Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Journal
- Mitteilungen des Jüdischen Lehrervereins für Bayern
- Volume
- 1936
- Issue
- 9 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- Seite 24 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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llllitteitongen ües JüDifdim fetjreroereins für ßapern 1936 Schriftleitung: Max Adler, München München, 15. Oktober Nr. 9 Momentaufnahmen vomFortbildungskurs 19.—23. Juli in Würzburg Von W. Stern (Fortsetzung und Schluß.) 3. Praktische Arbeit. ..S^gen und Gesangsunterricht in unserer Schule", ein lustbetontes Referat; hier gabs wie bei den Leibesübungen theoretische lind praktische Schulung. Zwar fehlte die Schule; aber Lehrer lassen sich anscheinend ganz gern nochmal auf die Schulbank setzen. Es war wirklich eine Freude, wie alle — auch die ältesten Kollegen — mit Feuer mitsangen und mittaktierten und die fremden, den meisten nicht geläufigen Ausdrücke sich in kürzester Zeit einprägten. Allerdings nicht so gut, daß nicht manchmal tonale und lautliche Verstöße vorkamen. Doch war das nicht der Hauptspaß? Es soll ja auch gelegentlich vorkommen, daß Lehrer Fehler machen. Dann winkte man. mit der Hand. — Schade, dem Gesangunterricht war zu wenig Zeit bemessen. Im theoretischen Singen wurde die Methodik einer eingehenden Betrachtung gewürdigt. Dem Gehörsingen wurden starke Bedenken entgegengehalten. Dagegen wurde Eytz besser bedacht. Bei Anwendung der Tonnamen verbinden sich Tonvorstellungen, Sprechvorstellungen und motorische Vorstellungen. Im übrigen gabs noch andere Vorstellungen. Man macht sich keine „Vorstellung" von den vielen „Vorstellungen", die an diesem Kurs gegeben wurden. Welcher Lehrer aus der Stadt kann sich eine Vorstellung vom Betrieb einer Landschule machen? Schomor w'sochor b'dibur echod — das ist noch gar nichts. Aber Physik in der Oberklasse, gleichzeitig mit Sprachformübungen in der Mittelstufe und Heimatkunde in der Unterklasse — das ist die schwierige Aufgabe des Landlehrers. Es soll auch Kinder aus Großstädten geben, die keine Vorstellung davon haben, daß Film und Lichtbild in der Schule angewandt werden können. Aber daß durch Film und Lichtbild die Vorstellungen der Kinder bereichert werden, das wurde in Würzburg gezeigt. öffnet daher die Tore der Schule weit für Film und Lichtbrd! 4. Diskussionen und Referate. Der Vorstand hatte es schwer. In schwierigsten Situationen und bei anstrengendsten Diskussionen immer die Führung und geistige Herrschaft zu behalten und für alles ein wachsames Auge und Ohr zu besitzen, das ist keine Kleinigkeit. Nicht viele mochten mit dem Vorsitzenden tauschen, der da recht duicklebendig, aber doch bestimmt und energisch am oberen Ende saß oder zumeist stand und das Gefecht leitete. Ja. er war nicht auf — Rosen gebettet. Ob überhaupt Aussprachen nach Vorträgen stattfinden sollen, ob sie einen wesentlichen Beitrag zur Arbeit leisten, darüber gehen die Meinungen auseinander. Wie wär's mit einer Diskussion über den Wert einer Diskussion? Jedenfalls, in Würzburg haben Diskussionen stattgefunden; und keiner hat zu bedauern, daß es so war. Ja, sie waren ertragreich; denn sie bestanden glücklicherweise zum größeren Teil nicht aus Kritiken an dem betreffenden Referenten oder an diversen Vorrednern. Sondern ein Stück positiver Arbeit ist schon geleistet worden, und praktische Vorschläge gab's immer wieder. Auch das Niveau war im allgemeinen ein gutes und manchmal wurde dem Ziel mit viel Schneid zugesteuert. Nur bitte eins, ihr Diskussionsredner! Nicht zu viel sagen, sonst wirds langweilig: oder in irgendeiner Ecke wirds ungemütlich. Und auch bitte eins, ihr Zuhörer! Hört den Sprecher ruhig an und drückt eure Gedanken über ihn nicht zu laut und auffällig aus: und je älter der Sprecher ist. um so mehr Rücksicht. Im übrigen besteht ein stiller aber großer Krieg zwischen Diskussionsrednern und Zuhörern. Die Redner behaupten von den Schweigern: „Sie haben nicht die Fähigkeit, zu dem Thema ein paar vernünftige Worte zu sagen." Und die Gegenpartei behauptet von den anderen: „Sie haben nicht die Fähigkeit, zum Thema einmal vernünftig den Mund zu halten." Aber keiner hat Recht. Und in Würzburg haben sich Redner und Zuhörer ganz gut vertragen. Der großen Leistung der Referenten ist zu gedenken! Viel Neues, viel Interessantes wurde geboten. Über Palästinakunde anhand der Bibel zwar war man schon „ein wenig" unterrichtet:— aber andere Dinge waren neu oder wurden doch einmal von einem anderen Standpunkt aus betrachtet. Lebhaft begrüßt wurde das Leitmotiv mancher Vorträge: Die Betonung des Jüdischen. Sei es. daß als unser Erziehungsideal aufgestellt wurde „die jüdische Idealgestalt biblischer Prägun g". sei es. daß betont wurde, wie wir Juden auf religiösem Gebiet stets die Lehrmeister der anderen waren. Oder wie die S e e 1 e n 1 a g e unserer Jugend analysiert wurde! Wie steht die Jugend zum Bildungsproblem am Ende der Volksschulzeit, wie faßt sie Geschichte auf? Bündige Antwort wurde gegeben; nehmt sie nur ernst genug, ihr Hörer! Ein deutsches Gedicht in unserer Schule. Nicht irre machen lassen, auch wenn einmal kleine Situationen entstehen, wie z. B. folgende: Lehrer (bei Behandlung der Franz. Revolution): „Welches ist der richtige Freiheitsgedanke?" Schüler: ..wenn die Leute wissen, warum sie drauf hauen"! — Lehrer: „Was wollte man von Schiller?" Schüler: . Man wollte ihn zum Absolutisten erziehen!" Lehrer: ..Schiller sollte Feldchirurg werden. Was merkte er aber bald?" Schüler: ..Halt, ich bin ja ein Dichter!" — Lehrer: ..Welcher Gedanke kommt uns manchmal bei Gottes Walten?" Schüler: ..Das ist falsch: so hätt ichs nit gemacht!" Also, nicht irre werden! Dafür hat man Kinder vor sich. Sondern stark und ernst sich an die Arbeit machen. Ich wünsche jedem Deutschlehrer solchen Erfolg bei jüdischen Kindern, solchen Eindruck auf Verstand und Herz, wie am Ende jener Stunde in Würzburg zu merken war! 5. Jugend. Es war jedem aufgefallen, daß so viel Jugend unter den Lehrern und Lehrerinnen anwesend war. Das wurde von der Vereinsleitung wiederholt anerkannt und unterstrichen. Ein Teil von ihnen gehörte dem Verein nicht an. Und war doch da! Es muß wohl in der Jugend viel Interesse für den Beruf und seine Probleme stecken! Und dann trieb sie noch ein Anderes: Der Wunsch, sich gegenseitig und Würzburg wiederzusehen. Man hatte sich so viel zu erzählen, von jungen Erfahrungen und vieles Andere. Man wollte etwas voneinander „haben". Das war auch der Grund dafür, daß man sich zusammensetzte und nicht überall im Saal verstreute. Aufbaumöbel, Ein- und Zweibett- Couches sowie komplette Zimmer-Einrichtungen MÖBEL BALLIN Theatinerstraße7, Eingang Maffeistraße Billige Preise bei gediegener Qualität