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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-11-01 · 21 (1.11.1936) · p. Seite 458

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
21 (1.11.1936)
Date
1936-11-01
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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458 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 21 20 Uhr 30 Museums-Saal Jeitka Lcvy-Stcin (Berlin) sprldii über Wer baut Palästina? Wirklichkeit;und Zukunft der jüdischen Heimstätte Eintritt: RM. —.80 und RM. —.50 Vorverkauf: Büro, Schlosserstrafee2 (Tel. 53 0 52) und Ewer'Buchhandlung Näheres siehe Notiz in dieser Nummer Zionistische Ortsgruppe München Verb. jüd. Frauen f. Palästina-Arbeit (WIZO) Ortsgruppe München Not die in den letzten Wochen ins Unermeßliche gestiegen war, herbeigeführt sondern auch durch die Sorge um die bevorstehende Orangenernte, deren Ausfall für die arabische Wirtschaft untragbar gewesen wäre. Die erdrückende Macht des englischen Militärs und die Drohung mit dem Kriegsrecht, zu dessen Verhängung der Hohe Kommissar kürzlich ermächtigt worden war, taten das ihrige. So gab dann eine allgemeine Erklärung der befreundeten arabischen Fürsten, denen in palästinensischen Angelegenheiten ad hoc eine bisher ungewohnte Autorität eingeräumt wurde, den willkommenen Anlaß. Freilich ist damit zu rechnen, daß noch einige Gruppen der Freischärler in den Bergen zu ihrem zivilen Leben nicht gleich zurückfinden, sondern noch für einige Zeit das Land unsicher machen. Wieweit die unverbindliche Erklärung der arabischen Fürsten, sich bei dem „verbündeten England" für die Sache der palästinensischen Araber einzusetzen. Wert hat, wird die Zukunft lehren. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, wird einstweilen die jüdische Einwanderung gestoppt werden, bis die Royal Commission, die in wenigen Wochen zu erwarten ist ihre Studien beendet haben wird. Freilich dürfte es sich dabei nur um eine Aussetzung der Erteilung der Arbeiter-, nicht aber der sogenannten Kapitalistenzertifikate handeln; Obgleich die in der letzten Zeit recht mitgenommene jüdische Wirtschaft im Augenblick alles eher vertragen kann als neue Massen von Arbeitsuchern. befürchtet die zionistische Leitung andererseits dadurch einen erheblichen Prestigeverlust M. SIIiBERTHAC & CO. KACJFINGERSTBASSE 10 Das Haus für hübsche Geschenke in Uhren Schmuck Silberwaren Kultnggeräte und erblickt darin eine Anerkennung der arabischen Forderungen und Methoden. - Die zukünftige Lage noch unklar # Wie die endgültige Antwort auf die arabischen Forderungen ausfallen wird, ist im Augenblick noch ebensowenig zu übersehen, wie der Ausfall der Studien der Königlichen Kommission. Die Araber haben-eine Reihe wichtiger englischer Freunde in London, insbesondere auch im India-Office, und die britische Verwaltung in Palästina ist durchweg antijüdisch eingestellt. Auf der anderen Seite hat auch die jüdische Sache in London ■starke Stützen, vor allem in dem gegenwärtigen Kolonialminister O r m s b y -Gore, der frühzeitig mit den Anfängen des jüdischen Nationalheims verknüpft war, und die außenpolitische Unterstützung seitens Polens, das seine explosive Judenfrage durch eine erhöhte Abwanderung nach Palästina entspannen möchte, kann hier und da auch nicht ohne Einfluß bleiben. Es sind in dieser Richtung in den nächsten Wochen noch sehr interessante Auseinandersetzungen zu erwarten. Wenn auch das gesamte Palästina-Problem für eine grundsätzliche Entscheidung reif wäre, so ist doch anzunehmen, daß England für die nächste Zukunft weiterhin versuchen wird, Zwischenlösungen zu finden, die es ihm ermöglichen, die Sympathien der arabischen und mohammedanischen Welt zu erhalten, ohne sich die Möglichkeit zu nehmen, auf die jüdische direkte oder indirekte Unterstützung in der abendländischen Politik gelegentlich zurückgreifen zu können. Gerade jetzt, wo England sein überragendes Interesse an Palästina durch die erheblichen Truppenkonzentrationen deutlich unter Beweis gestellt hat, wird es nicht ohne weiteres auf den jüdischen Kapitalzustrom verzichten wollen, der ihm die relativ umfangreiche Verwaltung erheblich erleichtert. Solange die gesamte Mittelmeerfrage, in der Palästina eine nicht geringere Rolle als Gibraltar und vielleicht eine größere als Ägypten spielt, noch in einer so gefährlichen Schwebe hängt, wird England kaum eine so gewagte Operation, wie es eine grundsätzliche Entscheidung zwischen Arabern und Juden wäre, unternehmen wollen. Erstaunliche arabische Streikdisziplin Die Araber ihrerseits dürften aus den letzten Monaten viel gelernt haben. Sie werden sich wohl kaum wieder ohne ausreichende politische Vorbereitung an ein derart gefährliches Unternehmen begeben, das als überstürzte Reaktion auf das unglückselige Jaffaer Blutbad vom 19. April alle Zeichen einer voreiligen Improvisation trug. Immerhin können die Araber auf gewisse Erfolge hinweisen: erstens ist es ihnen gelungen, in drastischer Weise die Augen der Welt auf die lange verschleierte Schärfe der jüdisch-arabischen Frage gelenkt zu haben: während viele bei den Unruhen von 1929, die wesentlich heftiger waren, denken mochten, daß es sich um isolierte Exzesse einiger aufgeputschter Havenots handle, kann heute sich niemand mehr dem Tiefgang, der Grundsätzlichkeit und'der Allgemeinheit des Problems verschließen. Zweitens haben die Araber eine Geschlossenheit und eine Streikdisziplin an den Tag 'gelegt, die um so erstaunlicher und unerklärlicher ist, als sie sonst nicht die bescheidensten Anfänge von einer Organisation auf irgendeinem Gebiete, vor allem nicht in der Politik, aufgewiesen haben. Gerade wenn man dies bedenkt, erscheint die organisatorische Leistung als ungewöhnlich. Drittens hat der politische Willen der Araber einen beachtenswerten Auftrieb erhalten. Der Sommer hat auch deutlich die Schwächen der Araber gezeigt, die vor allem in dem Fehlen einer soliden „.politischen Organisierung der Massen nach abendländischem Muster — also vor allem mit Mitgliedsbeiträgen, ordnungsgemäßer Buchführung usw. — liegen. Hierdurch waren die Geldverhältnisse in keinem Augenblick übersichtlich gewesen. Es ist anzunehmen, daß sich die arabischen Führer in der nächsten Zukunft vor allem diesen Fragen widmen werden. Der' Streik ist zu Ende. Aber die Spannung, die das kleine Land seit langer Zeit in Atem hält und die durch nichts besser als durch die erdrückenden Truppenmassen illustriert wird, dauert fort: denn sie hat schon längst ihren lokalen Charakter verloren und nimmt teil an jener Spannung, die gegenwärtig das Mittelmeerbecken zu einem Zentrum des politischen Weltgeschehens macht.

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