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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-09-01 · 17 (1.9.1936) · p. Seite 368

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
17 (1.9.1936)
Date
1936-09-01
Page
Seite 368 (sequence 6)
Language
German
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368! , Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 17 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Wßißüder Cjn.b.fy tnündjen. imftoranial des Staunens darüber, wie ähnlich sich trotz der lokalen und kulturellen Verschiedenheiten das Schicksal der jüdischen Gemeinschaft abspielt. Welcher Unterschied zwischen einem in Amerika aufgewachsenen assimilierten deutschen Juden, wie Lewisohn, und dem ganz im jüdischen Volkstum wurzelnden Schalom Asch! Und doch, man spürt, wie hier ein gleiches Schicksal gleiche oder ähnliche geistige Folgen nach sich zieht. Schalom Asch ist der Vertreter des demokratisch und sozialfortschrittlich gerichteten, durch und durch nationalen Ostjudentums, ein Mann, der nicht nur durch seine New-Yorker jüdischen Arbeiterromane, wie „Onkel Moses", „Die Mutter", „Die Kinder der Abrahams", uns von. dem Leben, dem Hunger, den Streiks, der gesellschaftlichen Entwicklung des jüdischen Proletariers aus der Damenmäntelfabriksklaverei hin in die Berufe des Rechtsanwalts, des Versicherungsvertreters, des deutschen Juden, erzählt, sondern der auch durchsein historisches Gerechtigkeitsgefühl.(„Von den Vätern") und durch die Schilderung der jüdischen Frau („Die Gefangene Gottes") dem deutschen Leser einen tiefen Eindruck seiner Persönlichkeit vermittelt. Berühmt und gerühmt ist Aschs Triologie: Petersburg, Warschau, Moskau. Dieses Werk führt uns zurück in die eigentliche Heimat Schalom Aschs, Rußland. Petersburg, die Stadt, in der nur jüdische Kaufleute der ersten Gilde wohnen durften, ist die Heimatstadt des Helden der Erzählung. Er wächst in einer seichten, traditions- und liebelosen großbürgerlichen jüdischen Umgebung auf, sucht den Weg der Lösung, den eine Frau, eine mütterliche Frau, jüdische Sozialistin, ihm weist. Diese Bindung bringt ihn nach Warschau in den Hexenkessel der jüdischen Revolutionäre der zaristischen Zeit. Jüdische Lehrer, polnische Patrioten, streikende jüdische Weber, Gefängnisse, alles zieht an ihm vorbei, aber im Grunde bleibt er doch fremd, eine Handbreite trennt ihn immer wieder vom Volke, trotz seiner Liebe und seiner politischen Hingabe. Der Konflikt wird ganz stark und offenbar bei der russischen Revolution, die ihn nach Moskau bringt. Er, der Intellektuelle, macht die Revolution nicht nur mit dem Herzen mit, sondern auch mit dem" Verstände. So schließt er sich den Sozialisten an, während die bolschewistische Revolution siegreich wird. Dieser Roman ist mehr noch als die anderen ein persönliches, philosophisch gefaßtes Werk Aschs. Ein anderer russischer jüdischer Roman: „Die seltsamen Er- lebnisse des Lasik Roitschwantz", entstammt der Feder Ilja Ehrenburgs. Mit unendlich viel Humor wird der Leidensweg Maiersche Papierhandlung Rudolf Stern * Karl Straße 8, Ecke Barerstraße —— Telephon 57 6 24 Spielkarten Füllhalter Fachgeschäft für Papier- und Bürofciedarf •u / eines im Grunde unpolitischen jüdischen Schneiders geschildert, ein jüdischer Don Quichotte, jedoch ohne dessen Ritter-Bewußtsein. Wie Roitschwantz in Rußland wegen „konterrevolutionärer Seufzer" ins Gefängnis wandert, in Polen als Bolschewist verfolgt wird, in Frankreich von der deutschen Orthodoxie als frommer Rabbiner behandelt wird, bis man ihn wegen seines Gutachtens, Schinken wäre koscher, wegjagt, das ist unbeschreiblich komisch geschildert, und auch die manchmal durch groteske Übertreibungen entstehenden Bilder von der „verfaulenden Bourgeoisie" mindern den Wert dieses Romans nicht. Schließlich gibt Meir Ben-Gawriel (Eugen Höflich) in seinem ins Deutsche übersetzten „Füchse in Jerusalem" den ersten palästinensischen Kriminalroman von erstaunlicher, auch politischer Aktualität. Das unterirdische Wirken schurkischer Waffenhändler, die im Zusammenstoß der jüdischen und arabischen Welt ihren Vorteil suchen, wird neben recht reizvollen Liebesgeschichten geschildert, und in diesem Sinne kann man das Werk einen jüdischen pazifistischen Roman nennen, wobei das palästinensische Lokalkolorit uns ein neuartiges Bild des jüdischen Palästina vermittelt. Aus der Gemeinde München Die Bücherei des Jüdischen Jugendheimes, Vön-der-Tann-Straße 19/0, nimmt am 2. September wieder ihre regelmäßigen Entleihungen vor. Im September und Oktober sind wegen der Feiertage folgende Leihzeiten festgesetzt: Montag, 4—5 Uhr, Dienstag, 6—7 Uhr. Nächste Abfahrten nach Palästina. Die hiesige Vertretung der PALESTINE EXPRESS CO., Berlin, im Reisebüro Carl Bierschenk Nachf., Karlsplatz 3, gibt folgende Abfahrten nach Palästina für die nächsten 4 Wochen ab Triest und Genua bekannt: ab Triest ab Genua GERUSALEMME 2. 9. — ADRIA 4. 9. — ESPERIA — 5. 9. GALILEA 9. 9. — TEL AVIV 10. 9. — ■ MARCO POLO 12. 9. — GERUSALEMME 16. 9. — ADRIA f' 18. 9. — VICTORIA — 19. 9. GALILEA : 23. 9. ' — MARCO POLO 26.9. — TEL AVIV 29. 9. — GERUSALEMME . 30. 9. — ADRIA 2. 10. Konservatoriumsmöglichkeiten für jüdische Schüler aus Deutschland Wir ^machen auf folgende Mitteilung der Künstlerhilfe der Berliner Jüdischen Gemeinde aufmerksam: Das unter dem Protektorat des High Commissioner stehende Konservatorium in Jerusalem (Palestine Conservatoire of Music and Dramatic Wenn Sie sich oder andere in Kurze und doch vollständig Uber das Judentum unterrichten wollen, bestellen Sie die ' Israelitische Religionslehre von Dr. Ernst Jacob, Bezirksrabbiner in Äugsburg 2. Auflage — Preis RM. 2.40 Die erste Auflage war nach einem halben Jahr vergriffen. — Die jüdische Presse Urteilte, daß mit dem Buche eine Lücke ausgefüllt sei. Verlag B. Heller, München 25, Plinganserstraße 64

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