Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 17 (1.9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 372 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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372 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 KOSTÜME . KLEIDEB o MÄKTEIi. PEL.ZE Guggenheimer Spieler aus allen Teilen des Reiches. Die Gesellschaft rechtfertigte während dieser drei Tage wieder einmal ihren Ruf als Meisterin der Gastfreundschaft. Die Spiele selbst: Im Herreneinzel um die bayerische Meisterschaft vermochte in der oberen Hälfte der Berliner Nachwuchsspieler Simon einen der Favoriten, Landmann-Fürth, aus dem Rennen zu werfen; er verlor jedoch wieder gegen Goldstaub- Leipzig (6:4, 6:2), der vorher Rosenau-Augsburg nur sehr knapp hatte ausschalten können. Goldstaub qualifizierte sich damit für die Schlußrunde, in der er auf Mann-Mannheim traf. Dieser hatte in der Vorschlußrunde an Hepner-Leipzig, der vorher A. Meyer-Berlin ausgeschaltet hatte, einen sehr schweren Gegner zu besiegen gehabt. Dieser Kampf, der nur 6:1, 5:7, 7:5 ausgegangen ist, war einer der schönsten, die das Turnier überhaupt brachte. Bayerischer Meister wurde dann Mann mit 6:1, 6:4, 6:4. Bei den Damen gelangte Frau Bach-Berlin über Frau Erlanger-Stuttgart und ihre Vereinskameradin Frau Mühsam- Berlin in die Schlußrunde, in der sie auf die zierliche Chemnitzerin Frau Friedländer traf. Diese hatte sich in einem schweren Match gegen Frl. Neuburger-Fürth 7:5, 4:6, 6:4 die Berechtigung zum Schlußkampf errungen. Frau Bach siegte dank ihrer,,großen Routine .6:4, 6:0 und wurde damit bayerische Meisterin. Im Herrendoppel konnten Süßer-Dr. Schulmann (München) zu einem überraschenden Erfolg über Hepner-Goldstaub kommen, mußten jedoch in der Vorschlußrunde sich wieder Mann- Meyer beugen. Diese wurden in der Schlußrunde aber wiederum besiegt und zwar von Landmann (Fürth) - Simon (Berlin), die mit 6:0 und 6:3 den Kampf für sich gestalten konnten, nachdem sie vorher Goldberg(Berlin)-Lichtenberg(Mannheim) und Rosenau-Friedländer (Chemnitz) besiegt hatten. Das Damendoppel gewannen Frau Erlanger (Stuttgart) - Frl. Neuburger (Fürth) mit 6:1, 6:3 gegen Frau Guggenheim - Frl. Avellis (Fürth), die vorher gegen Frau Bach (Berlin) - Frau Mühsam (Berlin) sich überlegen gezeigt hatten. Um auch anderen, als nur den Spitzenspielern Turniermöglichkeit zu schaffen, wurden Herreneinzel, Dameneinzel und Herrendoppel auch in einer B-Klasse gespielt. Im Herreneinzel B siegte Erwin Stern-München über Guggenheim-Fürth 6:1, 6:0; das Dameneinzel gewann Frl. Jacob gegen Frl. Gerst (beide Fürth) 6:3, 6:0. Die Schlußrunde im Herrendoppel war eine interne Vereinsangelegenheit des Itus Fürth; Dr. Neu- Guggenheim gewannen 6:3, 6:4 gegen Ellern-Bernstiel. In den B-Klassen wurden auch eine Reihe Jugendlicher der PTG eingesetzt, die fast ausnahmslos einen sehr guten Eindruck hinterließen. Es zeigte sich, daß die Gesellschaft unter der Leitung von Herrn Leo Lehmann in zäher Kleinarbeit viel an der Ertüchtigung der ihr anvertrauten Jugendlichen.geschafft hat. Die Abschiedsworte, die Herr Dr. Gidion, der Reichsobmann für Tennis im RJF, zum Schluß noch gesprochen hat, enthielten neben dem Dank für die mustergültige Abhaltung der Meisterschaften auch die Anerkennung für die unermüdliche Breitenarbeit, die der Verein immer betrieben hat. MÖBEL-BALLIN jetzt Theatlnerstraße 7, Eingang Maffelstr. Billige Preise bei gediegener Qualität Bücherschau Nathan Adler, Sepher-Niv-Sefosaim. II. Teil. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt a. M. 69 Seiten. Nach kurzer Unterbrechung folgt dieser 2. Teil seinem älteren Bruder. Und was wir seinerzeit in diesen Blättern über den ersten Teil äußerten, bleibt auch für die Fortsetzung gültig. Es ist eine wichtige Aufgabe des „Lehrenden", d. h. des Lehrers seiner Gemeinde nicht nur die Gedankenwelt der Sidrahan sich nahe zu bringen. Darüber hinaus muß auch gezeigt werden, wie unsere alten Midrasch-Lehrer versucht haben, den Stoff der Bibel zu beleuchten unter dem Gesichtspunkte von Herz und Gemüt. Diese müssen empfänglich gemacht und gewonnen werden für die halachischen Stoffe. Dann wachsen Halachah und Aggadah zusammen zu einem Ganzen, das dem Leben nahe bleibt, ihm dient und das Leben reguliert. Durch alle Sidroth führt uns der Verfasser mit fein ausgewählten Midraschworten, die alle eine Deutung und Sinngebung durch ihn erfahren, ohne Zwang, überzeugend und belebend. Das soll als Grundlage dienen, um auf das Gemüt der Zuhörer erhebend und stärkend einzuwirken, keine sklavische Übernahme von Stoff und Auslegung, freie Beherrschung in Anlehnung an einen solchen Midrasch. Das Werkchen verdient - ernste Beachtung, Verbreitung und Pflege. K. R. in G. Dr. Margarete Edelheim, Südafrikanische Impressionen. Reiseberichte für die C.-V.-Zeitung Mai bis Juli 1936. Philo Verlag. Berlin W15. Die ausgez>eichneten, leicht und angenehm lesbaren Berichte von Frau Ed-emernn über Südafrika aus der C.-V.-Zeitung sind soeben als Broschüre erschienen. Eime knappe Länderkunde für unsere gegenwärtigen Nöte gehört jetzt zu unserem täglichen Bedürfnissen. Für Südafrika leistet «die Verfasserin dien Informationsdienst, dien ein breiteres 'jüdisches Publikum1 verlangt. Sprachenkenintnisse, besonders Englisch (aber gründlich und nicht „schnell gelernt") fordert Frau Edelheim mit besonderem Nachdruck. Dazu für Leute, die kein Gel'd haben, eine starke Seele und „ein Stück Abenteurergeist"! Ignaz Maybaum, Parteibeireites Judentum. Phiilo-Verlag, Berlin 1936. Der Autor 'dieser bedeutsamen Gegenwartsschrift, die hier schon kurz nach Erscheinen angezeigt wurde, ist soeben zum Geimeinderaibbiner in Berlin berufen worden, ein Beweis dafür, daß die größte Gemeinde Deutschiamds seine schriftstellerische Leistung zu schätzen weiß. In Anbetracht seiner Belesenheit und der reichen Verwendung von Gedanken aus religiösen Schrifteu auch anderer Konfessionen, muß ihm diese Anerkennung gezollt werden, wenn auch die vorliegende Schrift — ohne damit ihre Bedeutung für die Auseinandersetzung unserer Tage herabwürdigen zu wollen — stellenweise eine konzisere Gedankenführung ertragen hätte. In der Titelsetzung gehen wir bestimimt alle mit Maybaum: wir sind;auch für parteibefreites Judentum, weil1 tfür uns die ewigen 'religiösen und historisch-ethnischen Grundlagen wichtiger sind alls die Erscheinungsweise der Dinge vom Moment her. Aber dieses Losgelöstsein von parteimäßigen Gesichtspunkten muß organisch werden und wachsen, es darf nlioht auf Kosten von Gedanken gehen, die historisch so fundamental sind, daß man auf sie gerade bei einer Säuberung von parteimäßig begründeten Standpunkten unmöglich verzichten bann. Wenn wir von „Zionismus" sprechen, kann man uns ParteilichlkeTit vorwerfen, weil wir idann zu sehr vom Gesichtspunkt der Synagoge nach der Polls, nach der Berücksichtigung des menschlichen Bestandes, abschweifen. Aber wenn wir 'die Ziemssehnsucht als eine 'gewaltige historische Kraft der Galut —■ zu deren Erhaltung und zu;deren 'Überwindung — ansehen, dann darf die Galut selbst nicht als eine hlistorisoh notwendige Lebensform angesprochen werden, an ideren Ausweitung wir •mitwirken sollen. Die 'Galut ist selbstverständlich gottgewollt, und dier Prüfstein der Diiasporafähigkeit läßt 'die Höhe des Volkes erkennen, ob es in der Lage ist, fin einem reinen Glauben 'zu leben oder nicht. Wir sind diasporafähig; aber es immer nur dann mit Erfolg gewesen, wenn dahinter die reale Zionssehnsucht stand, idie düie Sammlung des Volkes und die fiktive Tempelstaatsordnung ün Jerusalem als unerläßliche Forderun- Fortsetzung S. 375