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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-08-15 · 16 (15.8.1936) · p. Seite 350

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
16 (15.8.1936)
Date
1936-08-15
Page
Seite 350 (sequence 4)
Language
German
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350 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 16 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Die Tröstungen der Stoiker empfindet er •unzulänglich'. Man soll sich ihnen zufolge sagen, daß wir die schlimmsten Ungerechtigkeiten des Schicksals, die schlimmsten körperlichen. Leiden (denn 'die seelischen Leidem hängen nur von uns ab) ertragen müssen, «nicht nur ohne zu Magen, sondern mit Dankbarkeit, weil uns dadurch die Mitarbeit an dem Plänen des Weltalk erlaubt Ist. Vor solchen, auch dem Judentum verwandten Ideen (wenn 'man sie statt naturalistisch rein theistisch faßt), schüttelt Maeterlinck den Kopf: „Heute vermögen wir nicht mehr an die unfehlbare Vernunft, -die allmächtige Gerechtigkeit der Natur zu glauben, und die Tröstungen idter Stoa erscheinen uns kindlich oder sophistisch. Wir suchen was anderes, doch bisher hiaiben wir nichts gefunden als die blödle Auflehnung, die sich den Kopf am der Wand einrennt, oder die blinde, demütige, tückische oder verzweifelte Ergebung, die nicht idie letzte und endgültige Haltung des Menschen gegenüber dem unverdienten Unglück sein kann." Auch Marc Aurels klassischen Zuspruch verwirft Maeterlinck. Marc Aurel sagt: „Alles was geschieht, geschieht zur rechten Zeit! Du wirst es entdecken, wenn du genau acht gibst. Ich sage nicht nur: nach dem Ablauf, sondern auch nach der Gerechtigkeit und als ob jemand1 die Lose mach Verdienst "verteilte."- Dazu sagt Maeterlinck: „Man fragt sich, durch welche Verblendung der rötlichste und klügste Mann seiner Zeit am Abend eines schmerzvollen Lebens, wo die Ungerechtigkeit des Schicksals überall hervorbrach, diese Zeilen schreiben konnte? Er konnte es nicht anders, doch es ging ihm wie uns: seine Wunschbilder von Menschen und Dingen verbergen ihm die Wirklichkeit." Die Untröstlichkeit und die bittere Lebenssattheit durchbrechen .immer wieder die unheimlich klaren Gedankengänge des alten Dichters und Naturphilosophen. Seinie aphoristische Weisheit verfällt nie in den aufgeblasenen Zufall uuauifgearbeiteter Denkzufälle; sie hat dien Stil 'harmonisch gegliederter, schwarz verhängter Räume mit fassungslosen, starrenden Menschen. Die Melodie ist immer die Gleiche: „In der Einsamkeit des Todes werdet ihr nicht einsamer sein, als ihr in der Einsamkeit des Lebens wäret." Im Bereich des Glaubens 'kann das Todesphänomen und die unerbittliche Todesstimmung überwunden werden. Aber auch 'das Leben selbst geht darüber hinweg, es antwortet auf die Philosophie des Dichters über unser aller Auflösung im Weltall und daß uns das alles wahrscheinlich nichts mehr angeht: Was gehst du, Dichter des Todes, mich an? Was liegt mir an dir? Wem liegt etwas an 'dir? — Die tiefere Wahrheit aber kümmert sich nichts um das Desinteressement der Lebendigen und bleibt einfach zeitlose, wortlose Wahrheit. F. MAGISTER KIRSCH der gute Likör, Magister München VII Verband der israelitischen Kultus« gemeinden der Pfalz Am Sonntag, den 26. Juli 1936, fand die 19. ordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes in der Synagoge zu iLudwdgshafen (Rhein) statt. Die Vertreter fast sämtlicher Gemeinden, auch die Rabbiner, Lehrer und Kantoren waren erschienen. Einleitend gedachte der stellvertr. Vorsitzende, Herr Landgerichtsrat i.R. Dr. Rosenberg (Frankenthal), des 7 0. Gelb il r t's t a g e s des Verbanldspräsadienten Kammerzienrat A. Joseph (Landau), des Gründers und Leiters des Verbandes. Der Dank und die Wünsche des Redners wurden von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Der Vorsitzende der Synagogengemeinde Ludwdgshafen, Prof. K o b u r g e r, begrüßte sodann namens seiner Gemeinde die Versammlung. Hierauf Eintritt in die Tagesordnung: 1. Jahresbericht und Jahresrechnung 1935/36. 2. Voranschlag 1936/37. 3. Bericht über die Wohlfahrtsarbeit dies Verbandes. 4. Änderung der Verfassung des Verbandes, und zwar der §§ 15, 20, 21 und 2E 5. Wahlen. 6. Wünsche und Anträge. Jahresbericht und Jahresrechnung wurden ohne Erinnerung genehmigt. Sie ließen erkennen, daß der Verband nicht nur die Stütze, sondern auch der Träger des pfälzischen Judentums geworden ist. Seine helfende Hand für die Gemeinden, die Beamten, die Beamten-Witwen und -Waisen, Armen und Kranken, Schule und Haus soll und wird nicht müde werden. Der Voranschlag .für 1936/37, ferner der Bericht des Landgerichtsrats Dr. Rosenberg über die weitverzweigte W ofhl fahT ts a r bei t dies Verbandes wurden mit lebhaftem Interesse angehört und gutgeheißen. Die Vorschläge der Verbandsleitung zur Änderung der Verfassung, wonach u.a. der Vorstand aus acht Mitgliedern bestehen und das Vermögen einer aufgelösten Gemeinde dem Verbände 'zuf allen soll, fanden Annahme. Die Wahl der acht Vorstandsmitglieder' erfolgte durch Zuruf. Der seitherigen Verbandsleitung, bestehend aus den Herren: Kommerziennat Joseph, Landgerichtsrat Dr. Rosenberg und Synagogenvorstand Strauß, wird seitens der Herren Professor Koiburger und Synagogenrat G. Weil (Neustadt a.d.H.) Anerkennung und Dank für ihre Tätigkeit ausgesprochen. Neu traten in den Vorstamd: Justizrat Dr. B1 ü th e (Kaiserslautern), Dannheißer (Pirmasens), Professor Koburger (Ludwigshafen), Landgerichtsrat Dr. Lion (Zweibrücken) und Artur Schwarz (Landau). Mit Danikesworten an alle Teilnehmer schlössen die fünfstündigen Verhandlungen. Str. Aus dem Reiche Handwerkliche Ausbildung in Palästina Im Herbst .dieses Jahres wird die zurzeit noch im Bau befindliche handwerkliche AuisbiLdungsstätte der Jugend-Alij ah in Jagur eröffnet, die den Namen . „L ud wig-Ti e tz-Lehr we rks t ä t te" tragen wird. An der Schaffung dieser Lehrwerkstätte sind außer der Reichsvertretung der Juden in Deutschland die Großloge, der Hilfsverein der Juden in Deutschland und der

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