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Bayerische israelitische Gemeindezeitung · 1936-07-01 · 13 (1.7.1936) · p. Seite 291

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Journal
Bayerische israelitische Gemeindezeitung
Volume
12 (1936)
Issue
13 (1.7.1936)
Date
1936-07-01
Page
Seite 291 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 291 uns in die Problemwelt des großen Aufbaus hineinzuführen, dem ja doch unser aller beste Kraft gehört — Kraft der Fernen wie Kraft der Nahen... Und darum, so scheint es mir, kann man auf dies Buch die Forderung anwenden, die wir auch heute wieder in der Haggadah lesen werden. Hier ward das Wort zur Tat. Und... „je mehr Einer davon spricht, um so mehr ist es preisenswert." „Ich glaube — mit diesem Danke wäre auch die Verfasserin des Buches einverstanden!" meinte Einer aus dem Kreise. Und dann setzten sie sich nieder, um den Seder-Abend zu feiern. Bertha Badt-Strauss. Aus der Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft ZurErinnerungan Wilhelm Gesenius (1786—1842) Am 3. Februar dieses Jahres war es genau 150 Jahre her, daß Wilhelm Gesenius das Licht der Welt erblickte. Kaum ein Name ist Jedem, der sich jemals mit der Bibel und ihren beiden Sprachen, dem Hebräischen und Chaldäischen, beschäftigt hat, so geläufig wie der seine. Längst versteht man unter „Gesenius" nicht mehr einen Menschen, sondern ein Wörterbuch und ein Lehrbuch der hebräischen Grammatik. Wilhelm Gesenius ist in der Geschichte der hebräischen Grammatik ein Markstein, ein Wendepunkt gewesen. Die Anfänge der Forschung und Niederschrift der Forschungsergebnisse auf diesem Gebiet liegen verständlicherweise in einer Zeit, in der die Sprache selbst nicht mehr lebendig war, in der „die Anzahl der Lernbeflissenen abnahm, die Leiden zunahmen, und Israel sich mehr und mehr zerstreute" (Maimonides). Es war in Sura, der letzten Hochschule in Babylon, wo unter Saadja (starb 942), dem auch als Religionsphilosophen und Übersetzer der Bibel ins Arabische bekannten Gaon, die Grundsteine der hebräischen Grammatik und Lexikographie gelegt wurden. Einen Aufschwung nahm indessen die Erforschung der hebräischen Grammatik und Lexikographie in Spanien, wo um 1000 die größte Blüte des nachexilischen Judentums ihren Anfang nahm. Unter der Herrschaft der kunst- und lebensfrohen Mohammedaner von Cordova und Sevilla entfalteten sich sowohl die wissenschaftliche Erforschung des Islames und seiner Sprache, als auch — dadurch angeregt und durch die Toleranz der Landesherren begünstigt — die Erforschung der hebräischen Sprache. Es waren zunächst die direkten und indirekten Schüler des Gaons in Sura, Menachem ibn Saruq und Juda ibn Chajudj, die in arabischer Sprache über das Hebräische schrieben. Menachem, der auch als einer der Begründer der Neuhebräischen Dichterschule bedeutend ist, schrieb das erste große Lexikon, machberet, in dem er noch die hebräischen Worte in 2-, 3- und 4-wurzelige einteilte, während Juda, der Mediziner, die Triliteralität der hebräischen Wörterfeststellte. Es war dies eine Tat von entschiedener Bedeutung, die allerdings durch die Forschungen der Araber in ihrer Sprache bedeutend erleichtert wurde. Die Feststellung der Triliteralität ist als eigentliche Grundlage jeder weiteren Grammatikforschung zu betrachten. Dies gilt, obwohl die allermodernste Forschung teilweise wieder von diesem Grundsatz abgekommen ist, insofern als man die Stämme von drei Wurzelbuchstaben auf W u r z e 1 n von nur zwei Buchstaben zurückzuführen versucht hat. Auf der Grundlage der Entdeckung des Juda ibn Chajudj vollzog Jona ibn Djannach um 1050 den entscheidenden Schritt zur Modernisierung der Forschung, indem er sowohl das Arabische, als auch* das Neuhebräische (die Sprache des nachbiblischen Schrifttums, der Mischna und der Rabbiner) zur Erklärung der Wörter und der Grammatik heranzog. Die erste Systematik in der Beschreibung der Grammatik verdanken wir dem als Bibelexeget und weltlichen Dichter bekannten Abraham ibn Esra (1092—1167) und vor allem den drei Kimchiden, Vater und zwei Söhnen, um 1160 und 1190. Uber das von den Kimchiden verfaßte Sefer haschoraschim (Buch der Wurzeln) sagte man in Anlehnung an ihren Namen den Satz aus den Sprüchen der Väter „Im ejn kemach, ejn tora (eigentlich: wenn kein Mehl Sommerliche Kombination: Straffalaine, das ideale Sakko aus reinwollenem Trikot. MM Elastisch - porös - knitterfrei! "fr I Flanell-Hose, Hausmarke Z 888, die zuverlässige, reinwolm Q50 lene Sommerhose, 8 Farben I Jr BAMBERGER& HERTZ Die zuverlässigen K1 e i d e r f a c h I e u t e ist, ist keine Tora da; hier: wenn die Kimchiden nicht wären, wäre keine Tora)". Nach den Kimchiden hörte die Grammatikforschung auf der Pyrenäenhalbinsel auf, und der nächste bedeutende Name ist der des Elias Levita, eines Zeitgenossen Reuchlins, dessen Lehrer er wurde (1469—1549). Levita verfaßte das Sefer habachur (Buch des Jünglings), sowie eine Reihe jüdisch-deutscher Volksschriften. Er ist unter den Juden Deutschlands der erste und für lange Zeit der einzige Forscher der Philologie der Bibel gewesen. Durch seinen Schüler Reuchlin wurde das Interesse der Humanisten an der hebräischen Sprache gesteigert, das durch Martin Luthers geniale Bibelübersetzung bereits angeregt worden war. Überall wurde Hebräisch getrieben, und die Bearbeitung der Grammatik und Lexikographie dieser Sprache ging im gleichen Maße in christliche Hände über, indem die Juden infolge der unsäglichen Heimsuchungen, deren Höhepunkt das Jahr 1492 war, nur noch selten die Spannkraft und das Interesse aufbrachten, sich mit diesem Gebiet zu beschäftigen. Denn nach dem Ereignis von 1492 (Vertreibung aus Spanien) erachteten die jüdischen Rationalisten es als ihre vornehmste Aufgabe, die Lehre selbst, das Gesetz, die Richtschnur des Handelns zu studieren und zu verbreiten, während die Erforschung der Sprache als ein Luxus der glücklichen, nunmehr aber vergangenen Spanischen Epoche angesehen wurde. Neben Scaliger und den beiden Buxtorf, diesen universell gebildeten echten Humanisten, die eine Reihe hebräischer Schriften ins Lateinische übertrugen, neben dem Encyklopädisten Chr. Wolf waren es vor allem die Holländer um Surenhuysen, die sich in den nächsten beiden Jahrhunderten hebraistisch betätigten. Die Holländer überspitzten die Vergleichung mit den anderen semitischen Sprachen, sie gingen teils so weit, die hebräische Sprache als einen verderbten arabischen Dialekt anzusehen. Die Dreiwurzelabstammung der hebräischen Wörter wurde so weit als Richtschnur der Lexikographie angesehen (z. B. bei Gusstetius), daß man dreiwurzelige Stämme für diejenigen Wörter erfand, für die die Sprache selbst sie nicht lieferte. So zwang man aw Vater unter den Stamm awah rgehorchen, zu ach =r Bruder erfand man den Stamm achah, der nirgends belegt ist. Wilhelm Gesenius fand den gesunden Mittelweg zwischen allen Tendenzen, die die vernunftgemäße Erforschung der hebräischen Sprache erschwerten. Er verzichtete dort auf die Triliteralität, wo sie sich nicht halten ließ, er sah das Hebrä-. ische als eine selbständige Sprache an, zu deren Erklärung er wohl im reichsten Maße die anderen semitischen Sprachen heranzog (als einer der Ersten erforschte er die phönizische Sprache der Karthager), aber er ließ der Sprache der Bibel ihr Recht ■HBHMHHH sommerlidieTage: Kleider, Dirndlkleider, Leinenrödce, Spenzer kühle Tage: Komplets, Slipons, GabardinesMänfel Regen-Tage: Regenmäntel (Lederol, Batist, Satin, Seide) Leo Oppenheimer, München Fachgeschäft für Damenbekleidung Dachauersfrafje 9 (neben Cafe Rheinland)

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