Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 9 (1.5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 198 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Bayerische Israelitische Gemeindezeitung Nr. 9 f II H § Unx>etaltete6 £>iebett>eit (B>runt>pfeüer aller StttlK^fett hüben (S>erec£ttgr«t tmt> TDa£rl>afttgf«t. £>emt ntc|>t (Blü&feligfeit for&ert bcr £ atcgortf tyt 3mpera» tit), fonbero (Serec^ttgreit. 2Ule ©etrec^tigfett aber muf getragen fein von gcgenfeitiger tung, bte es niemale jwlä^t, ba£ ein UTenf 3> ben anbtvn als bloßes iTftttel für feine $tve&e be* ^anbelt ober benutzt. ^Kant. tPer für t>te Jett erlogen wtrb, wirb fd>lect>ter atebieSett. 3ean paul. UTan fragte ben 2lbler: tX)arwm erjie^ftbubeine jungen fo £oc£ in ber iluft? S)er 2tbler antwortete : TDürben fte ftc^, erwa^f en, fo na^e jwr 0onne wagen, wenn i^> fie tief an ber ^rbe erjöge? Äeffing. greifende Kolonisation der mehr oder weniger nomadischen arabischen Stämme und an ihre technische Zivilisation denkt. Daneben hat sich in letzter Zeit ein anderer Block in Vorderasien gebildet: Von der Türkei führt über das neue Persien bis nach Afghanistan eine einheitliche politische Kraftlinie. Die Politik der palästinensischen Mandatsregierung ist nur unter Berücksichtigung der weltpolitischen Gesamtlage im vorderen Orient zu verstehen. Wir haben, auch vom Palästinastandpunkt, unsere gesteigerte Aufmerksamkeit der Modernisierung und Industrialisierung Irans zuzuwenden. Sie ist ein Werk der erstaunlichen Führerpersönlichkeiten des persischen Herrschers Reza Schah,.der von Essaidl-Bey in einer überaus infoaltr eichen und spannenden Biographie geschildert wird. Reza-Schah ist der Schöpfer einer modernen Großmacht im Herzen des Alten Orients. Die große Abhandlung „Flotten-Manöver im Persischen Golf" in der Frankfurter Zeitung vom 17. Dezember 1935 hat uns eine Fülle von Informationen über Persien gebracht. Riza- Pehlewi, der 1921 die Regierung dieses uralten asiatischen Großreichs an sich gerissen hat, setzte es mit einer von der ganzen Welt bewunderten Unerschrockenheit durch, daß die Kapitulationen aufgehoben, die Konzession der Anglo-Persian-Oil-Company «gekündigt und die Modernisierung des großen Landes vorwärts getrieben wurde. Tausende-von Autos verkehren heute auf den zum Teil gut ausgebauten alten Karäwanenstraßen. Unter Leitung eines aus Deutschland eingewanderten Fachmannes sind im Iran die größten chemischen Werke Vorderasiens aufgebaut worden. Sie versorgein heute schon große Teile des Orients mit chemischen Erzeugnissen, die früher Europa, vor allem Deutschland lieferte. Teheran, aber auch mehrere andere Großstädte Irans, bauen Schlachthäuser, Markthallen, Kühlanlagen, sie kanalisieren und regeln ihre Wasserversorgung neu. Das persische Finanzministerium hat eine Ausschreibung für die Errichtung einer großen Zigarettenfabrik in Teheran erlassen, die eine tägliche Leistungsfähigkeit von zwölfeinhalb Millionen Zigaretten aufweisen soll. Die Fabrik soll mit einer Elektrizitätszentrale, mit Wasserturm, Reparaturwerkstätte, Karto- MO BEL-BALLIN jetzt Theatlnerstraße 7, Eingang Maffeistr. Billige Preise bei gediegener Qualität i nagenfabrik, Tischlerei, Lager- und Büroräumen, mit Garage, Pförtnerhaus, Kantine ausgestattet werden. Im übrigen lese man über die Kolonisationstaten des persischen Herrschers bei EssadrBey nach. Man sehe auf den Bildern die Nomaden: einst auf der Wanderung in Zigeunerart, heute: mit Sport und Turnen in der Schule des Schahs in Asterabad. Aber inmitten der Kämpfe, mit den alten Mächten, inmitten der Projekte, Bauten, Befehle vergißt dieser modernste Kai- - ser des Orients nie, daß er das^Oberhaupt der ältesten Kulturnation des Ostens ist. Das Land, Zarathustras und Firdusis, der Beitrag Irans zur europäischen Hochkultur (z. B. Einführung des Pferdes, der Jagd mit gezähmten Falken, des Schachspiels usw.), die hohe künstlerische Kultur des alten Persiens (Islamische Architektur, Seidenstickerei, Teppichweberei), diese Kapitel sind der größten Beachtung wert. Das neue Persien sieht in dem vergangenen islamischen Jahrtausend nur eine Episode seiner Geschichte; die alten echt iranischen Kräfte sollen wieder erweckt werden. Auch hier nimmt die Macht Europas mit der zunehmenden Europäisierung ab. In der alten asiatischen Welt entstehen neue moderne Völker und Kulturen. Wir müssen von diesen weltgeschichtlichen Wandlungen Kenntnis nehmen; sonst bleiben uns neue große Enttäuschungen nicht erspart. Besonders das Schicksal Palästinas ist mit den einschneidenden Veränderungen in ganz Vorderasien aufs engste verknüpft. Es war unsere Absicht, auf einige wichtige, nicht allzu schwere literarische Orientierungsinittel hinzuweisen. Die modernen Mianidats- und Kolonialfragen haben mit „Erez-Israel" so viel und so wenig zu tun wie der Völkerbund mit den Vorstellungen des Propheten Jesaja über den ewigen Frieden. Aber echte Menschheitsideen waren immer gewaltige Motoren für praktische Taten und Entschließungen, deren Durchführung an die geographischen, machtmäßigen (politischen) und technischen Tatbestände unlöslich geknüpft ist. Darum muß sich auch der tief Religiöse unter uns unter Anderem um die heutige Krise des Mandatsgedankens und ihre Konsequenzen kümmern. _ F. „Aus Tiefen rufe ich Dich11 Die Psalmen-ÜVersetzung Martin Bubers I. In der söit Jahren begonnenen Bibel-Übersetzung von Buber JRosen!Zweiig ist vor kurzem der 14. Biand „Das Buch der Preisungen" erschienen'. Die Psalmen — Tehillim — sind nicht nur das populärste jüdische Buch, sie sind Besitz der Völker geworden. Dieses Gebet- und Liederbuch1 hat die Welt enobert. Bedrängte und dankerfüllte, klagende und jubelnde Herzen aller Zonen und Zeiten beten mit den Worten und ewig gültigen Ausdrucksmitteln des Psalter. Hier hat sich der große •Sprachkünstler und Übersetzer Martin B'uiber bewährt: peinlich getreu dem hebräischen Urtext, holt er doch durch eine Verbindiumig strenger Exegese und eines feinen Gefühls für Rhythmus und Sprache miehr laus dem biblischiön Wort heraus als ein deutscher Übersetzer vor ihm. Es war ein guter Gedanke des Schooken-Verlages in seiner Bücherei 23 Psalmen aus dem Hauptband (XIV. Bd. der Bibel) ausgewählten! und den hebräischen und deutschen Text gegenüberzustellen. In der Auswahl sind die berühmtesten Klaigeu'nid Dankpsalmen des Einzelnen mit solchen vereinigt, in denen von Drangsal und Rettung der Gemeinschaft gesagt "Wird.'Wir veröffentlichen im Nachstehianden das Vorwort Bubers zu dem schönen doppelsprachigen Auswahlbändchen. II. Zu echtem psalmistischen Ausdruck kann nur eine in der ganzen Wirklichkeit persönlichen Lebens durchüttene Not gelangen; .aber so exemplarisch stellt sich in dem Schicksal des geschichtlichen Israel das des „Gebieugten" dar. daß auch' das allerpersönlichste Wort 'hier nicht als nur-individuell empfunden werden kann.. Und hfowieder ist 'der Aufschrei dessen, der das Wir der Gemeinde spricht und der nur sie,- nicht seine Soinderexistenz dm Sinn hat so unmittelbar der eines gepeinigten und hoffenden Menschenherzens, daß man das Historische eben doch als ein Biographisches erfährt und irnimef neu merkt, wie auch das Volk nicht anders Leib gewinnen kann als. in der Person. Die Frage nach dem „Ich der Psalmen"