Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 13 (1.7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 293 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2727810-2728050-2728063--10709-2744080- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Außerdem findet eine tägliche „Lernstunde" unter Leitung des Seminarrabbiners statt. Am Sonntag, den 19. Juli, nachmittags 4 Uhr hält der Lehrerverein seine Mitgliederversammlung ab. Die Tagesordnung wird noch bekanntgegeben. Ortsgruppe des Jüd. Frauenbundes Die zwei letzten Bibelkurse dieses Semesters finden statt: Am Montag, den 6., und Montag, den 13. Juli 4.15 Uhr Sitzungssaal, Thema 5. Buch Moses Kap. 22 ff. und Kap. 32—34. Gedenkfeier für Bertha Pappenheim Die Münchener Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes veranstaltete am Dienstag, den 23. Juni, im Sitzungssaal der Gemeinde eine sehr würdige Gedenkfeier für die verstorbene Gründerin des Bundes, Frl. Bertha Pappenheim. Es war der Feier die diesjährige Generalversammlung der Ortsgruppe vorangestellt worden. Man kann aber nicht sagen, daß diese Verbindung von sachlicher Arbeit und feierlichem Anlaß eine rein äußerliche und unorganische gewesen wäre, denn was in den Tätigkeitsberichten über die geleistete soziale und kulturelle Arbeit in Mittelstandshiife, Haushaltungsschule, Lebensmittelversorgung, Mitarbeit in der Gemeinde und in Kursen und Haustrauennachmittagen zur Sprache kam, das ist ja ein Teil vom Werke, das Bertha Pappenheim geschaffen hat und war gerade in seiner Sachlichkeit, das dürfen wir wohl sagen, in ihrem Geiste ausgeführt. Die erste Vorsitzende Frau Dr. Baerwald leitete die Versammlung und gab mit eigenen Erinnerungen an die Verstorbene* den Übergang zu der Gedenkstunde, welche in den musikalischen Darbietungen von Frau Masser und Frl. Walter ihre stimmungsvolle Umrahmung fand. Dann sprach Frau Clementine Krämer über die große mütterliche Frau, die nach einem erfüllten reichen Leben in voller geistiger Frische, wie sie es sich immer gewünscht hatte, von uns gegangen ist. Und was Frau Krämer gab, waren nicht biographische Details, das war wirklich etwas von der überragenden Persönlichkeit de-* Frau, die der Rednerin auch persönlich verbunden war, und traf, — wenn sie Worte von Bertha Pappenheim zitierte für den Wissenden sogar im Tonfall anklingend — das Wesen dieser großen Jüdin, welche „hoher Mut und großer Geist" in seltener Harmonie vereint, zur Führerin prädestinierten. Und eine andere Verbindung wurde noch' angedeutet, aus der vielleicht gerade die Einheit und die Besonderheit der Verstorbenen erwachsen war: das bewußte Verwurzeltsein in einer edlen Abstammung, die sie gerne auf die Glückel von Hameln zurückführte und das „messianische" Erfühlen des Kommenden, von dem ihr Werk Zeuge ist. — Abschied von Toten und von Lebenden ist das Leid unserer Tage. Beim Abschied von Bertha Pappenheim aber überstrahlt dankbare Freude am Gewesenen und Nachwirkenden die Trauer. Etwas von diesem Dankgefühl hinterließen die Worte von Frau Krämer wohl bei allen Anwesenden. Das Largo von Händel gab den Ausklang. B. Fr. Aus der Tätigkeit des Frauenbundes Aus dem Jahresbericht, den für die allgemeine Ortsgruppenarbeit Frau Ellinger, für die Mittelstandshilfe Frl. Jacobi und für die Wirtschaftliche Frauenschule in Wolfratshausen Frau Stein gab, ist hervorzuheben: Ortsgruppenbericht: Die Mitgliederzahl ist durch Ableben und Abwanderung vieler Mitglieder beträchtlich gesunken, auf etwa 700. Ehrensache jeder jüdischen Frau müßte es sein, Mitglied des Jüdischen Frauenbundes zu sein. Die Bibelnachmittage, abwechselnd gehalten von Frau Fränkel und Frau Ehrentreu erfreuen sich weiter regen Interesses und guten Besuches. Dasselbe ist von den Hausfrauennachmittagen, bei denen Kurzreferate über uns Frauen berührende Themen gehalten wurden, an die sich regelmäßig Diskussionen schlössen, zu sagen. Von größeren Vorträgen und Veranstaltungen sahen wir teils aus technischen und Raumschwierigkeiten, teils, da der Kulturbund auf diesem Gebiet besonders aktiv war, ab. Bei der Werbetätigkeit für die blaue Karte für Hilfe und Aufbau und bei der Winterhilfe waren unsere Frauen in gewohnter Weise tätig. Ebenso bei der Beköstigung, die anläßlich von Jugendführerkursen organisiert und durchgeführt wurde. Im Arbeitsnachweis wird wie seit Jahren die Arbeit weiter gemeinsam mit der Vertreterin der gemeindlichen Wohlfahrtsstelle geführt. Im Heim 293 KOSTÜME . KXJ2IDI2R . KANTS!*. PBLZE der Jugendhilfe wurden zusammen mit ihr eine Reihe von Bügelkursen veranstaltet, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Auch ein Kochkurs fand dort statt, leider mußte der nächste schon anberaumte wegen einer Infektionskrankheit im Heim unterbleiben. Durch die unermüdliche Werbearbeit einer unserer Damen ist es der Wohlfahrtsstelle möglich, die unentgeltliche Lebensmittelabgabe, die von uns eingerichtet wurde, weiter aufrechtzuerhalten. Mittelstandshilfe : Trotzdem auch hier ein kleiner Rückgang zu verzeichnen ist, konnten wir, zum Teil mit einer kleinen Reserve, bis jetzt durchhalten und etwa 230 Personen die Wohltat verbilligter Lebensmittel und Brennmaterialien verschaffen. Schwierigkeiten gibt es natürlich zu überwinden, besonders zeigten sie sich in der letzten Zeit bei der Beschaffung von rituell einwandfreiem Fett. Der rege Einkauf und die Dankbarkeit, mit der weiter von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht wird, zeigt uns, daß auch sie noch notwendig ist. Wirtschaftliche Schule, Wolfratshausen: Den Zeitverhältnissen entsprechend hat unsere Schule in den letzten Jahren einen großen Aufschwung genommen. Wir haben jetzt 73 Schülerinnen. Im letzten Jahrgang überwiegen diejenigen jungen Mädchen, die das Frauenlehrjahr absolvieren, ganz beträchtlich die Schülerinnen der Hachscharah Abteilung. Der Lehrplan für das Frauenlehrjahr ist dem staatlichen angeglichen, derjenige der Hachscharah sieht weniger Theorie und mehr Gartenarbeit vor. Der vergrößerte Betrieb erfordert eine größere Zahl von Lehrkräften, von Anschaffungen und Verbesserungen mancherlei Art. Neben dem feststehenden Stundenplan haben die Mädchen Gelegenheit, Hebräisch, Englisch, Französisch und Kunstgeschichte zu lernen. Vorträge und Arbeitsgemeinschaften, die jüdisches Wissen fördern sollten, wurden u. a. von Prof. Martin Buber, Dr. Baerwald und Dr. Ehrentreu gehalten. Der frohe und frische Geist im Hause, die Disziplin und Ordnung haben unserer Schule immer neue Freunde geworben. Wolfratshausen ist heut ein beachtenswerter Faktor in der jüdischen Mädchenausbildung in Deutschland geworden, seine Schülerinnen werden gern in Anstalten und Familien genommen, weil man weiß, daß sie' wirklich arbeiten gelernt haben. Natürlich beansprucht dieser Betrieb eine ungeheure Menge von Kleinarbeit; Sorgen aller Art, unvorhergesehene Schwierigkeiten treten nur zu oft an uns heran, aber lie müssen überwunden werden im Intersese unserer Jugend und im Sinne der Schöpferin des Jüdischen Frauenbundes, Bertha Pappenheim, der wir mit unserer Arbeit das beste Denkmal setzen können. J- B. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe München Kameradschaftlicher Abend am Montag, 13. Juli 1936, in der Gaststätte Schwarz, Schlosserstraße 2. Tafelgerät und §ehmnek Vornehme Geschenke Silberschmied M.T. WetüElai* München, Maximilianstraße 2