Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 504 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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504 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 23 , r ■^kM'^0r- - -%A . - v K ' - Nr^-'.rv * 1 A v^r i;>^ ~e w> p% v ->I^-^ ^SSfc^J ^Vl$& *Vb. Qr j? ^rr--: /i'":P7v$^r/s7fML ^>ssÄsB«5i * o y'^-i; '1 ^V*?W*«d . Jh ~ J &3 -1 »* v-<i f'v. ->. v-: f »6 -?Xr:.,x< ~ * * 77, {>;<>.. . Ii .J/v w~ - - . ^V«**? i , .c^fi .1 i|Ä , ^> ■ P v: R ^Hs- ~ : ***s& ti' i U;>-rl7r & * i Tfc:5 ,!>> ^rtv-W^-' >*;•'. ■'. i -f s - ' E - 'F,.; - -/«'....,vT,Jr?- . - *-____ "r*. ' '- -;!-T! '• -V \,7v= */ *.\'Z^'i's^'**/a ^v=T7:K*»" - >*. -4..^vv,;-^v Photo Abraham Chanukka-Leuchter aus Silber mit Brillanten und Diamanten verziert, Augsburger Arbeit des 18. Jahrhunderts Chanukka ist ein Heldenfest, ein jüdisches Heldenfest. Es feiert das heldische Auftreten der Makkabäer, ihren unerhörten Sieg und die Wiederaufrichtung jüdischer Größe nach einer langen Zeit äußerer und innerer Schmach. Aber das geschichtliche Ereignis, mag es noch so bedeutsam sein, hat sich bereits in ein Ideal geflüchtet, in den Gedanken, daß wir von Überraschungen leben, weil wir unter dem besonderen Schutze der Vorsehung stehen. Wir feiern im Grunde nicht mehr den historischen Vorgang, sondern den ewig lebenden Gedanken, daß alles Äußere nur die Ausstrahlung einer höheren Macht ist. Nur geschichtliche und psychologische Unkenntnis vermag den Juden das Heldentum abzusprechen. Jedes Volk hat seine Helden, d. h. Helden, die aus seiner Kraft schöpfen, die seiner Natur entspringen. Das jüdische Heldentum ist nicht unbedeutender, aber anders in seiner Auffassung und Auswirkung, — wie alles echt Jüdische. Das jüdische Heldentum ist immer ein Heldentum im Dienste einer Idee, die mit dem Leben zu einer Einheit verschmolzen ist. Der Held beginnt mit der Überwindung alles Kleinlichen und Persönlichen, mit. der Hingabe an seinen Beruf, den er höheren Sphären entnimmt. Die Aufopferung, die Tat folgt dann von selbst. Wer einem höheren Berufe lebt, eine Sendung in sich hört, wer in sich ganz, ohne Zerrissenheit ist, ist immer groß und stark. Und auch das Tun ist ein Vollenden, ein Ganzes, ein Ausleben der Idee in der höchsten Anspannung aller seelischen und körperlichen Kräfte, ja in der höchsten Harmonie von Seele und Körper. Was sind die Makkabäer? Sie sind keine Krieger von Beruf, keine Strategen im modernen Sinne, sie kämpfen ohne vorbereiteten Plan, ohne große Kriegsmittel, getrieben von heiliger Begeisterung und .glühender Volksliebe. Sie sind ganze Männer, tief wurzelnd im Glauben der Väter, ihre Kraft aus dem Lebenssinn des Judentums ziehend. Sie sehen vor sich Verfall, Schwäche und Unglauben: außen einen bis zum Wahnsinn gesteigerten Hochmut des Feindes, und innen Zerfahrenheit und Zaghaftigkeit, Nachahmung fremden Wesens und unjüdischer Sitten. Nur Wenige noch halten treu zur Fahne, und diese schon sind von Verzweiflung bedroht, harren der Wunder und begreifen nicht, daß das größte Wunder der Mensch in seiner Selbsttreue ist. Der heilige Eifer für Wahrheit und Gerechtigkeit erzeugt in diesen Kämpfern das Heldentum und in diesem Zeichen siegen sie. Und nach zweijährigem Kampf voller Entbehrungen kehren sie als Sieger heim, vom Volke, dem sie die Freiheit errungen, bejubelt, glücklich in Gott. Ihre erste Tat ist die Reinigung des Tempels, des Symbols der Volksgröße. Die Gottesidee ist es, die gesiegt hat, Israel hat wieder sein Wesen, seine sittliche Lebenskraft erkannt. Das Heldentum des Schwertes im Dienste des jüdischen Volkes hat mit Bar-Kochba, dem letzten jüdischen Freiheitskämpfer, aufgehört, es hat einen passiven Charakter angenommen. Aber es hat damit seine innere Größe nicht verloren. Durch alle Zeiten der jüdischen Geschichte gab es Juden, die in ihrer Art Helden waren, die das Leid und das Schicksal ihres Volkes in sich trugen, dafür lebten, dafür kämpften. Ob sie sich mit heiliger Begeisterung für die Wahrheit opferten, ob sie die Ehre ihrer Gemeinschaft durch selbstlose Taten retteten, ob sie in Wissenschaft und Wirtschaft neue Bahnen schufen, ob sie dem Glauben ihrer Väter oder einer großen Idee ihr Leben opferten, — es ist immer Heldentum, immer groß. Das Heldentum ist die Emanation einer großen Seele, eines überwältigenden Strebens. Der Held gleicht in manchem dem Künstler. Auch darin, daß seine Größe im Sehen, in der Idee und nicht in der Ausführung ruht. Und wie der wahre Künstler selten glücklich wird, weil er sein Ideal nie ganz erreicht, so trägt auch der Held häufig einen tragischen Zug, weil die Wirklichkeit dem Bilde seiner Wünsche nie ganz gleicht. Das gehört mit zum Gesetze der Begrenztheit menschlicher Größe. Kein Volkselement lebt so sehr in der Geschichte und von der Geschichte wie die Judenheit, weil sie stets Objekt der Geschichte ist. Man hat Chanukka als das einzige historische Fest bezeichnet. Das ist falsch. Nein, alles, was Volksgeist in sich trägt, ist Geschichte, alles, was Vergangenheit und Zukunft verbindet, ist in Wahrheit ein geschichtliches Denkmal. Und jedes jüdische Fest verkörpert diesen Gedanken in anderer Form, Chanukka in der Form des stillen Familienlebens. Denn die Judenheit ist eine große Familie, einig in Freude und Leid. Draußen ist es kalt und stürmisch, im bescheidenen Heim wird ein-stilles Fest-für stille-Menschen gefeiert. Draußen Verkennung und Weh, hier lebt Zuversicht und Vertrauen auf Gott und auf den eigenen starken Willen. Draußen lebt die harte Gegenwart, im jüdischen Heim bestrahlt die große Vergangenheit alles Sein und läßt die Hoffnung auf eine neue Zukunft aufleben. Ein stilles Licht brennt in der Ecke und es erzählt von jüdischen Heldentaten, von ewigen Hoffnungen. Wie alt, ach wie alt ist der geschichtliche Hintergrund! Aber was bedeuten Zeiten für ein Volk, das in Ewigkeiten denkt, weil es ein ewiges Element ist! Was bedeuten Realitäten, wo das ganze Leben zum Symbol geworden ist! Und das Geschick überbrückt alle Zeiten, und der Geist erweist sich stärker als alle Lebenswirklichkeiten. Schicksale wiederholen sich, begrabene Leiden und Hoffnungen erwachen und zeigen den Zusammenhang der Zeiten, den Sinn der Geschichte. Das Chanukkalicht am jüdischen Herde ist das ewige Symbol jüdischen Lebens, das Licht des Glaubens, aus.dem wir_immer wieder Kraft und Trost schöpfen. Möge es uns ins Herz hineinleuchten und die Schwere des Schicksals ertragen lassen! Möge es uns wieder durch Geist und Tat mit unsern Vätern und unsern Kindern vereinigen!