Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1936
- Issue
- 9 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- Seite 25 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/9934493-9934418-9934466--433-2744245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 9 Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern 25 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig \m k&ui Umfelder Qmbfy 4^ IWindjen, im ftorental Wer könnte das nicht verstehen? Ja, Würzburg und sein Seminar hatten magnetische Anziehungskraft War das eine Freude, wenn einer nach dem anderen hereinsegelte. Außerhalb des sehr umfangreichen offiziellen Tagewerkes saßen wir Jungen noch in später Abendstunde im Zeichensaal zusammen. Aber immer nur möglichst kurze Zeit, um das Dringendste zu reden. Sonst hätte es geheißen, man „isoliere" sich. Man wollte sich wirklich nicht isolieren; aber es gibt Fragen, die die Jugend nur unter sich abmachen kann. Gewiß werden manche ältere Kollegen sagen: „Früher war es nicht so." Aber die Zeiten ändern sich; das sollten doch alle einsehen. Wir wissen genau, daß unsere Angelegenheiten von den Vereinsführern bestens vertreten werden. Aber es gibt Gegebenheiten der Gegenwart, über die auch nicht das liebevollste Zurückblicken in die Vergangenheit hinwegtäuschen darf. Eine solche Gegebenheit ist die Junglehrergeneration. Diese Junglehrerzeit dauert nur wenige Jahre; dann ist man auch schon überholt Laßt uns also diese kurze Zeit; ihr habt sie ja auch gehabt! Es ist so schade, daß sie so rasch verfliegt. Nehmt mir nicht übel, daß ich jung bin. Es soll nicht wieder vorkommen. 6. Die Worte des Glaubens. Drei Worte nenn ich euch, inhaltschwer, gingen sie nur von Munde zu Munde: Pünktlichkeit, Zucht. Ordnung! Ortsring der jnd. Jngend verbände München Auf Einladung der Gemeinde spricht am Samstag, IJ. Okt., pünktlich 20 Uhr im großen Museumssaal Prof. Curt Bondy Leiter der Auswanderungsschule Groß- Breesen Pas Answanderangslelirgiit Profi-Breesen Anschließend ist für Interessenten Gelegenheit zur Aussprache im kleinen Kreis gegeben. Eintritt ffir Erwachsene BI —.50, fär Jugendliche RH —.10. Karten an der Abendkasse Nicht alles fällt unter die Rubrik „Rücksicht auf die Jugend"; man muß schon zu sondern verstehen. Und diese drei Worte gelten auch für 1936 genau wie zur Zeit der verhaßten Lernschule. Aber versteht nicht falsch: ich habe nicht gesagt, daß die Jugend sie nicht besitze! Ich will mich nur über die Wichtigkeit dieser Worte auslassen — rein theoretisch. Ich glaube an diese drei Worte. Ich glaube, nein ich bin überzeugt, daß die jüdische Schule der Zukunft,' an der wir alle in Würzburg gebaut haben, auf diesem Fundament allein stehen kann! So wie die Schule der Gegenwart und Vergangenheit auf ihm errichtet war. Ich danke deshalb dem Manne, der in Würzburg wieder diesen Grundstein legte, aus dessen Munde die drei Worte als segentragender Abschluß gingen, als Forderung an die Zuhörer. Die jüdische Schule trägt diese Eigenschaften in sich nur dann, wenn der Lehrer sie hat. Aber er muß sie zuerst haben. Ich hoffe, daß sie von Munde zu Munde gehen, wo immer warmes Blut des Lebens in der jüdischen Schule pulst; denn die großen Ziele, die gesteckt wurden, bleiben illusorisch, ja führen zur Anarchie, wenn ihnen der zweckentsprechende Rahmen, die gegossene Form abgeht. Aber auch im Leben sonst gehören diese Worte dazu. Wie schön hat alles geklappt! Das Essen war gut und kam pünktlich!auf 'den Tisch. Die Turnhalle mit ihren Tischen und Stühlen, überhaupt die Räume des modernen Semfoargebäudes in vorzüglicher Ordnung. Die Organisation, das Programm waren gut durchgeführt. Dank dem gastlichen Seminar, daß es uns in seinen vertrauten Zimmern und Gängen aufnahm; Dank dem Vereinsvorstand, daß er uns diesen Kurs ermöglichte! Auch hier bewährte es sich, was gesagt wurde; hier war die greifbare Bestätigung der Wahrheit: Pünktlichkeit, Zucht, Ordnung. Dem Menschen ist aller Wert geraubt, wenn er nicht mehr an die drei Worte glaubt! Aber nicht nur glauben, auch danach handeln! Dann gibts immer einen ganzen Erfolg, wie in Würzburg. Ortsjubiläen T. Am 1. Oktober ds. Js. konnte Kollege S. Brückheimer auf eine 25jährige segensreiche Tätigkeit in Marktbreit zurückblicken. Dieser Tag bedeutete nicht nur einen Feiertag für seine Gemeinde, sondern es ist auch Anlaß gegeben, daß man darüber hinaus in weiten jüdischen Kreisen in Bayern und besonders in Kollegenkreisen der unermüdlichen Tätigkeit und des ersprießlichen Wirkens des Jubilars gedenkt Als Brückheimer im Jahre 1911 die Religionslehrerstelle in Marktbreit antrat, war Marktbreit eine schöne, aufstrebende jüdische Gemeinde. Eine Berufung dorthin bedeutete damals für diesen jun'gen Lehrer eine ganz besondere Auszeichnung. Denn vor 25 Jahren hatten unsere jüdischen Gemeinden noch nicht den Ehrgeiz und das Streben, nur ganz junge Lehrer anzustellen. Brückheimer hat sich des ihm durch seine Berufung entgegengebrachten Vertrauens stets würdig gezeigt Er ist nicht nur ein vorbildlicher, pflichteifriger und tüchtiger Lehrer der Jugend, der schon vor 15 Jahren mit Erfolg für die Umwandlung seiner Religionsschule in eine Volksschule tätig war, er war und ist auch ein wahrer Volkslehrer, ein Lehrer seiner Gemeinde. Die intensive und erfolgreiche Arbeit in seiner Gemeinde fand insbesondere darin Anerkennung, daß man ihn — schon im Gründungsjähre des Verbandes — in die Tagung des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden berief. In uneigennütziger Weise widmet er sich seitdem den Aufgaben der jüdischen Gesamtheit, und in den letzten Jahren benutzte er jeden freien' Tag. um in den jüdischen Gemeinden die noch vorhandenen Kultgegenstände, alte Akten usw. zu sammeln und zu registrieren. Im jüdischen Lehrerverein gehört Brückheimer zu den bekanntesten und aktivsten Mitgliedern. Kurz nach dem Kriege gründete er mit srleichgesinnten Freunden die „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Junglehrer", die er bis zu ihrem seligen Entschlafen mit jugendlichem Feuer und vorbildlicher Energie leitete. Pädagogische und methodische Weiterbildung der Jung-