Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 20 (15.10.1936)
- Date
- 1936-10-15
- Page
- Seite 433 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 433 gestalten. Interessant dürfte für den Lehrer in Deutschland sein, daß nur die Kernfächer, die vormittags unterrichtet werden, obligatorisch sind; nachmittags stehen dem Schüler musische und praktische Fächer zur Wahl, die die Ausbildung von Sonderbegabungen und die Vorbereitung auf praktische Berufe gewährleisten. (Ähnliche Ziele hat bekanntlich in Deutschland das jetzt vielfach in der Volksschule neu eingeführte 9. Schuljahr.) Aber dieses Gymnasium ist nicht nur das Versuchsfeld für den Studenten, es soll vielmehr auch dem Dozenten brauchbares pädagogisches Material an die Hand geben, d. h. ihm auf der einen Seite die sich aus der Praxis ergebenden Probleme der Erziehung in Palästina lebendig vergegenwärtigen, auf der anderen Seite die Möglichkeit der Erprobung neuer Lehrpläne, neuer Richtlinien zur Methodik des Unterrichts usw. geben. Wie auf allen Gebieten, so wird auch auf dem Gebiet des Schul- und Erziehungswesens viel experimentiert in Palästina. Eine klare, einheitliche Linie, selbst innerhalb des Schulnetzes des Waad Leumi — um von den mannigfachem Privatschulen zu schweigen —, ist noch nicht gefunden. Ebensowenig ist es der palästinensischen Lehrerschaft, trotz tiefer Hingabe an ihre Aufgabe, bisher gelungen, der wirklich schwierigen Probleme, die sich gerade hier — bei dem Zusammentreffen von^ Kindern verschiedener Kulturpreise — in Erziehung und Unterricht bieten, Herr zu werden. Es ist hier nicht der Platz, auf all diese Probleme näher einzugehen. Nur eines, mit dem sich gerade jetzt die palästinensische Lehrerschaft auf ihrer 7. Tagung auseinandergesetzt hat, sei hier beispielsweise genannt: die ungemein schwierige Frage der Disziplin an den palästinensischen jüdischen Schulen. Sie hängt eng mit der Gestaltung des Lehrplans zusammen. Es wird heute im allgemeinen — vielleicht noch unter dem Eindruck der Tradition des „Cheder" — in den palästinensischen Schulen zu viel Stoff gegeben, so daß nicht genügend Raum für wirkliche Vertiefung des Gebotenen und damit auch für die Selbstarbeit und das wahre Interesse des Schülers bleibt. Und solange der Schüler nur „paukt" und nicht arbeitet, so lange wird es Disziplinschwierigkeiten geben. Sicherlich hat die Disziplinlosigkeit der jüdischen Schuljugend in Palästina noch andere Wurzeln: vielfach fehlt der erzieherische Einfluß des Elternhauses, wenn beide Elternteile arbeiten u. a. m. — die Hauptschwierigkeit aber liegt, wie gesagt, im Schulleben selbst, in •Stoffauswahl, Lehrplan, Unterrichtsmethode. Auf diesem Gebiet hat die Pädagogische Abteilung der Hebräischen Universität Pionierarbeit zu leistein — gemeinsam mit einer heranwachsenden Lehrergeneration, in stetem Konnex mit dem „lebenden Material" einer Schulgemeinde hat sie die mannigfachen Erziehungs- und Unterrichtsprobleme im palästinensischen Schulwesen zu lösen. Für Lehrplangestaltung und Stoffauswahl an den hebräischen höheren Schulen des Landes hat sich (die Hebräische Universität Jerusalem übrigens auch schon früher interessiert, weniger aus pädagoigschen als aus wissenschaftlichen Gründen. Ihr ist daran gelegen, ein Studentenmaterial mit möglichst gründlichen Vorkenntnissen zu erhalten. Eine seit mehreren Jahren an der Anstalt bestehende permanente „Kommission für Mittelschulfragen" untersucht, wie weit die hebräischen Mittelschulen des Landes auf Grund ihrer Unterrichtserfol-ge und der Art der Reifeprüfung beanspruchen können, daß ihre Absolventen ohne besondere Aufnahmeprüfung die Immatrikulation als ordentliche Studenten der Hebräischen Universität erlangen. Etwa sechzehn Professoren und Dozenten der Universität inspizieren die einzelnen Unterrichtsfächer an den verschiedenen Schulen, sehen gelegentlich schriftliche Arbeiten durch und nehmen an den schriftlichen und mündlichen Reifeprüfungen teil. Obwohl von hier aus langsam versucht wird, Änderungen in den Lehrplänen der einzelnen Schulen herbeizuführen, ist naturgemäß — was die Kenntnisse der Absolventen der jüdischen höheren Schulen in Palästina betrifft — ein Idealzustand noch nicht erreicht worden. Geringe Ausdrucksfähigkeit z. B. oder mangelnde Kenntnis der Natur und damit auch mangelnde Liebe zur Natur sind da und dort zu merken. Es wird daher Aufgabe der Pädagogischen Abteilung der Hebräischen Universität sein, in Zusammenarbeit mit dieser Kommission und dem Erziehungsdepartement des Waad Leumi die Die gute Qualität entscheidet! Winter-Ulsler und Paletot werden Innen ohne Kaulzwang bereitwilligst vorgelegt. Fachmännische Beratung! Roseiifcldcr Gegr. 1878 Bayerstrafje 5 pädagogischen mit den stofflichen Forderungen in Einklang zu bringen undzu erreichen, daß das Niveau der jüdischen höheren Schulen Palästinas keineswegs unter dem der Schulen des Auslands steht. Dies wird ihr um so eher gelingen, wenn sie für die höheren Schulen des Landes eine pädagoigsch wie wissenschaftlich gleich gut durchgebildete neue Lehrergeneration heranzieht, die die schwierigen Aufgaben der palästinensischen jüdischen Erziehung auch wirklich bewältige« kann. Aus der Gemeinde München Sitzung von Gemeinde-Vorstand und -Vertretung Am 29. September versammelte sich Gemeinde-Vorstand und Vertretung der Israelitischen Kultusgemeine München zu gemeinsamen Beratungen. Zunächst wurde für RA. Dr. Siegbert Feuchtwang er Herr Julius Pick in den Gemeindevorstand berufen. Zum stellvertretenden Vorsitzenden -des Vorstands wurde RA. Dr. Perlmutter gewählt. Die Ausschüsse wurden ergänzt. Oberstlandesgerichtsrat Dr. N e u m e y e r als Gemeindevorsitzender, begrüßte die Erwählten in herzlicher Weise. In seinem anschließenden Bericht gedachte er des Heimgangs des Herrn Isak Bacharach, der ein Jahrzehnt der Gemeindevertretung angehört und sich um das Synagogenwesen, den Friedhotf und die Chewra Kadischa besonders verdient gemacht habe, sowie des Herrn Kommerzialrats Schwarz (Meran), der letztwillig Einrichtungen der Gemeinde hochherzig bedachte. Zur Ehrung der Toten erhob sich die Versammlung. Der Gemeindevorsitzende gab sodann die Auswanderung wertvoller Gemeindemitglieder bekannt, insbesondere des stellvertretenden Gemeindevorsitzenden Dr. Siegbert Feuchtwahger und seines Vaters, Herrn Angelo Feucht wanger. Dr. Neumeyer erörterte, vorbehaltlich der Ausführungen des Saohreferenten, die Finanz- und Schulverhältnisse, sowie die sonstige Jugendbildungsarbeit, insbesondere (die bewährten, mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung (Frankfurt) durchgeführten. Schulungskurse für Jugendführer. Aus einer Anschauung schilderte er die ausgezeichnete Leistung des Auswanderungs- Lehrgutes Groß-Breesen, dessen Leiter Professor Bondy am. 17. Oktober vor der Münchener Gemeinde über Erziehungsfragen sprechen werde. Der Errichtung eines Lehrhauses ads Mittelpunktes für die geistigen Bestrebungen der Gemeinde RADIO Apparate aller Fabrikate, vom Volksempfänger bis zum Großsuper.Verkaufsübernahme alter Apparate Gelegenheitskäufe__ MUSIKHAUS Koch MÜNCHEN Neuhauserstr. 50