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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-10-15 · 20 (15.10.1936) · p. Seite 431

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
20 (15.10.1936)
Date
1936-10-15
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 431 Jüdische Winterhilfe Zum zweiten Mal gehen wir, nur auf uns selbst gestellt, in den Kampf gegen Wintersnot und Kälte. Die Juden Deutschlands sind dem Ruf, der vor Jahresfrist an sie erging, mit ganzem Einsatz gefolgt. So konnten wir allen Hilfsbedürftigen unserer Gemeinschaft in schweren Winterszeiten hilfreich zur Seite stehen. Über 83 000 Menschen hat die Jüdische Winterhilfe in Stadt und Land, in den Großgemeinden und in den kleinsten Orten betreut. Überall wurde sie nicht nur als Mittel zur Linderung der Wirtschaftsnot, sondern stets auch als sichtbarster Beweis der Einheit der Judenheit Deutschlands empfunden. Wir werden in diesem Winter noch vor schwereren Aufgaben stehen als im letzten Jahre, weil die Not gestiegen ist und die Zahl der Menschen, die noch helfen können, immer kleiner wird. Aber die Not hatte in unserer Geschichte immer eine erweckende Kraft. Es kommt darauf an, daß wir einen Segen daraus machen. Eine Gemeinschaft, die nicht von engster Verbundenheit aller ihrer Glieder getragen wird, ist verloren. Wir wissen, daß die Forderung der Jüdischen Winterhilfe auch in diesem Jahre von allen Juden in Deutschland gehört werden wird. Reichsvertretung der Juden in Deutschland — Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin — Preussischer Landesverband jüdischer Gemeinden — Verband bayer, Israelit. Gemeinden — Oberrat der Israeliten Badens — Sächsischer Israelitischer Gemeindeverband — Oberrat der israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs — Landesverbände der israelitischen Religionsgemeinden Hessens — Allgemeiner Rabbiner- Verband in Deutschland — Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums — Großloge für Deutschland UOBB — Jüdischer Centraiverein — Jüdischer Frauenbund — Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände — Reichsbund jüdischer Frontsoldaten — Vereinigung für das liberale Judentum — Zentralverband jüdischer Handwerker Deutschlands — Zionistische Vereinigung für Deutschland. * Jüdische Winterhilfe 1936/37 für München Hilfsbedürftige können ihre Anträge in der Zeit vom 12.—23. Oktober im Sitzungssaal der Israelitischen Kultusgemeinde, Herzog-Max-Straße 7/0, stellen. Sprechstunden: Montag mit Donnerstag 10—12 Uhr und 4—6 Uhr Freitag 10-12 Uhr Belege (Mietbuch, Verdienstbescheinigung, Stempelkarte) sind mitzubringen. Laufend Unterstützte brauchen keine Anträge zu stellen. Zuweisung von Kleidungsstücken etc. muß nach dem 1. November schriftlich oder in der Sprechstunde der Wohlfahrtsstelle beantragt werden. Ich glaube, daß die Mädchen eine wirklich gute und breite Ausbildungsgrundlage bekommen, die sie befähigt, gute Siedlerfrauen zu werden, aber für sie auch unbedingt wichtig ist, wenn sie nicht gemeinschaftlich auswandern sollten. — Ich hatte bei meiner Palästinareise so oft den Eindruck, daß unsere Frauen dort es nicht so schwer hätten, wenn sie in ihrer Jugend richtig kochen, scheuern, waschen, nähen usw. gelernt hätten. Sie wollen Ihre Tochter nicht gern jetzt hergeben, weil noch sowenig Mädchen hier sind. Ja, das bekomme ich immer wieder zu hören! Aber was soll ich denn dagegen mächen? "Wenn nur einige Eltern etwas mehr Schneid hätten, würde dieser Einwand bald hinfällig sein. Ich will Ihnen ganz offen sagen, auf die Gefahr hin, von Ihnen als anmaßend angesehen zu werden: Groß-Breesen braucht jetzt sehr notwendig Mädchen. In wenigen Monaten aber wird es modern sein, die Mädchen nach Groß-Breesen zu geben, und dann wird bald kein Platz mehr sein____ Groß-Breesen, den 4. Juli ... Du möchtest gern als Praktikant zu uns nach Groß- Breesen kommen, aber Du hast alle möglichen Hemmungen und Bedenken. Daß Du schon 23 Jahre alt bist, ist allerdings nicht sehr günstig; wir merken jetzt schon, daß die Älteren sich viel schwerer umstellen als die Jüngeren, die direkt von •der Schule kommen und in den Beruf des Bauern oder Handwerkers unverbelastet hineinwachsen. Ich schrieb Dir ja auch, daß wir. an unsere Praktikanten noch größere Anforderungen stellen als an die Jüngeren, weil sie Mit-Erzieher sein müssen. Aber ich glaube schon, daß Du gut zu uns passen und auch eine wirkliche Hilfe für uns bedeuten würdest. Meine ernsten Bedenken gegen Dich liegen an der gleichen Stelle, an der Du sie auch äußerst. Es kommt bei den unendlich langen, mündlichen und schriftlichen ideologischen Diskussionen nicht viel heraus. Du mußt Dir selbst klar darüber werden, ob Du nun nach Palästina gehen willst oder nicht. Du kennst meine positive Stellung zu Palästina genau, weißt von meinen vielen persönlichen Beziehungen zu Zionisten in Deutschland und in Palästina. Aber Du weißt auch, daß Groß- Breesen sich neben die zionistischen Ausbildungsstätten stellt und daß wir unsere jungen Menschen nicht für Palästina vorbereiten wollen. Das kommt natürlich auch in unserer ganzen Arbeit hier zum Ausdruck. Und auch Deine Stellung zu Deutschland mußt Du vorher genau klären. Wir müssen einsehen, daß uns jede echte Mitarbeit in Deutschland genommen ist. Aber so schwer uns diese Erkenntnis auch fallen mag, und so sehr wir auch darunter leiden mögen: wir müssen einen Schlußstrich ziehen und ganz eindeutig neu anfangen. Daß wir unsere Formung in Deutschland und durch Deutschland bekommen haben, daß wir mit aller Stärke an Deutschland hängen, das steht fest. Es ist aber sinnlos, dies immer und immer wieder zu betonen und durchzusprechen, weil man sich dadurch die nötige Kraft zu einem neuen Einsatz nimmt. Du fragst mich weiterhin, wie wir uns die Zukunft der Groß- Breesener für später denken. Darauf kann ich Dir lediglich

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