Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 15 (1.8.1936)
- Date
- 1936-08-01
- Page
- Seite 339 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.-.; 1-5 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung sich daraus, daß die Schrift als „Herausforderung zu einer Diskussion" gedacht ist, aber auch aus der publizistischen Sonderart des Verfassers, seiner Neigung zur polemischen Behandlung von Zeitfragen. Arthur Cohen. Chaim Arlosoroff, Leben und Werk, Hechaluz-Verlag, Berlin 1936. 8°, 288 Seiten (vgl. den Aufsatz i. d. Bayer. Isr. Gem.- Ztg. v. 15. 6. 36). Als vor drei Jahren Chaim Arlosoroff ermordet wurde, wunderten sich viele, die das reiche Wirken dieses Mannes kannten, daß er nicht älter als erst Mitte der 30 gewesen ist. Umso erstaunlicher und umso wunderbarer war daher die Leistung, aus deren Mitte Arlosoroff zu früh abgerufen wurde. Ein Jahr nach seinem Tode erschien eine sechsbändige hebräische Ausgabe seiner Schriften, die zeigte, daß Arlosoroff neben seiner praktischen Arbeit für den Zionismus, den Palästinaaufbau und das jüdische Volk unablässig sich um die geistige Grundlegung der gesamten jüdischen Problematik gemüht hat, daß er Stellung nahm zu allen Fragen, in deren Nähe ihn die Arbeit führte, und daß es keine'oberflächliche Stellungnahme war, mit der er an die Dinge herantrat. Obwohl fast jeder Aufsatz sich mit aktuellen Fragen befaßt, haben seine Ausführungen immer weit mehr als Tageswert und führen nicht nur zur Kenntnis der Vergangenheit, sondern bilden ein wichtiges Hilfsmittel auch für das tiefere Verstehen der zionistischen Gegenwart und ihrer Entwicklungstendenzen. Um auch dem deutschiesenden jüdischen Publikum nochmals das literarische Bild dieser höchst aktiven Persönlichkeit vor Augen zu führen, hat der Hechaluz- Verlag eine Auswahl von Schriften, Reden, Tagebuchstellen und Briefen zusammengestellt und sie im dritten Jahr nach dem Ableben des hoffnungsvollsten jüngeren Zionistenführers der Welt vorgelegt. Wer Arlosoroff nur einmal gesehen oder gehört hat, empfing einen tiefen Eindruck von der Lebendigkeit, Uberzeugungskraft und Gedankenfülle dieses jungen Menschen, Derselbe starke Eindruck wird nochmals durch dieses Buch erweckt. Es führt uns in die Zeit nach dem Kriege, als Zionismus noch längst nichts Selbstverständliches war, sondern mehr noch der Einsatz derjenigen, die oft genug den Mut zur Ünpopularität aufbringen mußten. In Kampfzeiten formen sich große Geister, da Kampf um jüdische Positionen immer ein geistiger Kampf sein muß. Im Kampf um die Ausweitung des Palästinagedankens, um den konstruktiven Aufbau des Jischuw und dessen Durchdringung mit dem Gedanken der Kollektivität ist Arlosoroff groß geworden, bis zum Schluß in den Reihen der zionistischen Organisation sein Gedanke siegte, daß Sozialismüs im jüdischen Aufbauwerk national sein muß, wenn er uns alle ansprechen soll, und wenn er eine tatkräftige Vorstufe zur Verwirklichung der Lösung der Judenfrage darstellen soll. Das ist die unbestreitbare historische Position von Chaim Arlosoroff, dem unermüdlichen Arbeiter, der aus diesem vielseitigen Band in seiner Vielseitigkeit zu uns spricht. Die zionistische Bedeutung Arlosoroffs wird in einem klärenden Gedenkwprt von Georg Landauer treffend geschildert, der übrige Inhalt befaßt sich nach biographischen Notizen mit Aufsätzen aus den Jahren 1927—1933 und verrät eine eindringende Kenntnis und Erkenntnis der jeweiligen Lage. Interessant sind für uns im Moment seine Äußerungen zum Araberproblem. Überall wird der .scharfe Beobachter und der konstruktive Politiker, der eng mit Chaim Weizmann zusammenarbeitete, erkennbar. Die Absicht, die s;ch der Verlag stellte, ein Lehrbuch des Zionismus der Nachkriegszeit für den Chaluz wie für jeden denkenden Juden herauszugeben, ist restlos geglückt. Bei der Freude über die det SUUmiadiH im Häkifskof }. fkapeesokk Größte Auswahl in modischen und praktischen Schirmen „KNIRPS" besonders für Auslandsreisen geeignet! Tiefe und die Klarheit von Arlosoroffs Gedankenführung gedenken wir mit wachem Schmerz jetzt, wo sich der Todestag jährt, des Mannes, der dieses schrieb und unserer Arbeit viel zu früh entrissen wurde. L. Ro. Disraelis „Tancred" in neuer Bearbeitung. Als zweite Veröffentlichung dieses Jahres bietet die Jüdische Buchvereinigung e. V. (JBV) ihren Mitgliedern den bedeutendsten Roman von Benjamin Disraeli „TANCRED" dar. Julius E 1 b a u hat diesen Roman, der im Jahre 1847 in England erschienen ist, neu übersetzt und sorgfältig bearbeitet. Der Leser wird erstaunt sein, welche Aktualität sich das Buch über ein Jahrhundert bewahrt hat und mit welch bewundernswertem Weitblick Disraeli nicht nur die schicksalhafte Rolle, die Palästina für die Juden erlangen sollte, vorausgeahnt hat, sondern auch alle politischen Entwicklungen des Nahen Orients, die heute die ganze Welt bewegen. Dabei ist der Roman so amüsant, farbenreich und spannend geschrieben, daß der Leser von der ersten bis zur letzten Zeile gefesselt ist. Der Roman erscheint Anfang Juni. Josef Wenter, „Saul". Roman. Einband von Prof. E. R. Weiß. Kart. RM. 5,20, Leinen RM. 6.40. Verlag R. Piper & Co. München. Saul und David gehören zu den ewigen, symbolhaften Gestalten, sie sind uns allen aus der Biblischen Geschichte unvergeßlich. Händel schuf sein gewaltiges Oratorium „Saul", Michelangelo seinen mächtigen „David". Leopold von Ranke nennt Saul „die erste tragische Gestalt in der Welthistorie". Der südtiroler Dichter Josef Wenter, Träger des Grillparzerpreises, hat nun den reichen Stoff zu einem lebhaft bewegten Roman gestaltet. Wie David gegen Goliath kämpft, wie König Saul ihm zum Lohn seine Tochter zum Weibe gibt, die düstere Schwermut Sauls, seine erbitterte Verfolgung des Eidams, sein nächtlicher Gang zur Hexe von Endor und sein Freitod nach verlorener Schlacht: all das und noch viel mehr läßt Wenter vor uns geschehen. Er weiß diese mythischen Gestalten uns so nahe zu bringen, daß ihre Schicksale jaden Leser von neuem ergreifen müssen. Josef Wenters Dramen aus der deutschen Geschichte: „Heinrich VI.", „Der Kanzler von Tirol", „Palm", sind mit großem Erfolg über deutsche Bühnen gegangen. MARX Mittag- und Abendtisch SchUtzenstraBe 6/11 Tel. 52944, Eingang Luitpoldstraße, 1 Min. v. HauDtDahnh. Behagl., angenehme Räume. 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