Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 11 (1.6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 251 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Jiid. Kulturbund in Bayern flrtsj|ru|»p4; Alfinclicn Mitteilung an die Mitglieder Auf Grund vielfacher Anfragen teilen wir nochmals mit, daß für den Monat Juni keine Beitragsrate zu entrichten ist. Wer alle Raten einschließlich Mai bezahlt hat, hat de_n Jahresbeitrag für die Veranstaltungszeit 1935/36 vollständig beglichen. Die beiden Veranstaltungen im Monat Juni gelten als Ersatz für die zwei Veranstaltungen, welche im Monat Februar infolge des behördlichen Verbotes ausfallen mußten. Die Eintrittskarten für die Juniveranstaltungen werden daher unentgeltlich abgegeben. Näheres über die Juniveranstaltungen siehe nächste Seite! Mit den beiden Konzerten im Monat Juni ist unsere Veranstaltungszeit 1935/36 beendet. Die Leitung der Ortsgruppe möchte aus diesem Anlaß sämtlichen Mitgliedern ihren herzlichen Dank aussprechen für die Anteilnahme und treue Gefolgschaft, welche sie dem Kulturbunde trotz aller Schwierigkeiten bewiesen haben. Die vielen Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für das Gebotene sind der Ortsgruppenleitung ein Beweis für die Richtigkeit des von ihr eingeschlagenen Weges; sie wird daher in der kommenden Veranstaltungszeit mit allen zu Gebote stehenden Mitteln das Erreichte zu erhalten und durch neue Möglichkeiten zu erweitern suchen. Anfangs September werden wir unseren Mitgliedern durch Rundschreiben sowie durch Bekanntgabe an dieser Stelle das Programm für die nächste Veranstaltungszeit mitteilen. Zur gleichen Zeit werden auch die neuen Mitglieds-Ausweiskarten für das kommende Jahr zur Abholung bereitliegen. Die Kulturbundkasse wird letztmals am Dienstag, den 9. Juni geöffnet sein; anfangs September nimmt sie ihre Tätigkeit wieder auf. Mit vorzüglicher Hochachtung! Die Vorstandschaft. Reichsaussfellung Jüdischer Künstler im Berliner Jüdischen Museum Der Reichsverband Jüdischer Kulturbünde, die Reichsvertretung und die Künstlerhilfe der Jüdischen Gemeinde Berlin gemeinsam, haben am 26. April die Reichsausstellung Jüdischer Künstler im Berliner Jüdischen Museum eröffnet. Die Künstler aus dem Reiche sind zu Gast geladen, die Berliner selbst haben diesesmal auf eine Ausstellung ihrer Arbeiten verzichtet. War ihnen doch eine Schau im Frühjähr 1935 gewidmet, über die an dieser Stelle ebenfalls berichtet wurde. Die diesjährige Ausstellung, die mit Arbeiten von Künstlern aus den Hauptzentren künstlerischer Arbeit in Deutschland — Breslau, Dresden, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Mannheim, München und Stuttgart — beschickt worden ist, gibt mit diesem Überblick zugleich einen wertvollen Einblick in das heutige Schaffen der jüdischen bildenden Künstler in Deutschland, beleuchtet — auf einem Teilgebiet — die geistige und seelische Haltung jüdischer Menschen in Deutschland überhaupt. Vorwegnehmend sei es gesagt: die ausgestellten ca. 150 Arbeiten — Gemälde, Graphiken und Plastiken — zeigen eine erfreuliche Qualität und legen Zeugnis ab von ernster Arbeit, die hier am Werk ist. Die Fülle des Gezeigten erlaubt es jedoch nicht, hier alle Namen aufzuzählen; nur einige Künstler, bzw. ihre Arbeiten können eingehender erwähnt werden. Die geschickt angeordnete Ausstellung zeigt, bis auf die Gruppe aus Hamburg, die Arbeiten nicht lokal zusammengestellt, was uns vollkommen berechtigt erscheint. Denn von einem einheitlichen Gesicht, etwa der Münchener oder Frankfurter Künstler, kann man nicht sprechen, vielmehr ist es gerade lohnend, aus der Vielfältigkeit des Gebotenen die besonders interessanten Arbeiten zu erkennen und von ihnen aus die Gesamtschau zu betrachten. München läßt uns bei dem Thema „Mutter und Kind" gleich zweimal aufmerken. Die Terrakotta-Plastik Elisabeth Springers „Mutter und Kind" in ihrer blockhaften Geschlossenheit, dem engen Aneinanderschmiegen der beiden Körper, dem strengen, unpathetischen Ernst dieser Frau mit ihrem Kind legt Zeugnis ab von der starken Begabung der Künstlerin. — Das gleiche Thema in der Malerei gestaltet die Münchnerin Maria L u i k o (Maria Luise Kohn). Waren in der Springerschen Plastik Mutter und Kind schlechthin — in ihrer ewiggültigen, nicht zeitbedingten Bindung — als Einheit gegeben, so gibt Luiko deutlich erkennbar den ostjüdischen Frauentypus. Mit dunklen Augen schaut die Frau ins Unbestimmte, umfaßt ihren kleinen Jungen, der vor ihr sitzt und sich auf ihren Schoß lehnt — auch hier wieder das gleiche enge Aneinanderschmiegen von Mutter und Kind, in gleicher Innerlichkeit, nur mit anderen Ausdrucksmitteln erreicht. Von den übrigen ausgestellten Arbeiten der Künstlerin zeigen die Radierungen, meist figürliche Darstellungen, eine gute Leistung. — Von weiteren Werken Münchener Künstler fällt Rudolf Ernst mit seinem eigenartigen ganzfigurigen Selbstporträt auf und verlangt unsere Beachtung. In zarten lichten Pastell tönen, vorwiegend rosa und blau, stellt sich uns der Maler dar; im Gegensatz zur Zartheit der Farbtöne steht die Straffheit der Gestalt, die Angespanntheit des pysiognomischen Ausdrucks. Daß einige Partien in dem Gemälde noch nicht ganz gelöst sind, die stark manierierte Art etwa, 4 ~V-£ » Bruno Eisner (Berlin) zu seinem Klavierabend am 9. Juni.