Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 11 (1.6.1936)
- Date
- 1936-06-01
- Page
- Seite 250 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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250 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 11 * a^^i * das Zeichen für den guten modernen Schuh! D.H.S. Schuhges. m.b.H. Neuhauserstraße 7 und 6 Filialen und er hatte damit eine Lücke auszufüllen, die durch die Organisierung der jüdischen Wohlfahrtspflege mit ihren vielen, großen Vorteilen und doch auch manchen kleinen Nachteilen entstanden war. Erweisung der Liebe von Mensch zu Mensch in religiöser Begeisterung war seine hauptsächlichste Wirksamkeit; ganz besonders als langjähriger 1. Vorsitzender und fleißigster tätiger Mitarbeiter der Ghewra Kadischa und der Israelitischen Krankenfürsorge, um die er sich Verdienste erwarb, die ihm allein schon dauerndes Gedenken sichern würden; aber auch in vielen anderen Wohltätigkeitsvereinen, unter denen besonders noch der Studien- und Arbeitsförderungsverein und der Verein für Ferienkolonien und zur Bekleidung armer Schulkinder genannt seien. . Leo Oppenheimer war ein Mensch tiefinnerster Gläubigkeit, ein frommer Mensch aus religiöser Überzeugung, der sein Glauben und Wissen um die höchsten geistigen und seelischen Geheimnisse des menschlichen Lebens sich an den Betten der Kranken und Sterbenden holte, die er bis zum letzten Atemzug betreute und mit denen er das Bekenntnis unserer Religion noch sprach, bevor sie diese Erde verließen; bei den Kindern, Witwen und Waisen, den Geisteskranken und Geistesschwachen, die er aufsuchte und für die er als getreuer Vormund mit stets gütigem, mitfühlendem Herzen sorgte. Und er war ein ausgezeichneter Kenner der Bibel, aus der er sich in allen Lagen des Lebens seine seelische Kraft, seine Überzeugung und die richtigen Worte des Mitfühlens und Helfens für andere holte. Kein Wunder, daß er so auch ein innerlich froher, im Freundeskreis geselliger, humorbegabter, mit seiner Familie aufs Innigste verbundener, glücklicher.Mensch war. Die allgemeine, ungeteilte Anerkennung und Zuneigung, deren Leo Oppenheimer sich mit Recht in der ganzen Gemeinde erfreute, zeigte sich in der fast unübersehbaren Zahl der Trauernden, die ihm das letzte Geleite gaben und deren Gefühle Gemeinderabbiner Dr. Baerwald, Rabbiner Dr. Ehrentreu als Vertreter der Chewra Kadischa, Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer namens der Kultusgemeinde, des Landesverbandes, ihrer Anstalten und der jüdischen Wohlfahrtsvereine, sowie Herr Louis Marx als sein nächster Mitarbeiter in der Vereinigung Israelitische Krankenfürsorge beredten Ausdruck verliehen. Ein frömmer, schlichter, edler, gütiger Mensch, ein tüchtiger Jurist und Sachwalter der Armen und Bedrängten ist dahingegangen. Sein Vermächtnis an die Münchener Juden lautet: Mehr, viel mehr Helfer und Mitarbeiter braucht die jüdische Wohlfahrtsarbeit, brauchen ganz besonders die Chewra Kadischa und die jüdische Krankenfürsorge; Menschen', die wie er bereit sind, in persönlichem Einsatz ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte jüdische Wohltätigkeit zu üben. Möge dieses Vermächtnis Viele finden, die bereit sind es anzunehmen und zu erfüllen! Dann wird das Andenken Leo Oppenheimers zum dauernden Segen für unsere Gemeinde sein. Sichrono livrocho! Dr. Fr. S. Vortrag Dr. Georg Josephthal. Im vollbesetzten Museumssaal sprach am 23. Mai, nach ^vorangegangenem Gedenken an die Opfer der Unruhen und an Nahum Sokolow Herr Dr. Georg Josepthal (Berlin) über die Ereignisse in Palästina.. Auf die Unruhen, so führte . Dr. Josephthal aus, hätte der jüdische Jischuw aktiv reagiert, er habe sich nicht zum Objekt dieser vorbereiteten und nicht zufälligen Geschehnisse machen lassen. Die bekannte einwan- Tafelgerät und Schmuck derungsfreundliche Unterhausdebatte in London wäre ihr unmittelbarer Anlaß gewesen. Die arabischen Führer seien von der Erkenntnis ausgegangen, daß die Verhandlungen mit England stets wirkungsvoller nach vorangegangenen Unruhen wären. Diese Rechnung aber sei falsch gewesen, denn wie bekannt, habe die Mandatsregierung mit der Veröffentlichung der Einwanderungsquote geantwortet. — Hieran schloß sich eine eingehende Analyse der Stellung Englands im Vorderen Orient. Zwingend stellte Dr. Josephthal unter Beweis, daß Palästina, insbesondere der Hafen Haifa als Flottenstützpunkt, sowohl aus moralischen als aus machtpolitischen Gründen eine der wichtigsten Interessenpunkte des englischen Imperiums darstelle. Der Jüdische Jischuw müsse, so fuhr Dr. Josephthal fort, genau so wie die Engländer und die Araber, den Weg zur Befriedung des Lebens in Palästina finden. Dieses Ziel sei nicht durch Deklamationen, nicht durch impulsive Kundgebungen zu erreichen, sondern durch klare Erkenntnis der Situation, durch gesteigerten Aufbau und gesteigerte Alija. Der Jischuw sei durch keine Unruhen mehr zu schwächen. Zwar wäre er, zahlenmäßig, heute noch kein Verhandlungspartner für die Araber, aber das sei nach wenigen Jahren ungestörter Einwanderung gegebene Tatsache. In diesen Tagen der Unruhe seien aus natürlichen Gründen neue Arbeitsplätze für die Juden entstanden. Das Leben des Jischuw habe eine gesteigerte Intensität und Geschlossenheit erfahren — es sei durch die Ereignisse in sich erstarkt. Mit einer Mahnung an die Juden der Gola, die Ereignisse in Palästina mit „heiliger Nüchternheit" zu betrachten und mit einem Hinweis auf den permanenten Heroismus der Männer des jüdischen Aufbaus schloß Dr. Josephthal seinen fesselnden Vortrag. Versicherungs-Verein A.G. „Die Hilfe". Die ordentliche Mitgliederversammlung des Versicherungs- Vereins A.G. „Die, Hilfe", Berlin C 2, Oranienburger Straße 1, hat am 30. April 1936 stattgefunden. Dem Geschäftsbericht entnehmen wir Folgendes: Das Ergebnis des abgelaufenen Jahres ist sowohl in bezug auf den Eingang von neuen Anträgen als auch auf den Eingang der Prämienzahlungen als zufriedenstellend zu bezeichnen. Am Ende des Berichtsjahres waren 10 264 Mitglieder mit RM. 6 045 000.— Versicherungssumme vorhanden. Für Sterbefälle wurde der Betrag von rund RM. 35 000.— im Jahre 1935 ausgezahlt. Auf Grund der vorhandenen Empfehlungsverträge konnten an verschiedene Landesverbände, Gemeinden und Organisationen entsprechende Beträge für deren Wohlfahrtseinrichtungen abgeführt werden. „Die Hilfe" ist der einzige selbständige jüdische Versicherungs- Verein.. Er untersteht der Aufsicht des Reichsaufsichtsamtes für Privatversicherung. In seinem Beirat und seiner Leitung sind Persönlichkeiten aller jüdischen Richtungen vertreten. An seiner Spitze steht als Vorsitzender des Beirats Herr Adolf Schoyer und als stellvertretender Vorsitzender Herr Direktor Heinrich Stahl, ferner als geschäftsführendes Vorstandsmitglied Herr Wilhelm Marcus. In keiner Zeit war die Inanspruchnahme von Versicherungsschutz notwendiger als heute. Im Interesse der Einzelnen wie auch der jüdischen Gemeinden ist der Abschluß von Sterbegeldversicherungen zwecks Sicherstellung der Beerdigungskosten nachdrücklichst zu empfehlen. Reichsbund jüd. Frontsoldaten Ortsgruppe München Am Montag, den 8. Juni 1936, findet der nächste kameradschaftliche Abend in der Gaststätte Schwarz, Schlosserstraße 2, statt. Vornehme Geschenke Silberschmied M".T. Wetzlar München, Maximilianstraße 2 MOBEL-BALLIN jetzt TheatinerstraBe 7, Eingang Maffeistr. Billige Preise bei gediegener Qualität I