Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 14 (15.7.1936)
- Date
- 1936-07-15
- Page
- Seite 313 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2727810-2728050-2728064--10730-2744102- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 14 Bayerische Israelitische Gemeiodezeitung 313 Die Ereignisse im Heiligen. Land, so führte der Gemeinde Vorsitzende weiter aus, finden unser volles Mitgefühl. Hoffnungen und Leistungen sind in Erez-Israel bedroht, aber im Wesen und in der Idee kann der Aufbau nicht gefährdet werden. Wie innig wir am palästinensischen Geschehen teilhaben, so hingebend müssen wir hier Verbliebene auch alles daran setzen, unsere Gemeinden lebendig und arbeitsfähig zu erhalten. Dr. Neumeyer skizzierte hierauf kurz die Finanzlage der Kultusgemeinde und besprach im Anschluß hieran die gemeindliche Tätigkeit in den verschiedensten Aufgabenkreisen. Die jüdische Volksschule, München, umfaßt zurzeit 407 Schüler, die teilweise die bisherigen Räume, zum andern Teil die von der Stadtgemeinde zur Verfügung gestellten 5 Säle in der Gabelsbergerschule benutzen. Die neuerrichtete gemeindliche Fortbildungsschule wird von 62 Schülern besucht Erfolgreichen Verlauf nahmen 11 im vergangenen Halbjahr gemeinsam mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung (Frankfurt) und dem Ortsring der Jugendverbände durchgeführte Schulungskurse für Jugendführer. Das neue Beth-Chaluz der Werkleute, der von der Gemeinde übernommene Kindergarten, das Lehrgut Milbertshofen, das Lehrlingsheim und die Frauenschule Wolfratshausen dienen ausgezeichnet unserem Jugendwerk. Neben dem bisherigen Turn- und Sport-Verein wurde auch ein Makkabi-Verein errichtet, der etwa 400 Mitglieder gegenüber mehr als 1000 des JTUS umfaßt. Herzliche Anerkennung und die Unterstützung aller verdient der Münchener Kulturbund. Durch die weitere Ausdehnung der gemeindlichen Wohlfahrtsarbeit darf die freiwillige keinerlei Einschränkung erfahren. Die Kultusgemeinde hätte, so wurde abschließend betont, die Fülle ihrer stetig gesteigerten Aufgaben nicht bewältigen können, wenn ihrer Führung nicht eine pflichtgetreue Beamtenschaft und Mitarbeiterschar zur Verfügung stünde. Auch in Zukunft muß jeder einzelne Gemeindeangehörige die Sache der Gemeinde als seine eigene betrachten! Dr. Regensteiner dankte namens der Gemeindevertretung dem Gemeindevorsitzenden für das aufschlußreiche Referat. An Dr. Neumeyers Ausführungen schloß sich ein allgemeines Finanzreferat Justizrat Dr. Oestreichs über die Entwicklung von Gemeindefinanzen und der Steuereingänge. Er wies eingehend auf die Mehrung der Ausgaben im letzten Etatjahr hin und kennzeichnete den Ernst der Lage, die für die Zukunft hinaus durch fortschreitende Verarmung, Verkleinerung der Gemeinde durch Auswanderung und Sterbeüberschuß einerseits, durch erhebliche Steigerung der Anforderungen gekennzeichnet bleibt. Bei äußerster Sparsamkeit gelang es der Gemeindeverwaltung, den Bedarf bisher einigermaßen zu decken und es bleibt ihre Hoffnung, wenigstens noch im kommenden Geschäftsjahr die allervordringlichsten Bedürfnisse befriedigen zu können. Hauptanstrengung der Kultusgemeinde war es bei Aufstellung ihres Haushaltsplans vor allem den Anforderungen der Jugend voll gerecht zu werden. „Das Unmögliche wollen — um das Mögliche zu erreichen" ist der Leitgedanke des Gemeindevorstands. Mit diesen Worten schloß Dr. Oestreich seinen Bericht. Inzwei weiteren Sitzungen setzten Vorstand und Gemeindevertretung die Beratung des Etats fort. Der eingebrachte Entwurf wurde nur durch die Annahme kleinerer Ergänzungsanträge abgeändert, so wurden die Ausgaben für Schulzwecke und ostjüdische Synagogenvereine erhöht. — Die Kirchgeldordnung für 1936 wurde wie im Vorjahre angenommen. Zum Sozialetat, der in diesem Jahre in neuer, ausführlicher Form vorgelegt wurde, referierte Rechtsrat Dr. Weiler eingehend über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahre und über die Aufgaben der kommenden Monate. Nach Behandlung der organisatorischen und technischen Maßnahmen zur Vereinfachung und Beschleunigung des Dienstbetriebes betonte Dr. W. die Wichtigkeit der ehrenamtlichen Hilfstätigkeit und die Notwendigkeit einer Erweiterung und Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen freier und beamteter Wohlfahrtspflege. Darnach wurden Durchführung und Ergebnis der jüdischen Winterhilfe besprochen, ferner die Sammlung für die Blaue Karte, die durch Heranziehung weiterer Werber auf eine neue Grundlage ge- JÜDISCHER KULTURBUND IN BAYERN Ausstellung Mühchener jüdischer Künstler Die bereits in Berlin und Nürnberg gezeigten Werke Münchener jüdischer Künstler sind von Sonntag, den 26. Juli, bis Sonntag, den 9. Aug. in der Zeit von 9—13 und 15-16 Uhr im Bibliotheksaal des Gemeindehauses, München, Herzog-Max-Slrafee 7/1, ausgestellt. Eintritt unentgeltlich; Zutritt nur gegen Vorweis der Kulturbund-Mitgliedskarte. 1 stellt wurde. Es ist zu hoffen, daß die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder sich auch hier bewähren wird. Sodann gab Dr. Weiler einen Überblick über die verschiedenen Gebiete der Wohlfahrtspflege (auf die wichtigen Fragen der Haushilfe und der Unterbringung unserer alten Leute wurde dabei hingewiesen), der Wirtschafts- und Kredithilfe und der Berufsberatung und Umschichtung, wobei insbesondere auch die Erweiterung des Lehrguts Milbertshofen, des Lehrlingsheims München und die Schaffung von Lehrwerkstätten erörtert wurde. Nach einem Bericht über die Auswanderung und ihre schwierigen Probleme, über Pläne und Bemühungen um Einwanderungsländer und Transfermöglichkeiten behandelte Dr. Weiler schließlich aktuelle Fragen aus dem Gebiete der juristischwirtschaftlichen Beratung. In der zweiten Sitzung wurde an Stelle des aus dem Vorstand der Gemeinde ausgeschiedenen LGR. Dr. Bretzfelder in den Gemeindevorstand Rechtsanwalt Dr. Perlmutter gewählt. Der Vorsitzende gedachte der Verdienste Dr. Bretzfelders in der Gemeinde und im besonderen auf dem Gebiete des Turn- und Sportwesens und begrüßte Dr. Perlmutters Wiedereintritt in den Vorstand. In den Jugendausschuß wurde LGR. Dr. Moritz, in den Finanzausschuß Herr Victor Löwenstein gewählt. In der Aussprache erörterte Dr. Lemle im Anschluß an die Berichte des Vorsitzenden und der Sachberater aktuelle, die Gemeinde besonders bewegende Fragen. Dr. Marschütz, der Führer des Ortsrings, gab einen Überblick über wichtige Fragen der Jugendarbeit. Zu seiner Frage nach dem Etatausgleich in den kommenden Jahren nahm der Vorsitzende in grundsätzlichen Ausführungen Stellung. In seinem Schlußwort begrüßte der Vorsitzende auch mit Dank die Anregung des Herrn Dr. Moritz, den Mitgliedern der gemeindlichen Kollegien durch Führungen in den Anstalten und Einrichtungen'der Gemeinde näheren Einblick in die Gemeindearbeit zu geben. — Sodann wurden durch einstimmigen Beschluß Jahresrechnung und Etat genehmigt. H. L.