Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Journal
- Bayerische israelitische Gemeindezeitung
- Volume
- 12 (1936)
- Issue
- 8 (15.4.1936)
- Date
- 1936-04-15
- Page
- Seite 177 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8. Bayerische Israelitische Gemeindezeitung 177 „Die guten Willens sind" Ein Romanwerk von Jules Romains Die Tatsache, daß ein zeitgenössischer französischer Schriftsteller, der uns von früheren Werken her bekannte Jules Romains, das Wagnis auf sich nimmt, analog der „comedie humaine" Balzacs, den Roman unserer Zeit, des ruhelosen, sich im Flusse befindlichen 20. Jahrhunderts zu schreiben, berechtigt uns, das Erscheinen der ersten Bände dieses Werkes in deutscher Sprache (bei Ernst Rowohlt, Berlin) als ein geistiges Ereignis ersten Ranges zu bezeichnen. Wir wollen davon absehen, die großartige Ouvertüre zu diesem Werk, die Romains mit dem ersten Bande „Am 6. Oktober" geschrieben hat, allein literarisch-kritisch zu werten. Diese „Vision der modernen Welt", wie der Dichter sein Werk in der umfassenden Vorrede nennt, soll eine Folge von zwanzig Bänden umfassen. Davon liegen heute im Urtext zehn Bände vor, drei davon, uns zugänglich, in deutscher Ubersetzung von Franz Hessel. Es kann also über dieses so groß angelegte Romanwerk „Die guten Willens sind" heute noch kein abschließendes Urteil abgegeben werden. Denn wer wollte, nach der Kenntnis eines kleinen Küstenabschnittes die Schönheit eines ganzen Meeres schildern — und bewerten! „Am 6. Oktober" heißt der erste Band. Der Titel ist programmatisch; denn Romains will mit einem Querschnitt durch den 6. Oktober 1908 die Situation und die Atmosphäre von Paris einfangen, zu Beginn des neuen Jahrhunderts, an der Schwelle einer mächtig vordrängenden Zeit. In einem kunterbunten Mosaik von Menschen — die zum großen Teil Träger der Handlung sein werden — und knappen Handlungen, von, ich möchte fast sagen, Bildstreifen der Seinestadt wird die Atmosphäre so gültig und zart, so lebensecht und sinnlich festgehalten, daß wir ohne unberechtigte Übersteigerung sagen können: wir stießen kaum je auf eine bessere Schilderung von Paris; so dichterisch und so über das Sagbare hinaus verherrlichte kaum je ein Dichter den Zauber dieser Stadt. (Beweis: das Kapitel „Paris fünf Uhr Abends".) Alle Gestalten des ersten Abends sind keine „Einzelwesen", in keiner Weise in sich begrenzt: sie sind lebendige Substanz der Stadt Paris, sie gehören zur Atmosphäre und wären nichts ohne sie. Das gilt für alle: für den jungen Lehrling Wazemmes — wie graziös und echt französisch wird sein erstes Liebesabenteuer erzählt! —, für die Mitglieder der beiden adligen Familien Champcenais und Saint Papoul, für die beiden Bürgerfrauen Maillecottin und Ezzelin ebenso wie für den Buchbinder Quinette oder die charmante Schauspielerin Germaine Bader. Wir sehen in Werkstätten und Bürgerhäuser, auf Märkte und Rennplätze, in die Boudoirs vergötterter Frauen und in die Arbeitsstuben von Politikern und Geldmagnaten, in eine nächtliche jüdische Schenke und in winklige Gassen, und wir träumen schließlich von der Höhe des Montmatre in die nächtliche Dämmerung des schwindenden Oktobertages. Wir bekommen den ganzen Zauber dieser einzigartigen Stadt zu spüren. Hat der erste Band seine Stärke im Visuellen und Atmosphärischen, ist er, gewissermaßen aus einer Ruhestellung heraus, ein großer Situationsbericht, so ist der zweite Band, betitelt: „Quinettes Verbrechen", von Handlung geladen. Der Buchbinder Quinette, äußerlich das Muster eines Pariser Kleinbürgers, verstrickt sich in ein seltsames und gefährliches Abenteuer. Er gehört zu denen, die im Leben irgendwie „zu kurz gekommen" sind, er langweilt sich, ein einsamer hypochondrischer Junggeselle. Durch eigenartige Umstände wird er Mitwisser einer Mordtat, die an jenem 6. Oktober geschah, er spielt sich zum „Beschützer" des Mörders auf, lediglich um den Fall psychologisch zu studieren, er fühlt sich so in die Situation des Verbrechers ein, daß ihn, den eigentlich Unschuldigen, die Panik des Verfolgten befällt. Dabei ist er der Tyrann des Mörders Leheudry. Quinette wird zum Detektiv, aber zu einem im negativen Sinne, indem er das Verbrechen nicht aufsondern zudeckt. Das geht soweit, daß er von dem Alp der nicht begangenen Mordtat nicht mehr loskommt, er befreit sich von ihm, indem er Leheudry mit einer List beseitigt So wird aus dem Theoretiker des Verbrechens der Verbrecher. Neben dieser Handlung — nur als Kostprobe gleichsam hier nacherzählt — laufen in diesem zweiten Band eine Reihe von Nebenhandlungen, die in einem hinreissen- DER ERSTE PALÄSTINA-TONFILM Ein Fox-Movietone-Film der Urim Palestine Film Co. Ltd., Jerusalem, hergestellt im Auftrag des Keren Hajessod Jerusalem Weitere Aufführungen in München Sonntag, 19. April, 103oUhr vormittags Dienstag, 21. April, 20 30 Uhr abends Samstag, 2. Mai 2(po Uhr abends Museumssaal, Promenadestr. 12 Ansprachen: Dr. Hans Capell, Nürnberg Karten zu RM. 1.—, 1.50 und 2.- Vorverkauf: Zionist. Ortsgruppe München, Schlosserstrasse 2/1 (Fernsprecher 53052) und Ewer-Buchhandlung, Oitdsirasse 2. Für die Aufführung am 19. April haben die auf 23. Februar 18.30 Uhr ausgestellten Karten Gültigkeit, für die Aufführung am 21. April die auf 23. Februar 20.30 Uhr ausgestellten Karten. Karten für 21. April ausverkauft, restliche Karten für 19. April an der Tageskasse erhältlich, für 2. Mai im Vorverkauf. * Jugendvorstellung Sonntag, den 26. April, 1030 Uhr Museumssaal Karten zu 30 Pfg. werden durch die Jüd. Jugendbünde und die Jüdische Volksschule ausgegeben, eine beschrankte Anzahl ausserdem bei der ZOG vom 22. April ab. Palästina-Filmstelle der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Zionistische Ortsgruppe München