Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 17 (1.9.1936)
- Date
- 1936-09-01
- Page
- Seite 367 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1? Bayerische israelitische Gemeindezeitung 367 Die Abyssinier sind von arabischer Abkunft, "witzig, wohlgebildet, aber schwarzfalb mit wolligtem Haar, ehrlich, nicht zanksüchtig. Es giebt unter ihnen auch -einige weiße Mohren; die Gaffern aber, die in ihrem Gebiete wohnen, sind nicht nur häßlich, sondern auch so ungestaltet und boshaft wie' die übrigen Neger. Sonst giebt es auch Araber und Juden unter ihnen. Die Religion ist christlich, allein außer vielen Heiden sind ihnen die Türken sehr gefährlich in ihrem Lande. Die Abyssinier, ob sie gleich Christen sind, beschneiden noch ihre Kinder, wie die Kopten. Jüdisches Schicksal im Spiegel der Literatur Von FritzFraenkel Das Buch ist ein Wegweiser durch die Zeit. Solange jüdische Bücher geschrieben und gedruckt werden, ist das ein Zeichen pulsierenden jüdischen Lebens., Auch in den letzten Jahren sind neben anderen — wissenschaftlichen und politischen — jüdischen Büchern eine Anzahl von jüdischen Romanen erschienen. Was sind jüdische Romane? Weder Bücher, die von jüdischen Autoren stammen, noch solche, deren Helden zufällig jüdische Namen tragen, gelten uns als jüdische Romane. Wichtig und entscheidend allein ist, daß in ihnen ein Stück jüdischen Lebens geschildert wird. So hat Zangwill den Roman des jüdischen England geschrieben in seinen „Kinder des Ghetto", „Träumer des Ghetto", „König der Schnorrer" und den vielen anderen farbenechten Schilderungen der Ostseite von London. Kompert schuf ähnliches für seine Heimat Böhmen und gab uns die ersten jüdischen Bauerngeschichten. Karl Emil Franzos gab als erster der deutschen Leserwelt einen Begriff der ostjüdischen Massensiedlungen, der Judenstädte in Galizien und der Bukowina. Der holländische jüdische Sozialist Hermann Heijermans führte uns durch die Elendsquartiere des proletarischen Amsterdam in seinen Büchern „Diamantstadt" und „Judenstreik". Dann kamen Scholem Alechem, Perez, Nomberg und Schalom Asch, die uns die Massensiedlungen des Ansiedlungsrayons, den Kampf der Generationen, die Entstehung der zionistischen und sozialistischen Bewegung im Osten, die Kenntnis vom Wesen des Chassidismus, kurz, die Welt des Ostjudentums schilderten. Diese romanhaften Berichte über die jüdischen Siedlungen in den verschiedenen Ländern haben für uns geschichtliche Bedeutung. Wir gewinnen durch sie einen Einblick in das jüdische Schicksal unserer Zeit und der nahen Vergangenheit. Es sollen aus der jüdischen belletristischen Literatur der letzten Jahre nur einige wenige Bücher herausgegriffen werden, die in diesem Sinne für unsere Geschichte als Lokalstudien ein ausgezeichnetes Bild geben. Leopold Hichler stellt uns in „Der Sohn des Moses Mautner" einen jungen jüdischen Menschen in Wien vor. Seine Eltern sind aus Mähren eingewandert, .arbeitsame Mittelstandsjuden, die schwer zu kämpfen haben. In die Gründerzeit um 1870 herum führen uns zwei Schriftsteller, Jean Richard Bloch und Heinrich Kurtzig. Bloch und Kurtzig zeigen uns beide eine ähnliche jüdische Generation, der eine für das elsässisch-lothringische französische Judentum, der andere für das posensche. deutsche Judentum der damaligen Zeit. Die Familie steht im Mittelpunkt des Geschehens, die patriarchalische Gestalt des alten Simler in Blochs „Simler & Cie." übt entscheidenden Einfluß auf seine Nachkommenschaft, in zäher Aufbauarbeit wird eine Fabrik geschaffen, um die sich alles: Mann, Frau, Kinder und Enkel, dreht. Da wir von diesem lebehsstarken französischen Judentum so wenig gewußt haben, ist das Blochsche Buch eine wahre Bereicherung für uns. Kurtzig, Vorsitzender jüdischer Posener Heimatsvereine in Berlin, ein Mann, hinter dessen Wort man die tiefe Liebe und Anhänglichkeit eines wurzelhaften Menschen spürt, ist getreuer Auf Zeichner dessen, was er in seiner Jugend in den kleinen Städten OstdeutschT lands vom jüdischen Leben wahrgenommen hat. Da uns außer einigen kleineren Erinnerungen an das Kleinstadt- und Dorfjudentum in früheren Jahrzehnten oft nur unzulängliche Skizzen oder humoristische Khillegeschichten erhalten blieben und der Die gute Konfektion kaufen Sie bei Kosenfelder Fachliche Beratung Seit 1878 Bayerstrafce 5 jüdische Roman der deutschen Heimat bisher noch nicht seinen Meister gefunden hat, sind wir Kurtzig für seine Bücher „Dorfjuden", „Ostdeutsches Judentum", „Kaufmann Frank", „An der Grenze", die einen wertvollen Anfang schaffen, sehr dankbar. Das wiedererwachte Interesse für die jüdische Familienforschung, die im Laufe der letzten Zeit eine Reihe von hochinteressanten Lebenserinnerungen brachte, wird ohne Zweifel hierin befruchtend wirken. Wie kommt es, daß die große jüdische Siedlung Berlin mit ihren fast 200 000 jüdischen Einwohnern außer etwa Georg Hermanns „Jettchen Gebert" und — aus späterer Zeit — Gronemanns „Tohuwabohu" so wenig Veranlassung zu einem großen charakteristischen, repräsentativen Berliner Romanwerk gegeben hat? Die Mehrzahl der bedeutenden deutschen Schriftsteller jüdischen Stammes, wie etwa Wassermann oder Ludwig, bevorzugen nur gelegentlich jüdische Motive. So haben wir über alle jüdischen Siedlungen der Welt Romanwerke von Bedeutung, selbst über exotische Teile der Juden, über das deutsche Judentum am wenigsten. Gewiß ist das Schwergewicht des Weltjudentums auf Amerika, Palästina, Polen gefallen, doch hat das deutsche Judentum, sowohl seiner Geschichte, seinen geistigen und führenden Persönlichkeiten nach als auch trotz seiner traurigen Gegenwart nach wie vor größte Bedeutung. Auf dem Gebiete der Literatur hat vor Jahren Dr. Krojanker diese Rolle geschildert, Rudolf Schay auf dem der Politik, Theilhaber auf dem der Wissenschaft, unlängst Kurt Zielenziger auf dem der Wirtschaft. Wer in diesem letzten Buche die Familiengeschichte der Rothschilds, Mendelssohns, Bleichröders, Rathenaus, Ballins, Tietz', Wassermanns, Goldschmidts und anderer gelesen hat, hat zugleich die Geschichte einer bestimmten wohlhabenden, oftmals kultivierten jüdischen Oberschicht kennengelernt, einer Schicht, die einstmals bestimmend im deutschen Judentum war. Auch Professor Franz Oppenheimers „Erinnerungen" geben einen interessanten Einblick in das Berliner Judentum zu Ende des vorigen und Anfang dieses Jahrhunderts. In Berlin ist auch der bekannte amerikanische jüdische Schriftsteller Ludwig Lewisohn geboren. Das amerikanische Judentum zählt drei Einwanderungsschichten. Die ursprünglichen jüdischen Einwanderer waren Sefardim, die nach der Vertreibung aus Spanien und später aus Portugal in die „neue Welt" übersetzten; im 19. Jahrhundert bildeten die deutschen Juden, besonders aus Bayern und Ostdeutschland, das wichtigste jüdische Einwandererelement; die Verfolgungen im Osten führten dann zur gewaltigsten jüdischen Wanderbewegung seit Jahrhunderten und weisen Amerika heute die Rolle zu, die Babylonien und später Spanien für die Fortexistenz der jüdischen Gemeinschaft gewonnen hatten. „Gegen den Strom" und „Erbe im Blut" sind zwei Bekenntnisse eines am Amerikanertum irre gewordenen jüdischen Menschen, der zurückfindet zu seinem Volke, nachdem die puritanisch-christliche Unduldsamkeit und die amerikanisch-nordische Rassenpolitik in Lewisohn den zionistischen Rebellen geweckt hatten. Immer wieder erfüllt uns das Gefühl MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII