Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 197 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 197 Arab lens un d P erstens neue Roll 1. Rupert Donk an, Die Auferstehung Arabien s. Ibn-Sauds Weg und Ziel (Wilhelm Gold- •mann Verlag, Berlin 1935). 2. Es s a d Bey, Reza-Schah. Feldherr, Kaiser, Reformator (Verlag Dr. Ralf Passer in Wien, 1936). I. Es lohnt außer dem gelegentlichen Blick hinter die Kulissen Vorderasiens, wie er uns durch die sachverständigen Berichte und Abhandlungen der FrankfurterZeitung und der Jüd. Rundschau manchimal 'gestattet ist, etwas systematischer ein Verständnis für die weltgeschichtlichen Vorgänge in der Türkei, in Araibüen, in Persien zu gewinnen. Die 'bekannten Werke von Hans Köhn („Nationalismus und Imperialismus im Vorderen Orient" und „Die Enropäisierung dies Orients") führen am zweckmäßigsten in <den Fragenkreis ein.- Ohne Kenntnis der Vorgänge, der weltpolitischen1 und geopolifechen Veränderungen in diesen großen Ländern bleibt jede „Palästina-Kunde" Stückwerk. Viele Juden, 'die aus Deutschland im dien letzten Jahren nach Erez-Israel gefahren sind, bleiben, trotz den besten Inforimationsmitteln über Palästina selbst, ahnungslos über die (nicht einmal fernen) MöglÜchikeietn auf der schmalen Länderbrücke, die wir „das Land der Verheißurig" nennen, weinin sie sich nicht besser über die neuen Reiche des Atatürk, der arabischen Herrscherfamilien und über den Werdegang des persischen Reiches orientieren. Die Atmosphäre, die Menschen. Führer, die neue Bewegung in der arabischen Welt, die unvermindert anhält, werden mit Hilfe des spannenden Buches von Donkan über Ibn-Saud gut erfaßt. Die jüdischen Interessen in Palästina sind in einem Grad mit der gesamtarabischen Politik verflochten, daß man eine solide Unterrichtumg über den Gang der Dinge und über die zentralen Gestalten dieser Welt nicht dringend genug.anraten kann. Die Information wird dem, der sich heute nicht durch schwere Literatur durcharbeiten kann, durch die glänzende Reportage Donkans leicht gemacht. Ibn Sauds Aufstieg baginnit, als er uim die Jahrhundertwende mit einigen wenigen Getreuen aus dem Verbannungsort seines vertriebenen Vaters aufbricht und die Hauptstadt des Nedsch, den alten Herrschaiftsstitz der saudischen Familie zurückerobert, um die Überlieferungen seines Vorfahren, des Begründer des Wahhaibismus, einer aszetisch-puritanischen .sunnitischen Reformbeweigunig des Islam, wieder aufzugrielifen. In mehr als dreißigjährigen zwischen Erfoilgen und Rückschlägen wechselnden Kämpfen befestigt er endgültig seine Herrschaft über das Nedsch, das He r z 1 a n d Arabiens, erobert das Hedschas mit den heiligen Städten Mekka und Medina und dringt gegen Osten bis zum Persischen Golf vor, bis er im vergangenen Jahre nach einem kurzen Waffengang auch den Imam des Yemen im Südosten zur Anertkennung seiner Oberhoheit zwingt. Ebenso wichtig aber wie die räumliche Ausdehnung seiner Macht sind zwei weitere i n n e r a r a b i s c h e Vorgänge. Das eine ist der erfolgreich fortgeschrittene Versuch zur Seßhaiftmachung der wahhäbitisChen Stämme im Nedsch, das andere die Befreiung der heiligen Städte aus den Händen dies babgieriigen, auf ausländische Subventionen und die Ausbeutung der Pilgerkarawanen bedachten Soherifs Hussein von Mekka. Persönliche Erlebnisse in den Jahren, da sein Vater A b d u r R a h m a n auf der Flucht vor seinen Feinden, den Dschammar im nördlichen Nedsch, sich in der Wüste verborgen halten mußte, undl eine richtige Erkenntnis der Ursachen des Mißerfolges der Wahhabitenbewegung unter seinen Vorfahren veranlassen ihn zu dem Versuah, aus den vielfach nur vom Wüstenraub lebenden Beduinen seßhafte ackerbautreibende Menschen zu machen. Er ruft die Ichwan-Bewegung ins Leben, die unter Verwendung der stellenweise nur wenig unter der Erdoberfläche dahinziehenden Wasseradern zu einem künstlichen Bewässerungssystem anbaufähigen Boden schafft, eine Mustersiedlung anlegt und von dort allmählich sich weiter ausdehnt. Die Ausdauer, mit der Ibn Saud diesen innerarabischen Siedlungsvorgawg 'im Laufe der Jahre vorwärts treibt und allen Rückschlägen wenn nötig mit Gewalt begegnet, kennzeichnet seine Zähigkeit und Energie in der Verfolgung seiner Ziele. Er list nicht nur ein Fanatiker seines Glaubens, ein Eiferer in dem Bestreben, die Religion des Islam im Sinne seiner Vorgänger von erstarrten Formen und veräußerlichten Übungen zu befreien (Rückkehr zu der strengen Einfachheit des religiösen Lebens, wie es im Koran grundgelegt ist, Anerkennung der Überlieferung der Sünna), sondernauch ein Führer von politischem Verstände, ein Begründer eines neuen staatlichen Gemeinwesens, durch das Arabien aus der Versunkenheit und Ohnmacht zu Zeiten der alten Türkei und der Zersplitterung seiner Stämme wieder zur Einheit und zu einem neuen politischen Leben erwachen soll. Der große innerarabische Siedlungsvorgang ist die soziologische Grundlegung des saudischen Arabiens. Ibn Saud hat nicht seine Kräfte verschwendet, indem er als eifernder Reformator seine von religiösem Fanatismus erfüllten Krieger über die Grenzen Arabiens hinweigstürmera läßt, um mit dem Schwert das Sektierertum vorwärtszutragen, sonderner hat seine Kräfte immer wieder zusammengerissen, um seine politische Herrschaft im Innern zu 'festigen, die Stämme zu einigen, um der wahhabitischen Bewegung einen sicherem Rückhalt an einer neuen staatlichen Gemeinschaft zu geben. Aus dem Reformator ist darüber ein politischer Führer, ein Staatsmann geworden. Die Eroberung des Hedschas brachte Ibn Saud nicht nur eine Ausdehnung seines Gebietes und größere, für die weitere Entwicklung seiner Macht wichtige Geldeinkünfte (die Abgaben der Pilger für den Besuch der heiligen Stätten), sondern er wurde bald) in den Augen der aus dem weiten Gebiet des nördlichen, mittleren und südlichen Afrika, aus Vorderasien, Britisch-Indien und dem malayischen Archipel kommenden Pilger und Befereier und Beschützer, nachdem er der Herrschaft Husseins ein Ende gemacht hatte. Seit Ibn Saud seine Herrschaft bis ans Rote Meer ausgedehnt hat und König des Hedschas geworden ist, haben sich die nach Mekka ziehenden Karawanen verdoppelt und verdreifacht, nachdem der Pilgerstrom unter Hussein zeitweise fast zum Versiegen gekommen war. Wenn er noch vorher als der wilde wahhabitische Aufrührer und Wüstenhäuptling verschrien wurde, so .ist er nun der religiöse Reformator, der treue Sohn des Propheten, der ifür die Reinhaltung-der Lehre des Korans seine Beduinen zum Kampfe geführt bat und den. Pilgern, dlie zum heiligen Stein nach Mekka ziehen, Schutz und Hilfe angedeihen läßt. Alle wichtigen Maßregeln, die Ibn Saud getroffen hat, stellte er unter den Gesichtspunkt der panislamiischen Einigung, als König des Hedschas fühlte er sich auch als Sachwalter der religiösen Interessen des gesamten Islam. II. In Bagdad ist soeben (Frühjahr 1936) zwischen dem Irak und dem Königreich Saudi-Arabien ein Bündnisvertrag abgeschlossen worden; der Vertrag steht den anderen mohammedanischen Ländern zum Beitritt offen. Das ist in der Tat ein wichtiger Wendepunkt, vor allem wenn man an die immer mehr um sich Jüdischer Kulturbund in Bayern Ortsgruppe München 9. uud 10. Mai: Heitere Veranstaltung za L.ag b'omer im Museums aal 21. Mai: Symphoniekonzert des Kulturfonndorchesters München in der Synagoge Herzog-Max-Strasse.