch ihr ein schön Kämmerlein / Von Marbelstein die Fensterlein / Kristall darein, von Silber ein Tür / Von Demant einen