Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 12 (15.6.1936)
- Date
- 1936-06-15
- Page
- Seite 270 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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270 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 12 Alle Artikel des täglichen Bedarfs gut und billig Utflfdder Cjnb.fy ülündjen. im 9lotental machte, weil sie ihre Problematik, schon durchschauen konnte, vermochte, ireilich nur in einem kurzen geschichtlichen Augenblick, beidem gerecht zu werden: den Werten der Gemeinschaft .und der Tradition ebenso wie denen der freien Persönlichkeit. Jetzt erst konnte die' wahrhaft klassische Leistung jüdischer Autobiographik gelingen, als in einem geschichtlichen Augenblick alle Vorbedingungen dafür zusammentrafen. Dieser Augenblick, der einer klassischen Ledstifflg günstig war, ist heute vorüber, weil die nötige Bejahung des Wertes der Einzelpersönlichkeit zweifelhaft geworden! ist: eine Ethik des Kollektivs, des Volkstums oder der Geschichte, bringt nichts Geformtes mehr hervor wie es die autobiographischen Werke Bialiks und Schmarya Levins sind, sondern allenfalls Berichte, wie sie -in dem palästinensischen Sammellband: „Arbeiterinnen erzählen" vereint siind. Wenm wir heute schon über die jüdische Autobiographik als die Ausdrucksform einer ganz bestimmten Zeit sprechen kön^- nen, so idioch nur darum, weil diese Ze.it bereits vorüber ist und wir sie als eine abgeschlossene Epoche geschichtlich werten können: wir stellen also dlie verschiiedenen typischen Werke nicht mehr wirter dem 'Gesichtspunkte zusammen, m welchem Jahrzehnt dieses- (vom Beginn der Emanzipation Dis zum Lebensende Bialiks und; Schmarya Lewims reichenden) Zeitabschnitts eine Autobiographie entstand, wo sie geschrieben wurde, ob in Polen oder im Elsaß, welchen Beruf der Verfasser ausübte, sondern wir nehmen sie als Pegelzeichen einer Bewegung, die aus einer Gemeinschaft scharf geprägte Einzelpersöniichkeiten bildet, um sie dann wieder in die Gemeinschaft einzuschmelzen. Wir sehen diese Zeit heut vielleicht nicht iganiz gerecht sehen ihre Schatten mehr als ihre Lichtseiten. Eine Betrachtung wie unsere heutige soll uns dazu führen, sie als wirklich geschichtlich notwendig erkennen zu lassen: wir werden dann verstehen, daß ihre Leistungen, wie z. B. die Autobiographik, neben diesem zeitbedingten auch -viel echten, dauernd! gültigen Wert für uns besitzen. Dora Edingen Aus der Gemeinde München Jüdische Fortbildungsschule Mit Beginn des Schuljahres 1936/37 wurde an die jüdische Völksschule in München eine Fortbildungsschule für Knaben und Mädchen angegliedert. Die Fortbildungsschule, an deren Ausbau eifrigst (gearbeitet wird, zählt bereits nahezu 60 Schüler. Ortsgruppe München des Jüdischen Frauenbundes Fortsetzung' des Bibelkurses Montag, den 22. Juni 4% Uhr, Sitzungssaal. Thema: 5. Buch Moses, Kap. 20, 21, 22. Am Dienstag, den 23. Juni abends 8 Uhr, findet im Sitzungssaal der Gemeinde die ordemt liehe Mitgliederversammlung statt. Anschließend eine Gedenkstunde für Berta Pappenheim. (Siehe Inserat.) „Der Ring", Bund iüd. Jugend veranstaltet am 27. ds. Mts. 8.15 Uhr im Museumssaal einen Elternabend. Das Programm sieht neben einigen Liedern der Junggruppen und zwei Klaviersoli die Aufführung von zwei Szenen aus Beer-Hofmann's „Der junge David" vor. Karten zu RM. 1.—,—.50 und für Jugendliche zu RM. —.20 sind bei den Mitgliedern des Bundes und an der Abendkasse zu haben. Im Interesse der Jugend bitten wir um recht zahlreichen Besuch. Der Studien- und Arbeitsförderungsverein für Israeliten in Bayern E.V. hielt am 19. Mai seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Der Vorsitzende. Herr Rabbiner Dr. Raerwaldi, gedachte der in deinl letzten Wochen verstorbenen Herren Jiustizrat David Mosbacher uinid Justizrat Leo Oppenheimer in ehrender Weise; beide Herren hatten dem Vorstand des Vereins nahezu drei Jahrzehnte angehört und sich in besonderem Maße um ihn verdient gemacht. Herr Rechtsanwalt Albert Oppenheimer wurde als neues Mitglied des Vorstandis gewählt. Den Rechenschaftsbericht erstattete der Kassier, Herr Dr. Fritz Stern. Im Jahre 1935 wurden! an 13 Studierende 36 Stipendien im Betrage von rund 3300 Mk. bewilligt; an 65 Handwerks- und Landwirtschafts-Lehrlinge und -Praktikanten wurden 3000 Mk. verteilt. Wie in den Vorjahren mußte abermals das Weine 'Kapital dies Vereins in Anspruch genomman werden, eine Maßnahme, die Infolge der zahlreichen dringlichen Gesuche, insbesondere aus den Kreisen der in Umschichtung zu Hamdlwerk und Landwirtschaft befindlichen Bewerber sich nicht vermeiden ließ. Die schwierige finanzielle Lage: des Vereins, dessen regelmäßige Einnahmen erhebliche Einbuße erfuhren, bildete Geigenstand einer .ausführlichen Besprechung; ebenso wie auch die Erwartung, daß Mittel und Wege zu einer Lösung gefunden würden. 70. Geburtstag Herr Isidor Nördlinger, Waldeckstraße 25, feiert am 15. Juni seinen 70. Geburtstag. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe München Am Montag, den 22. Juni 1936, findet ein kameradschaftlicher Abend in der Gaststätte Schwarz, Schlosserstraße 2, statt. Kamerad Justiz rat Dr. Karl Oestreich wird über allgemein interessierende Fragen der Jüdischen Verwaltung berichten. |E|H2 Zionistische Ortsgruppe ^ffl^ MÜnChen Schlo«ser*ir.2/l Tel.530 52 Am Donnerstag, den 18. Juni 1936, halb 9 Uhr, spricht Herr Rabbiner Dr. R. Geis, Mannheim, im Museums-Saal über „Das jüdische Schulwerk — seine Aufgabe für die Zukunlft unserer Jugend". Das Problem der jüdischen Schmie und ihrer Ausgestaltung ist das wichtigste und vordringlichste im Lebensraum der Juden in Deutschland. Der Vortrag von Dr. Geis, der mitten in der praktischen Lehrtätigkeit steht und1, wie wir von seiner Münchener Amtszeit her wissen, ein bewährter Führer der Jugend ist, dürfte gerade in diesem Augenblick das ungeteilte Interesse der 'jüdischen Öffentlichkeit finden. Näheres im Inserat dieser Nummer. Wir bitten die Karten möglichst im Vorverkauf zu besorgen. * Samstag, den 20. Juni 1936, 16 Uhr, trifft sich die jüdische Jugend Münchens im Bibliothek-Saal der Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Geis hält einen Oneg Schabbat über „Moses Heß: Rom und J e r u s a 1 e m". Die sofortige Lektüre des Buches, soweit es den Jugendlichen noch nicht bekannt sein sollte, wird empfohlen.