Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 23 (1.12.1936)
- Date
- 1936-12-01
- Page
- Seite 503 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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^ögedf^e J|tat(ttijtf}t &emrinÖesettimg fflacgtfttytenM^ unöiSc^Bec6anö^^oymfrfjcc3ftodmfc^et6cmdnÖcn Erscheint am 1. u. 15. jeden Monats.—Verlag: B.Heller, München, Bezugspreis RM. —.60 pro Vierteljahr, RM. 2.40 für das Jahr. Plinganserstr. 64. Fernruf 73 6 65. Postscheck München 39 87, Anzeigenpreis: Geschäftsanzeigen nach aufliegendem Tarif. Herausgeber: Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden. Kleine Anzeigen und Stellenmarkt ermäßigter Sondertarif. XII. Jahrgang München, 1. Dezember 1936 Nummer 23 Inhalt: Stille Freuden — Stille Leiden — Kulturgeschichtliche Dokumente — Aus der Gemeinde München — Aus bayerischen Gemeinden — Jüd. Turnu. Sportverein München e.V. „Itus — Geschäftliches — Bücherschau — Jüdischer Kulturbund m Ä Photo Abraham „Die Helden des Judentums" in spätmittelalterlicher, dem jüdischen Geist fremder Auffassung Holzschnitt von Hans Burgkmair (1473—1531) aus dem Berliner Kupferstichkabinett. — Rechts: „Jüda Macabäus" — In der Mitte: „Rex David" —.Links: „Josue" Bayern, Ortsgruppe München — Amtlicher Anzeiger: Bekanntmachungen der Bayer. Israel. Gemeinden — Personalia — Kultusgemeinde München (Lehrhaus). Stille Freuden — Slille Leiden Eine Chanukka-Betrachtung. Von F a b i u s Schach. Jüdische Freuden sind stille Freuden, Jüdisches Leiden stille Leiden. Das scheint von vornherein in der jüdischen Natur zu liegen, und die Schicksalsgeschichte hat diesen Zug noch verstärkt. Im Gegensatz zum Heidentum war das Judentum in seiner ganzen Struktur bemüht, alles zu verinnerlichen, den Blick vom Außenleben abzuwenden, alles zu entsinnlichen und dem Leben einen tiefen Sinn zu verleihen. Gewiß war Israel ein Naturvolk, es freute sich in der Natur und an der Natur, aber es sah die Natur anders, mit dem Aüge der Ewigkeit, und es suchte überall die Waltung der Gottesidee. Die Naturfreuden wurden gedämpft durch den Ernst der Religion, die geschichtlichen Feste vertieft durch den ethischen Inhalt, den man in den äußeren Rahmen rückte. Und dieser Zug ist in irgendeiner Gestalt immer als charakteristisch geblieben. Der Jude freut sich anders, er findet im Rausche keine Zufriedenheit, weil er in allem einen Sinn sucht, weil die Vernunft das Gefühl stets bewacht. Stilles Leben, sich zur Idee erheben, alles Leid und Freud als vorübergehend ansehen, — das ist echtes jüdisches Leben. Wo das Gemüt sich anders auswirkt, da ist es, wie gar vieles, der jüdischen Sphäre bereits entrückt. Und auch unsere Feste sind im Grunde stille Feste, Momente der Lebensverinnerlichung, der Erhebung, abgestimmt für eine Seele, in der die Sehnsucht nach stillem Glück nicht erloschen ist. Unser Chanukka ist typisch für diese Lebensauffassung. Es ist ein stilles Fest, nach außen kaum sichtbar, und soll doch die jüdischen Menschen innerlich beglücken, die Seele für etwas Höheres freimachen. Festlich gestimmt, ohne festlich geschmückt zu sein, ein Hineintragen des Festlichen in den Alltag oder des Alltags in die Festlichkeit, — das ist der spezifische Charakter des Chanukka. Ein bescheidenes Lichtlein am jüdischen Herde, und leuchtet doch ins Herz hinein. Es erzählt von Kämpfen und Leiden, aber auch vom Siege der ewigen Idee wahrer Menschlichkeit, vom Triumph des unverdienten Leidens. Es ist, als wenn alles sich zum Symbol vertieft hätte, als wenn das ganze Leben sich zu einem Gedanken kristallisiert hätte. Und die Menschen, die sich an dieser kleinen Flamme freuen, was sind sie anders als Symbole des ewigen Judentums, als Menschen, die durch ihr Leiden die Gerechtigkeit künden, die im Grunde nur von Erinnerungen, Glauben und Hoffnungen leben!