Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 13 (1.7.1936)
- Date
- 1936-07-01
- Page
- Seite 292 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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fc92 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 13 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig auf eine eigene selbständige Existenz. Seine Kenntnis der neuhebräischen Sprache befähigte ihn, in reichem Maße die Worterklärungen der Mischna und der Rabbiner, besonders Raschis, zu verwerten. Die unter seiner Feder entstandenen Bücher, das Lexikon des Hebräischen und Chaldäischen, der Thesaurus, die Grammatik, sind bis auf den heutigen Tag die wichtigsten Hilfsmittel für Anfänger und Fortgeschrittene geblieben, die sich mit der Bibel beschäftigen. Empiriker, der er war, hat er die Tatsachen nie nach einer Theorie auszurichten versucht, sondern hat Stück um Stück die Ergebnisse seiner Forschung zusammengetragen, die heute vor uns liegen, klar und verständlich, überholt zum Teil, aber immer interessant und immer durchdacht. Sein Wörterbuch hat 18 Auflagen erlebt, die Grammatik 28, und wenn beide Werke auch in solchem Maße neu bearbeitet worden sind, daß der Verfasser Gesenius heute als Vertreter einer Meinung neben anderen Forschern im eigenen Werk figuriert, wenn auch Frants Buhl das Lexikon und Kautzsch die Grammatik ganz neu umgearbeitet haben, so ist doch mit Recht der Name Gesenius als Verfasser stehen geblieben, denn nicht seine Einzelergebnisse sind das Große, sondern die Methode, nach der er seine Schüler und damit indirekt uns alle forschen gelehrt hat. Seit Gesenius sind viele Grammatiken und einige Lexika erschienen. Der Raummangel verbietet es uns, diese wohl besser bekannte Forschungsperiode mit gleicher Ausführlichkeit zu behandeln wie die Zeit vor Gesenius. Neben Jakob Barth (1851 bis 1914), dem Erforscher der Bildung der Hauptwörter, sind es in unserer Zeit vor allem Paul Kahle (Prof. in Berlin), dem Bearbeiter der Massora (Punktatoren) und Hans Bauer (Prof. in Halle/Saale) und Pontus Leander (Prof. in Upsala), die uns insbesondere durch ihr Werk „Historisch-Kritische Grammatik der hebräischen Sprache des Alten Testaments" bereichert haben. Die Forschung der hebräischen Sprache erlebte in Gesenius ihren Höhepunkt, aber sie ist nicht abgeschlossen, sie lebt bis auf den heutigen Tag. Carl Cohen. Jetzt ist es Zeit für Pelz-Umarbeitung und Anfertigung nach neuesten Modellen S. OrJjansky 6t Co. Neuhauser Strasse 29 Aus der Gemeinde München Rabbiner Dr. Finkelscherer 70 Jahre! Am 20. 6. beging Herr Rabbiner Dr. Finkelscherer, der seit 1898 in der Kultusgemeinde München gewirkt hat, seinen 70. Geburtstag. Herr Dr. Finkelscherer hat seine theologische Ausbildung am Rabbiner-Seminar in Breslau erhalten, wohin er schon mit einem gründlichen Wissen, besonders auf talmudischem Gebiet, gekommen war. Die dort wirkenden bekannten Meister der jüdisch-theologischen Disziplinen waren seine Lehrer, vor allem der Talmudist Israel Levi, der später sein Schwiegervater werden sollte. Herr Dr. Finkelscherer, der schon in Breslau zur Vertretung für Seminar-Dozenten des Talmudischen Faches herangezogen worden war und der jahrelang die bekannte große Bibliothek des Seminars verwaltet hatte, kam vor 38 Jahren nach München; er hat hier im rabbinischen Amt und im Lehrberuf sowie als Bibliothekar der Gemeinde Jahrzehnte hindurch in vorbildlicher Pflichttreue gewirkt und von Kanzel und Katheder, in Lehrhäusern, Schulen und in persönlichem Umgang religiöses Gut mit dem Ernst seiner charaktervollen, von Religiosität getragenen Persönlichkeit weitergegeben. Die dankbare Gesinnung, die diesem bei allen seinen Verdiensten besonders bescheidenen Manne entgegengebracht wird, kam bei einer schlichten Feier zum Ausdruck, die ihm zu Ehren nach dem sabbatlichen Vormittagsgottesdienst im Sitzungssaal der Kultusgemeinde veranstaltet wurde. Mit Vertretern der gemeindlichen Körperschaften hatten sich die Beamten der Gemeinde mit ihren Damen um den Jubilar und seine Familie vereint. Dem Danke für alles, was Herr Rabbiner Dr. Finkelscherer in fast 40jähriger hingebungsvoller Arbeit für die Gemeinde geleistet, gaben Rabbiner Dr .Baerwald und der Gemeindevorsitzende Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer Ausdruck. Herr Dr. Finkelscherer antwortete mit bewegten Worten. Auch an dieser Stelle sei der Wunsch ausgesprochen, daß dem verehrten Jubilar ein gesegneter Lebensabend in ungeminderter Frische und Rüstigkeit beschieden sein möge, an der Seite seiner in sozialem Wirken sich betätigenden Gattin und neben seinen Söhnen, die des Vaters Beruf erwählt haben. -Id. Oberlehrer Sigmund Stein 70 Jahre! Gleichfalls seinen 70. Gebutrstag feierte kürzlich der am 29. Mai 1866 in Markt Dietenhofen bei Ansbach gebürtige Oberlehrer i. R. Sigmund Stein. Oberlehrer Stein, der nach dem Besuche der Präparandenschule Wallerstein und des Kgl. Schullehrerseminars Schwabach im Jahre 1885 in den Schuldienst eintrat, war zunächst als Volksschullehrer in den pfälzischen Gemeinden Leimersheim und Niederweinstadt tätig und wirkte vom Jahre 1896 ab als Leiter der jüdischen Volksschule in der einst so bedeutenden Gemeinde Sulzbach und ab 1922 in gleicher Eigenschaft in Regensburg. Nach seiner im Jahre 1932 erfolgten Versetzung in den Ruhestand verlegte er seinen Wohn- .sitz hierher, um seinen Lebensabend im Kreise seiner Kinder zu verbringen. Auch hier stellte er noch seine Kraft in den Dienst der jüdischen Gemeinde, indem er einen Teil des Wanderunterrichts versieht, wiederholt auch aushilfsweise Religionsunterricht in den hiesigen Schulen erteilte. Dem sich einer seltenen Rüstigkeit und Frische erfreuenden Jubilar seien auch an dieser Stelle die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck gebracht! Ad meoh w'esrim schonoh. Jüd. Lehrerverein iür Bayern Mit Unterstützung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und des Verbandes Bayer. Isr. Gemeinden hält der Jüd. Lehrerverein auch in diesem Jahre einen Fortbildungskurs ab. Der Kurs findet vom 20. bis inkl. 23. Juli in der Lehrerbildungsanstalt in Würzburg statt. Es sind folgende Referate vorgesehen: 1. Bildungsziel und Bildungsgüter der jüd. Volksschule. 2. Einbau des jüd. Bildungsgutes in den allgemeinen Lehrplan. 3. Fragen des Geschichtsunterrichtes. 4. Aus dem Deutschunterricht der Oberstufe. 5. Der Ausbau der jüd. Volksschule. 6. Die ungeteilte Volksschule. 7. Film und Lichtbild in der Schule. 8. Singen und Gesangunterricht in der jüd. Schule.